Hannes Blog

Neues aus der Landwirtschaft

Niederlande: Rückgang der Ferkelexporte

Die Niederlande haben im vergangenen Jahr erneut weniger Schweine in andere EU-Länder ausgeführt. Insbesondere der Ferkelexport nach Deutschland brach ein. Währenddessen hat sich die Ausfuhr von Schlachtschweinen nach Spanien verdoppelt und nach Polen sogar verdreifacht, berichtet Agra Europe.

Wie aus vorläufigen Daten der niederländischen Unternehmensagentur (RVO) hervorgeht, wurden 2022 insgesamt rund 6,99 Millionen Schweine in den anderen Mitgliedstaaten abgesetzt; das waren 503.600 Tiere oder 6,7 % weniger als im Vorjahr. Ein Jahr zuvor war bereits ein noch stärkeres Exportminus von 15,7 % zu verzeichnen gewesen. Der Abbau von Sauenbeständen in den Niederlanden sowie die hohen Futtermittelpreise und wirtschaftliche Einbußen bei den EU-Schweinehaltern über weite Strecken des vergangenen Jahres dürften den jüngsten Rückgang bewirkt haben.

Maßgeblich für die geringeren Verkaufszahlen im Auslandgeschäft war der deutlich rückläufige Ferkelexport. Gegenüber 2021 sank die Zahl der an die EU-Mäster gelieferten Tiere um 570.500 Stück oder 9,1 % auf 5,69 Millionen. Deutschland blieb mit knapp 2,95 Millionen abgenommenen Ferkeln Hauptkunde der Niederländer, doch gingen die Lieferungen ins Bundesgebiet um 619.100 Stück beziehungsweise 17,4 % zurück. Auch nach Belgien, Polen und Italien wurden deutlich weniger Jungschweine verkauft.

Eine Ausnahme stellten die Ausfuhren nach Spanien dar, die schon seit Jahren zunehmen. Die dort wachsende Schweineproduktion bescherte den niederländischen Ferkelexporteuren 2022 ein Absatzplus von 9,4 % auf fast 1,70 Millionen Stück. Übertroffen wurde dies nur von einem noch kräftigeren Zuwachs von 164 % auf 155.220 verkaufte Ferkel nach Rumänien.

Nach jahrelangen Rückgängen war laut Daten der RVO erstmals wieder ein Anstieg der niederländischen Schlachtschweinelieferungen in andere EU-Länder zu verzeichnen. Die entsprechende Zahl nahm gegenüber 2021 um 96.600 Tiere oder 13,4 % auf knapp 818.000 Stück zu. Hierbei waren die deutschen Schlachtunternehmen wichtigste Abnehmer, doch gingen die Lieferungen an diese um 1,0 % auf 553.800 Tiere zurück. Dies wurde jedoch durch vermehrte Ausfuhren in andere Länder überkompensiert. So verdoppelten sich beispielsweise die Transporte nach Spanien auf rund 94.200 Schlachtschweine; diejenigen nach Polen waren mit 66.300 Tieren fast dreimal so hoch wie im Vorjahr.

ASP in Europa: Deutlich weniger Fälle in 2022

n Europa hat es im vergangenen Jahr deutlich weniger Ausbrüche der Afrikanischen Schweinepest (ASP) gegeben als 2021. Insgesamt wurde die Tierseuche in 15 europäischen Ländern festgestellt, berichtet AgE.

Wie aus Daten des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) auf Basis des europäischen Tierseuchenmeldesystems (ADNS) hervorgeht, gab es 2022 in der Europäischen Union zuzüglich Serbiens, Moldawiens, Nordmazedoniens und der Ukraine insgesamt 7.760 ASP-Virusnachweise; das waren 6.215 oder 44,5 % weniger als im Jahr zuvor. Hierbei sank die Zahl der infizierten Hausschweinebestände um 71,3 % auf 533 Haltungen; bei Wildschweinen war ein Rückgang von 40,4 % auf 7.227 Ausbrüche verzeichnen. Negativ muss indes gewertet werden, dass die Tierseuche mit Italien, Tschechien und Nordmazedonien in drei weiteren Ländern neu auftrat. Insgesamt waren 15 europäische Staaten von der ASP betroffen.

Erneut die meisten ASP-Fälle wurden mit 2.108 aus Polen gemeldet; das waren allerdings gut ein Drittel weniger als 2021. Hierbei sank die Zahl der infizierten Hausschweinehaltungen binnen Jahresfrist von 124 auf 14. Auf Rang zwei der meist betroffenen Staaten lag Deutschland mit 1.595 ASP-Nachweisen; das bedeutete ein Minus von 1.124 Fällen oder 41,3 % gegenüber dem Vorjahr. Fast zwei Drittel aller Virusfunde fanden bei Wildschweinen in Sachsen statt, dahinter folgte Brandenburg mit 533 Nachweisen. Die im vergangenen Jahr in drei Nutzschweinebeständen festgestellten Ausbrüche erfolgten in Brandenburg, Baden-Württemberg und Niedersachsen.

Werden nur Hausschweinebestände betrachtet, dann waren die rumänischen Halter mit 327 ASP-Ausbrüchen im europäischen Vergleich am stärksten betroffen. Ein Jahr zuvor waren es allerdings noch 1.660 beziehungsweise fünfmal so viele gewesen. Dahinter folgt Serbien mit Viruseinträgen in 107 Haltungen. In acht der 15 Länder mit ASP hat 2022 die Gesamtzahl der Fälle abgenommen, besonders deutlich in Ungarn mit 78,3 % auf 551 sowie in Rumänien mit 71,1 % auf 775 Nachweise. Dagegen verzeichneten Lettland und Litauen sowohl Zuwächse bei Infektionen von Wild- als auch bei Hausschweinen. In fünf weiteren Staaten kam es zu vermehrten oder erstmaligen Feststellungen dieser Tierseuche. So belief sich in Italien die Zahl der erstmals 2022 festgestellten ASP-Fälle auf 269, wobei Sardinien nicht enthalten ist. Ein Schweinebetrieb auf dem Festland war dabei von einem Ausbruch betroffen.

Wo bleiben die Preissenkungen für Dünger?

Trotz sinkender Gaskosten fordern viele Düngerproduzenten und -händler fast unveränderte Preise für KAS und Co. Die Nachfrage ist deshalb sehr ruhig.

Wenn Gas teurer wird, ziehen die Abgabeforderungen für Düngemittel meistens sofort mit an. Sinkende Produktionskosten werden mit dem Hinweis auf „langfristige Gaslieferverträge“ dagegen nur sehr zeitverzögert weitergegeben.

So auch jetzt: Der deutliche Preisrückgang bei Erdgas ist im Düngemittelhandel immer noch nicht umgesetzt worden. Die Kurse geben zum Jahresbeginn nur zögerlich nach. Die Großhandelskurse für Harnstoff wurden leicht nach unten korrigiert. Die Notierungen für KAS bleiben hingegen fast unverändert. Die Nachfrage aus der Landwirtschaft ist denn auch nach wie vor ruhig.

Finanzmärkte haben schon großen Einfluss auf die Agrarrohstoffmärkte

Bislang gibt es bei den Agrarrohstoffen keine Blasen an den Terminmärkten. Dennoch wächst das Interesse von Anlegern, ihr Geld in die Rohstoffmärkte zu investieren.

Kapitalanleger suchen auch auf den Rohstoffmärkten nach rentierlichen Anlagemöglichkeiten. Begünstigt wird diese Entwicklung durch ein niedriges Zinsniveau bzw. eine lockere Geldpolitik der Notenbanken, die die Konjunktur ankurbeln soll.

Dem DBV liegen zahlreiche wissenschaftliche Studien vor, wonach spekulative „Blasen“ an den Terminmärkten („Preisübertreibungen“) in der Regel nur dann entstehen können, wenn in den von Angebot und Nachfrage bestimmten Börsenplätzen keine vollständige Markttransparenz gegeben ist. Bislang konnten derartige Marktverzerrungen an den Agrarterminmärkten aber nicht nachgewiesen werden.

Seit dem Wegfall der EU-Agrarpreisstützung werden die heimischen Erzeugerpreise von der Situation auf den internationalen Agrarmärkten geprägt. Infolgedessen haben sich die Preisschwankungen (Volatilitäten) an den europäischen Agrarmärkten in den letzten Jahren deutlich erhöht.

Die Preisschwankungen an den europäischen Getreide- oder Milchmärkten zum Beispiel sind groß. Vor diesem Hintergrund gewinnen Preisabsicherungsinstrumente wie Warenterminmärkte für Anbieter und Käufer von Agrarrohstoffen an Bedeutung. Landwirte sichern sich im Vorfeld der Ernte vor allem über Vorkontrakte ab, denen Warentermingeschäfte des Handels zugrunde liegen.

Bei der Vermarktung von Getreide und Raps nutzen immer mehr Landwirte Vorkontrakte zur Preisabsicherung. Nach Ergebnissen des Konjunkturbarometer Agrar gaben im März 2022 51 % der Verkaufsgetreide anbauenden Landwirte an, Vorkontrakte mit Abnehmern wie Handel und Mühlen über ihre anstehende Ernte oder Teile davon abgeschlossen zu haben oder zu planen. Der entsprechende Wert für die Raps anbauenden Betriebe lag im März 2022 bei 79 %.

Der globale Handel mit Agrarprodukten wird nicht nur durch Angebot und Nachfrage beeinflusst. Erhebliche Bedeutung haben auch die Wechselkurse.

Der internationale Agrarrohstoffhandel wird überwiegend auf US-Dollar-Basis abgewickelt. Eine Euro-Schwäche gegenüber dem US-Dollar wirkt sich auf die deutschen Exportgeschäfte positiv aus, da die Unternehmen billiger auf dem Weltmarkt anbieten. Die Importe von Rohstoffen und Gütern verteuern sich dagegen, was sich belastend auf die Produktionskosten auswirkt.

Im Laufe des Jahres 2022 hat der Euro gegenüber dem US-Dollar deutlich an Wert verloren. Lag der Kurs Anfang 2022 noch bei knapp 1,13 US-Dollar/Euro, ist er im September und Oktober 2022 sogar unter die Parität abgerutscht. Im November 2022 lag der Kurs immerhin wieder bei 1,02 US-Dollar/Euro. Damit sind Exporte in den US-Dollarraum im Laufe des Jahres 2022 billiger, Importe dagegen teurer geworden.

Magere Kennzeichnungspflicht, zumindest ein Anfang um mehr Tierwohl weiterzubringen

Die neue Verordnung zur Herkunftskennzeichnung hat einen fahlen Beigeschmack. Denn nur Kantinen in Krankenhäusern, Schulen oder Firmen müssen die Primärzutaten ab Mitte 2023 ausweisen. Wann die verpflichtende Kennzeichnung in der Gastronomie kommt, steht dagegen in den Sternen.

Das Ei aus Kärnten, Rindfleisch aus Oberösterreich oder Tiroler Milch: In verpackten, verarbeiteten Lebensmitteln und in der öffentlichen Gemeinschaftsverpflegung sollte ab 2023 die Herkunftsangabe dieser Primärzutaten verpflichtend sein. So lautete im Frühjahr 2022 der Plan der Bundesregierung. Kurz vor Jahreswechsel verkündeten Landwirtschaftsminister Norbert ­Totschnig und Gesundheitsminister ­Johannes Rauch eine Verordnung, um mehr Transparenz am Teller zu haben.

Doch die geplante Verordnung hat ­einen fahlen Beigeschmack. Denn nur Kantinen in Krankenhäusern, Schulen oder Firmen müssen die Primärzutaten ab Mitte 2023 ausweisen. Welche Speisen das betrifft, soll in einem Speisen­katalog stehen, der per Verordnung vorgegeben wird.

Für die Kantinen soll alles so einfach wie möglich sein, erklären die Minister. Angegeben wird die Herkunft, also ob das Ei aus Österreich, das Kalbsschnitzel aus der EU oder aus Nicht-EU-Ländern kommt. Es ist auch möglich, den Anteil in Prozent zu belegen: Unser Rindfleisch kommt übers Jahr gerechnet zu 50 % aus Österreich und zu 50 % aus Nicht-EU-Ländern. Somit weiß der Besteller nicht, woher sein Steak auf dem Teller kommt, trotz Verpflichtung.

86 % der Österreicher legen laut Landwirtschaftsminister großen Wert auf die Herkunft ihrer Lebensmittel. Transparenz ist den Konsumenten ein Anliegen, genauso wie den Bauern. Eine generelle Herkunftskennzeichnung könnte zahl­reiche Verbraucher zum Umdenken ­bringen. Denn steht beim Schnitzel das Herkunftsland dabei, müsste sich der Wirt die Frage gefallen lassen, warum kein österreichisches Fleisch paniert wird.

Eine Studie der Landwirtschaftskammer zeigt: Werden 1 % mehr heimische Lebensmittel gekauft, würde das bis zu 3.100 Arbeitsplätze und eine Wertschöpfung von 140 Mio. € im Land bringen. Diese Wertschöpfung können die landwirtschaftlichen Betriebe auf jeden Fall brauchen.

Wie viele Prozent Steigerung bei heimischen Lebensmitteln die geplante ­Verordnung bringt, wird sich zeigen. Eine Ausweitung auf die verarbeiteten Lebensmittel soll kommen, Zeitrahmen gibt es keinen. Ebenso wenig wie für die verpflichtende Kennzeichnung in der Gastronomie. Der große Wurf ist mit der Transparenz in den Kantinen nicht ­gelungen. Es ist zumindest ein Anfang, mehr aber auch nicht.

Sowie immer AK gegen LK : Neiddebatte erzürnt unsere Bauernvertreter

Die Landwirte in Österreich haben 2022 ihr Einkommen deutlich steigern können. Darauf deutet die erste Vorschätzung für die Landwirtschaftliche Gesamtrechnung 2022 hin, die von der Statistik Austria vorgelegt wurde. Die Arbeiterkammer kritisiert die Agrarförderung. Das erzürnt die Bauern.

Laut Darstellung der Wiener Statistiker führten erhebliche Teuerungsraten für Landwirtschaftliche Betriebsmittel, aber auch für agrarische Erzeugnisse zu einem starken Anstieg sowohl der Produktionskosten als auch des Produktionswerts im Landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereich. Diese Kostensteigerungen seien allerdings durch die gestiegenen Agrarpreise kompensiert worden. Den Gesamtproduktionswert der österreichischen Landwirtschaft wird von der Statistik Austria für 2022 auf 10,389 Mrd. Euro (10,23 Mrd. Fr.) beziffert. Im Vergleich zum Vorjahr wäre dies ein Zuwachs von 21,5 %.

Die Aufwendungen für Vorleistungen, Abschreibungen und sonstige Produktionsabgaben werden in Summe auf 8,611 Mrd. Euro geschätzt. Damit würde der 2021 erreichte Wert um 18,9% überschritten. Die im Rahmen der Einkommensermittlung berücksichtigten öffentlichen Gelder wurden um 15% auf 1,731 Mrd. Euro aufgestockt. Unter dem Strich ergibt sich somit für das im Landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereich insgesamt erwirtschaftete Faktoreinkommen ein Betrag von 3,508 Mrd. Euro Dies entspricht gegenüber dem Vorjahresergebnis einem nominellen Anstieg um 24,8%. Die Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen, also der Saldo von Produktionswert und Vorleistungen, legte um 17,7 % auf 4,286 Mrd. Euro zu.

Für die tierische Erzeugung weisen die Statistiker ein Plus von 20,1% auf 4,479 Mrd. Euro aus. Massgeblich dafür war die sehr positive Erlösentwicklung in der Milchproduktion. Bei einer Ausweitung des Erzeugungsvolumens um 2,6% in Verbindung mit einem Anstieg der Produzentenpreise um 25,5% übertraf der Produktionswert von Milch zu Herstellungspreisen das Vorjahresergebnis um 29,0%. Die Produktion von Rindern und Schweinen war dem Volumen nach um 3,5% beziehungsweise 5,1% rückläufig. Wertmässig erhöhte sie sich jedoch infolge gestiegener Erzeugerpreise um 11,6% beziehungsweise 16,6%.

Die Arbeiterkammer nahm die Einkommensschätzung zum Anlass, «mehr Treffsicherheit bei der Landwirtschaftsförderung» zu fordern. «Wenn also alle Daten darauf hinweisen, dass manche grossen Agrarbetriebe in dieser Zeit der extremen Teuerung sehr gut verdient haben, sollten diese nicht auch noch mit zusätzlichen Zahlungen aus dem Steuertopf überfördert werden», so Maria Burgstaller, Agrarpolitik-Expertin der Kammer. Angesichts der Tatsache, dass 80% des Steueraufkommens von Arbeitnehmern und Konsumenten geleistet würden, sei zu erwarten, dass diese Gelder treffsicherer eingesetzt werden.

Der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Josef Moosbrugger, zeigte höchst erzürnt sich über die Kritik der Arbeiterkammer: «Ich bin entsetzt und fassungslos, dass manche in der jetzigen weltweiten Krisensituation nicht davor zurückscheuen, aus politischem Kalkül gerade jene an den Pranger zu stellen, die für die Versorgung der heimischen Bevölkerung mit Lebensmitteln, Energie und Rohstoffen von grösster Bedeutung sind». Das Einkommensplus sei für die Bauern in Zeiten enormer Kostensteigerungen und höchst volatiler Märkten dringend notwendig, auch für die Gewährleistung der Ernährungssicherung und die Aufrechterhaltung vieler weiterer Leistungen für die Gesamtgesellschaft, so Moosbrugger.

Schweineproduktion: Hohe Kosten bremsen Wachstum aus

Die globale Schweineproduktion soll im laufenden Jahr nur noch um 1 % wachsen.

Für den europäischen Schlachtschweinemarkt war das vergangene Jahr 2022 – wie bereits die beiden vorangegangenen Jahre – außerordentlich turbulent. Mit Corona, der Afrikanischen Schweinepest und dem Ukraine-Krieg wirkten sich mehrere Krisen gleichzeitig stark auf den Schweinemarkt aus. In fast allen Ländern wurden Höchstpreise für Schlachtschweine erzielt, dennoch ist die finanzielle Situation auf den Ferkelerzeuger- und Schweinemastbetrieben alles andere als entspannt, weil die Steigerungen auf der Kostenseite ebenfalls enorm sind und weiter finanzielle Verluste eingefahren werden.

Gebremst werden die Produktionsausweitungen durch die stark gestiegenen Kosten für Futtermittel. Nicht nur in China, sondern auch in anderen großen Erzeugerländern, wie den USA und Brasilien, dürfte die Produktion in 2023 allerdings zunehmen. In der EU, dem zweitgrößten Erzeuger von Schweinefleisch, wird den Prognosen zufolge die produzierte Menge 2023 hingegen leicht unter des Jahres 2022 liegen. Grund dafür sind vor allem die deutlich gestiegenen Betriebskosten.

Expertenschätzungen gehen für 2023 von einem verringerten globalen Handelsvolumen von 12,0 Mio. t aus. Davon entfallen 5,3 Mio. t auf die EU-27 und 2,8 Mio. t auf die USA. Damit dürfte die EU-27 auch in 2023 der mit Abstand weltweit größte Exporteur von Schweinefleisch bleiben. Die Schweinefleischerzeugung der EU-27 für 2022 wird auf 22,4 Mio. t geschätzt. Das sind gegenüber dem Vorjahr 5 % weniger. Darunter befinden sich EU-Mitgliedstaaten wie Spanien, das seine Bestände in 2022 weiter deutlich aufgestockt hat und mittlerweile für fast ein Viertel der EU-Schweineerzeugung steht.

Länder wie Deutschland, Polen und die Niederlande haben ihre Schweinebestände dagegen kräftig reduziert. Von Januar bis September 2022 kamen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 9 Prozent weniger deutsche Tiere an den Haken. Wegen der um durchschnittlich 800 g pro Schwein gesunkenen Schlachtgewichte fiel die in den ersten drei Quartalen erzeugte Fleischmenge sogar um knapp 10 % geringer aus. Für 2023 rechnen Marktexperten der AMI mit einem weiteren starken Rückgang der Schweinefleischerzeugung von über 8 %. Obwohl das Angebot an Schweinen vergleichsweise klein ist und die Erlöse in 2022 über denen des Vorjahres liegen, entschließen sich zahlreiche Betriebe dazu aufzuhören. Gestiegene Energie- und Futterkosten sowie wachsende Anforderungen an das Tierwohl bringen viele Landwirte in eine wirtschaftlich schwierige Situation.

Eine deutliche rückläufige Entwicklung ist bei den Einfuhren von Schweinen nach Deutschland zu beobachten. Dieser Trend begann bereits im Jahr 2020. Für 2022 wird mit 8,9 Mio. Ferkeln und 1,0 Mio. Schlachtschweinen gerechnet, die von außerhalb der Grenzen Deutschlands eingeführt werden. Das ist erheblich weniger als im Vorjahr (- 12 %). Die AMI rechnet auch für 2023 mit weiter rückläufigen Importen. Vor allem die Ferkeltransporte aus den Niederlanden und die Zahl der gelieferten Schlachtschweine aus Belgien sind rückläufig. Aus Deutschland ins Ausland verkauft wurden bis August 2022 nur 1 Mio. Schlachtschweine und Ferkel. Das ist deutlich weniger als im Vorjahr. Zu den größten Abnehmern von deutschen Schweinen zählen Österreich, Polen und Ungarn.

Loslassen, um weiter machen zu können

Die Raunächte haben begonnen. Zwölf Nächte, denen jeweils ein Monat im nächsten Jahr zugeordnet wird. Uraltes Wissen, viele Bräuche, Rituale und Traditionen drehen sich um diese magische Zeit. In unserer zwölfteiligen Serie wollen wir uns einige davon zu Nutzen machen, um das alte Jahr gut abzuschliessen und mit neuen Visionen glücklich ins 2023 zu starten. Im 11. Teil dreht sich alles ums Loslassen und Verabschieden alter Dinge.

Diese Raunacht dient dem bewussten Abschiednehmen und Loslassen. Dieser Schritt ist nicht immer leicht und dennoch enorm wichtig, damit Wachstumsprozesse stattfinden können.

Loslassen sollte immer in Dankbarkeit und Liebe durchgeführt werden. Jede Begegnung in unserem Leben erweitert unseren Horizont und jede Erfahrung trägt dazu bei, dass wir unsere Lebensgeschichte schreiben.

Aber nicht alle Menschen und Dinge bleiben für immer in unserem Leben. Wenn wir an ihnen festhalten, kann es sein, dass wir uns Neuem verschliessen.

Jeder Raunacht wird ein Monat des nächsten Jahres zugeordnet. Die erste Raunacht steht für den Januar, die zweite für den Februar und so weiter.

Die traditionelle Zählung der Raunächte beginnt in der Nacht vom 24. Auf den 25. Dezember. Eine Raunacht umfasst dabei immer die Zeit von Mitternacht des alten Tages bis Mitternacht des neuen Tages.

Die Raunächte haben ihren Ursprung in der germanischen und keltischen Tradition. Damals lebten die Menschen nach dem Mondkalender, der sich nach dem Mondzyklus von 29,5 Tagen ausrichtet. Das Sonnenkalenderjahr, nach dem wir leben, hat allerdings 365 Tage.

Zwischen den beiden Zählweisen gibt es eine Differenz von zwölf Nächten, welche von den Kelten durch die Schalttage ausgeglichen wurden. Die zwölf Nächte werden auch Raunächte genannt.

Laut Überlieferungen sind in diesen zwölf Nächten die Gesetzte der Natur ausser Kraft gesetzt. In den Raunächten sind wir Menschen besonders empfänglich für die Geistige Welt, denn der Schleier zwischen den Welten ist dünn.

Es handelt sich um eine magische Zeit, die bis heute zur inneren Einkehr, tiefen Reinigung und Reflexion, zum Loslassen und zur Visualisierung von Wünschen und neuem genutzt wird.

Bereits unsere Vorfahren nutzten die Zeit und transformierende und visionäre Kraft der Raunächte. So kommt es, dass rund um die Raunächte zahlreiche Traditionen, Rituale und Bräuche entstanden sind, mit dem Ziel: sich mit sich selbst zu beschäftigen und die Visionen für das neue Jahr lebendig werden zu lassen.

Wer in Dankbarkeit und Liebe Loslassen und Abschied nehmen kann, kann gleichzeitig zufriedener und glücklicher weiterlaufen.

Nimm dir heute Zeit, dich an all die Menschen zu erinnern, die dich und dein Leben in den letzten Jahren geprägt haben. Die folgenden Fragen können dich dabei unterstützen:

  • Mit welchen Menschen hast du im letzten Jahr einen zauberhaften Moment erlebt?
  • Wer oder was hat dich zum Lachen gebracht?
  • Mit wem hast du deine Sorgen und Ängste geteilt?
  • Wer oder was hat dir im letzten Jahr eine Freude gemacht?
  • Welche Visionen aus dem letzten Jahr konntest du umsetzten?
  • Wie hat dich deine Familie begleitet?
  • Was waren deine Höhepunkte, Krisen oder Wendepunkte im letzten Jahr?
  • Welche kulturellen Veranstaltungen hast du in deinem Herzen mitgenommen?
  • Welche Menschen sind von dir gegangen und welche Menschen sind in dein Leben getreten?
  • In welchen Momenten bist du über deine Grenzen gegangen und welche Phasen haben dich wachen lassen?
  • Wann und wodurch hast du dich ganz stark selbst gespürt und was war der Auslöser dafür?

AMA-Marketing verstärkt Kontrollen nach Missstände auf Hühnermast- Betrieben

Nach dem Bekanntwerden eklatanter Missstände auf einem Hühnermastbetrieb in der Steiermark hat die Agrarmarkt Austria (AMA) Marketing ihre Kontrollen verstärkt.

In den vergangenen beiden Wochen seien zusätzlich 20 Betriebe durch unangekündigte, tierwohlbezogene Spot-Audits überprüft worden, teilte die AMA-Marketing heute mit. Bei den durch unabhängige Stellen durchgeführten Kontrollen habe es keine Hinweise auf relevante Abweichungen oder Verfehlungen bei der Tierhaltung gegeben. Allerdings bestehe bei einzelnen Betrieben Verbesserungsbedarf, vor allem beim Dokumentationswesen sowie bei der Sorgfaltspflicht hinsichtlich der gemäß AMA-Gütesiegel mehrmals täglich durchzuführenden Stallrundgänge und der Einhaltung der Ruhephasen.

Die AMA-Marketing kündigte an, in den nächsten Wochen weitere Kontrollen durchzuführen. Laut den Wiener Marketingexperten stammt das kurz vor Weihnachten von einer Nichtregierungsorganisation (NGO) veröffentlichte Filmmaterial vom Sommer 2022. Man sehe sich nun mit Fragen dazu konfrontiert, warum Missstände, die Tierschützern seit vorigen Sommer bekannt seien, aufgrund der verspäteten Veröffentlichung erst jetzt untersucht werden könnten.

„Weitere Maßnahmen zur Stärkung des Kontrollsystems werden derzeit mit allen Beteiligten vorbereitet. Konkret wird sich das Verhältnis von angekündigten und unangekündigten Kontrollen ändern“, erklärte die neue Geschäftsführerin der AMA-Marketing, Christina Mutenthaler-Sipek. Zur verbesserten Prävention gebe es künftig außerdem mehr Beratung und Schulungen für die Betriebe zur Tierhaltung und -betreuung. Auch eine stärkere digitale Vernetzung der Daten aller amtlichen und privatrechtlichen Kontrollstellen sei in Arbeit.

„Die Kontrollsystematik im AMA-Gütesiegel ist grundsätzlich dieselbe wie bei Bio, Gentechnikfrei und den International Featured Standards (IFS) im Lebensmittelbereich, hob Mutenthaler-Sipek hervor. Die AMA verlange außerdem von den teilnehmenden Geflügelmastbetrieben die Mitgliedschaft beim Tiergesundheitsdienst. Dadurch werde der Gesundheitszustand aller Geflügelherden mindestens zweimal innerhalb weniger Wochen von Geflügelfachtierärzten im Zuge angekündigter Kontrollen begutachtet.

Die Geschäftsführerin erinnerte daran, dass die AMA-Marketing Lizenzgeberin des staatlich anerkannten AMA-Gütesiegels sei und dieses auf der Basis von klaren Regelungen vergebe. Die Regeln lasse man engmaschig und risikobasiert durch unabhängige, akkreditierte Kontrollstellen überprüfen. Die AMA sei aber selbst keine Kontrollstelle und nehme auch keinen Einfluss auf das Ergebnis der Kontrollen, stellte Mutenthaler-Sipek klar. Die Landwirte verpflichteten sich vertraglich zur Einhaltung der AMA-Richtlinien. Wer diese Solidargemeinschaft durch Fehlverhalten gefährde, müsse mit strikten Konsequenzen rechnen.

Viele Schweinehalter geben auf: Das Drama in Deutschland in Zahlen

Das war zu befürchten: Die Zahl der Schweinehalter, die die Produktion aufgeben, ist weiter außergewöhnlich hoch. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Schweine weiter stark ab.

Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Viehzählung vom November. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN) hatte schon vor Monaten von einer „in diesem Ausmaß noch nie dagewesenen Vielfachkrise gesprochen – und damit auf das fatale Zusammenspiel von Corona-Folgen, Afrikanischer Schweinepest, Kostenexplosion, Exportproblemen und dem immensen gesellschaftlichen Druck auf die Viehhaltung verwiesen.

Fakt ist auch, dass die Zahl der Schweine derzeit ähnlich schnell abnimmt wie die Zahl der Schweinehalter. Das kommt in „normalen Jahre“ nur sehr selten vor. Meister erfolgte der Rückgang derTierbestände langsamer als die Betriebsaufgaben, denn es geben sonst vor allem kleinere Betriebe auf. Von diesen wandern die Tiere dann rein statistisch gesehen, in größere und weiterwachsende Betriebe.

Das ist seit einiger Zeit in der von einer schweren Krise geschüttelten Schweinehaltung anders: Während von November 2021 bis November 2022 etwa 1.900 Schweinehalter aufgegeben haben, das sind gut 10 Prozent aller Betriebe, schrumpfte der Schweinebestand im gleichen Zeitraum um 2,5 Millionen Tiere oder um ebenfalls um gut 10 Prozent – also ähnlich stark.

In der Sauenhaltung läuft die Entwicklung ähnlich dramatisch ab wie bisher: Einem Rückgang der Sauhalter von 12 Prozent innerhalb eines Jahres, steht ein Abbau der Zuchtschweinebestände um 12 Prozent gegenüber.

Das die Bauern auch in anderen wichtigen schweinehaltenden Ländern reihenweise aufgeben zeigen die aktuellen Daten ebenso: So schrumpfte der Schweinebestand in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg gegenüber dem der Novemberzählung vor einem Jahr sogar zweistellig um 15 Prozent und um 11 Prozent. Dramatisch war der Bestandabbau mit 12 Prozent auch in Bayern, und lag damit noch über dem Bundes-Durchschnitt.

Russland erhöht wieder Ernteprognose für Weizen

Weizen hat in der letzten Woche des alten Jahres vorsichtig zugelegt und schloss an der Euronext bei 309,25 €/t sowie an der CBoT bei 7,92 US-$/bu (272,84 €/t). Grundsätzlich bleibt das eiskalte Wetter in den US-Anbaugebieten ein diskutiertes Thema mit unterschiedlichen Meinungen über die Auswirkungen auf die Pflanzen. In Argentinien ist die von Dürre geplagte Ernte zu über 90% abgeschlossen. Die Produktionserwartungen wurden zuletzt reduziert. Laut Rosstat beträgt die russische Erntemenge in diesem Jahr 102,65 Mio t, was deutlich über der Schätzung des USDA von 91 Mio t liegt.

Mais stabilisierte sich in der letzten Woche des Jahres an der Euronext bei 295,50 €/t und an der CBoT bei 6,79 US-$/bu (250,62 €/t). Im trockenen Argentinien haben Niederschläge dazu geführt, dass die Aussaat vorangetrieben werden konnte. Der Fortschritt beträgt nun immerhin knapp zwei Drittel der erwarteten Fläche und verfehlt damit den Durchschnittswert von 78%. Nur 15% der Pflanzen werden mit gut bis sehr gut bewertet. In der Ukraine ist die Ernte zu über 75% abgeschlossen und milde Temperaturen zum Jahresbeginn könnten das Tempo erhöhen.

Die Ölsaaten konnten vor dem Jahreswechsel etwas zulegen, sodass Raps an der Euronext bei 584,25 €/t aus dem Handel ging und die CBoT-Sojabohnen schlossen bei 15,24 US-$/bu (525,01 €/t). Die Sojabohnenaussaat ist in Argentinien zu 72% abgeschlossen gegenüber 86% im Durchschnitt. Unzureichende Regenmengen könnten den weiteren Fortschritt beeinträchtigen, sodass laut Buenos Aires Grain Exchange 500.000 ha der erwarteten Fläche möglicherweise nicht bestellt werden können. Das hätte Auswirkungen auf die Erntemenge.

Die Kurse für Magermilchpulver und Butter konnten sich in der letzten Jahreswoche im alten Jahr zumindest stabilisieren und schlossen am Freitag bei 2.776 €/t bzw. 5.150 €/t. In Deutschland zeigt der Preistrend hingegen weiter abwärts, weil die Milchanlieferungsmengen in der zweiten Jahreshälfte gestiegen sind. Am Spotmarkt sind die Preise rückläufig. Die Erwartungen für den Jahresstart sind verhalten.

Deutscher -Wirtschaftspsychologe hält Öffentlichkeitsarbeit der Bauern für verbesserungswürdig

Bauern und Verbraucher kommen einfach nicht zueinander, weil jede Seite ihre Argumente für logisch und richtig hält. Die Entfremdung – auch gedanklich – ist inzwischen leider sehr groß.

Die Kritik der vergangenen Jahre von Gesellschaft und Politik an den Bauern, an ihrer Tierhaltung und ihrem Ackerbau hinterlässt Spuren. Viele fühlen sich als Klimasünder und Tierquäler abgestempelt. Der Vorwurf, sie würden sich mehr Tierwohl und Nachhaltigkeit verweigern, weil das teuer ist, treibt ihnen zusätzlich die Zornesröte ins Gesicht.

Das weiß auch Jens Lönneker, Wirtschaftspsychologe des Kölner Rheingold Salons. Der Marketingexperte berät Landwirte, wie ihre Botschaften bei den Verbrauchern besser ankommen. Laut dem Magazin Spiegel hat Lönnekers Team im Auftrag des DBV Verbraucher und Landwirte analysiert und in dem Buch „Zukunfts-Bauer“ ein Konzept entworfen, wie beide Seiten wieder zueinanderfinden können.

Der Fachmann bestätigt, dass sich Landwirtschaft und Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten voneinander entfernt hätten. Immer weniger Bürger kennen einen Bauern oder waren schon einmal auf einem Hof. Die Zahl der Mitarbeiter sank deutlich zugunsten einer Mechanisierung. „Landwirte und der Rest der Bevölkerung leben nebeneinander her. Es gibt kaum Berührungspunkte. Der beste Nährboden für Vorurteile“, sagt Lönneker.

Überrascht haben ihn Aussagen, dass Landwirte auch privat in ihrem Bekanntenkreis oft nur mit Berufskollegen zu tun hätten. So extrem habe er das bislang in keiner anderen Branche erlebt. „Sie begründen das damit, dass sie keine klassische Freizeit und keinen Urlaub haben.“

Wie groß das gegenseitige Unverständnis ist, zeigt Lönneker an einem Beispiel: Die Bauern geben ihre Feldwege für die Öffentlichkeit frei, und wenn sie selbst mit dem Traktor drüber fahren, werden sie von den Bürgern beschimpft. „Die Landwirte pflegen das Selbstbild vom Ernährer der Bevölkerung, weil sie Lebensmittel des täglichen Bedarfs produzieren. Aber in unseren Befragungen stellten wir fest, dass die Sorge um die Grundversorgung sehr gering ist. Die Botschaft verfängt nicht, weil es für die Bevölkerung eine Selbstverständlichkeit ist“, sagt der Fachmann im Spiegel-Interview.

Lönneker sieht die bisherige Öffentlichkeitsarbeit der Landwirtschaft als ungeeignet. Diese habe zu lange auf die Leistungen gesetzt, nur damit spreche man die Bürger nicht an. Notwendig sei vielmehr eine gute Geschichte und Erzählung – wie beim Mineralwasser der vulkanische Ursprung etc. „Sie müssen die Herzen gewinnen, raus zu den Verbrauchern und erklären, dass sie nicht nur Bewährtes erhalten, sondern auch innovative Ideen haben.“ Er empfiehlt, z.B. offensiver über die Rehkitzsuche per Drohnen oder den Hightech beim punktgenauen Pflanzenschutz zu berichten.

„Wir haben mit fast 300 Landwirten intensiv gesprochen. Was die am meisten empört, ist der Vorwurf, nicht verantwortungsvoll mit ihrem Grund und Boden umzugehen. Die meisten Landwirte fühlen sich einer Familientradition verpflichtet. Sie wollen nicht die sein, die das Licht ausmachen. Wenn das in der Praxis anders aussieht, dann auch, weil sie zum Teil ökonomisch zu anderen Verhaltensweisen gezwungen sind“, sagt der Forscher.

Er habe den Eindruck, dass die Landwirte wirklich sehr an dem Thema Nachhaltigkeit interessiert sind. Aber über allem kreise die Frage, wer die Kosten dafür übernimmt. Das Verrückte sei, dass alle ihr eigenes Verhalten rechtfertigen und keiner zahlen will. Diese Spirale müsse man durchbrechen.

Von Traktorendemos hält Lönneker übrigens nichts, weil die Bauern da nicht mit den Verbrauchern in Kontakt kommen, sondern in ihrer Wagenburg bleiben. Die Bauern müssten raus aus der Opferrolle, weiß auch er.

Wirklich gutes Marketing bedeute, dass man sein Handeln nach einer Zielgruppe ausrichtet. Und es sei auch das Bedürfnis der Konsumenten, auf Dauer eine nachhaltigere Produktion zu schaffen. Da könnten sich die Interessen der Landwirte und der Konsumenten treffen.

Die Konsumenten agieren teilweise verlogen. Sie kaufen meist günstig ein und verlangen von den Landwirten zugleich, dass diese nachhaltiger produzieren

In der Umfrage hätten drei Viertel der befragten Verbraucher gesagt, nur maximal 10 % mehr Geld für eine nachhaltige, umweltschonende Landwirtschaft ausgeben zu wollen. „Wenn wir da keinen Wandel hinbekommen, sehe ich keine Möglichkeit für Landwirte, in der Masse anders zu produzieren.“

Dennoch hat der Wirtschaftspsychologe Hoffnung, weil inzwischen viele Menschen einsehen, dass man nicht so weitermachen kann. Die meisten wollten an einer attraktiven Zukunft mitbauen. „Mein Eindruck ist, dass in der Gesellschaft ein Umdenken stattfindet. Und darauf müssen die Bauern aufbauen.“

Der globale Fleischmarkt wächst weiter – und Geflügel rückt nach vorn

OECD und FAO prognostizieren für den Zehnjahreszeitraum von 2021 bis 2031 ein Wachstum der globalen Fleischerzeugung von gut 11 %. In der zurückliegenden Dekade waren es 16 % Zuwachs.

Überdurchschnittlich mit plus 15 bzw. 14 % soll die Erzeugung von Geflügel- und Schaffleisch ansteigen. Die Rindfleischerzeugung dagegen soll im Betrachtungszeitraum bis 2031 nur um 8 % wachsen, die von Schweinefleisch um 9 %.

Spitzenreiter wird nach diesen Prognosen 2031 Geflügelfleisch mit einem Marktanteil von 41 % an der globalen Fleischerzeugung sein, gefolgt von Schweinefleisch mit 34 %. Auf Rind- und Schaffleisch werden dieser Prognose zufolge rund 20 bzw. 5 % der Weltfleischerzeugung entfallen.

Nach Schätzungen der FAO steigt die weltweite Fleischproduktion 2022 gegenüber Vorjahr um 1,2 % an. Demnach dürfte sich die Erzeugung von Rinder-, Schaf-, Geflügel- und Schweinefleisch in 2022 auf insgesamt 360,1 Mio. t Schlachtgewicht (SG) belaufen. Maßgeblich für diese Entwicklung ist der Anstieg der Schweinefleischerzeugung um 1,8 % auf 124,6 Mio. t Schlachtgewicht.

Grund dafür sind nach weitgehender Überwindung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) vor allem kräftige Wiederaufstockungen der Schweinebestände in China und anderen Ländern Südostasiens.

Die globale Welt-Fleischerzeugung stand in 2022 wegen stark gestiegener Inputkosten, Tierkrankheiten und ungünstiger Wetterbedingungen in vielen Regionen der Welt unter wirtschaftlichem Druck, der u. a. zu einem früheren Abverkauf der Schlachttiere oder Reduzierung der Produktion geführt hat. Obwohl die Coronabezogenen Anforderungen an die physische Verbringung erheblich gelockert worden sind, stören sie zumindest in einigen Ländern weiterhin die Wertschöpfungsketten der Fleischerzeugung.

Auf Wachstumskurs ist weiterhin die globale Geflügelfleischerzeugung, auch wenn sie nach FAO-Prognosen 2022 gegenüber dem Vorjahr nur um 0,6 % auf 138,8 Mio. t zunimmt.

Überdurchschnittlich wächst die Welt-Rindfleischerzeugung auf 73,9 Mio. t (+ 1,4 %).

Der globale Handel mit Fleisch geht nach FAO-Einschätzung 2022 dagegen leicht zurück, und zwar um 0,8 % auf 41,6 Mio. t. Dies ist vor allem auf den Rückgang der Schweinefleischimporte Chinas aufgrund steigender Eigenproduktion zurückzuführen. Gebremst werden Fleischimporte durch wirtschaftliche Abschwünge in vielen Ländern und die relativ hohen Weltmarktpreise.

Die Nachfrage nach Getreide und anderen traditionellen Grundnahrungsmitteln wird sich weiter hin zu tierischen Nahrungsmitteln wie Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten verschieben. OECD und FAO gehen bei ihren Prognosen aus Mitte 2022 von einem weiter steigenden Pro-Kopf-Verbrauch aus.

Für die Entwicklungsländer wird in 2031 mit einem Fleischverbrauch pro Kopf der Bevölkerung von 28,3 kg gerechnet. Das sind gegenüber dem Dreijahresdurchschnitt 2019-2021 2,1 kg mehr. Auch in den Industrieländern soll der Verbrauch den Prognosen zufolge weiter steigen, und zwar von 69,0 auf 70,8 kg.

Die EU-27 ist mit rund 43,3 Mio. t in 2022 nach China (95,3 Mio. t) und den USA (49,2 Mio. t) der weltweit drittgrößte Fleischerzeuger. Differenziert nach Fleischarten entfallen von der Welt-Erzeugung des Jahres 2022 auf die EU-27 bei Schweinefleisch 18 %, bei Geflügel- und Rindfleisch jeweils 9 % sowie bei Schaf- und Ziegenfleisch knapp 4 %.

Deutschland, Frankreich und Spanien sind die bedeutendsten Fleischproduzenten in der EU. Der Selbstversorgungsgrad der EU-27 für Fleisch wird von der Europäischen Kommission für 2022 auf rund 114 % geschätzt, darunter von Rindfleisch auf 106 %, Schweinefleisch auf 121 %, Geflügelfleisch auf 110 % und Schaf-/Ziegenfleisch auf 93 %.

Sarah Wieners Drogenvergleich macht Landwirte wütend den sie weiß in Wirklichkeit nichts…

Heftige Kritik gibt es am schrägem Drogen-Vergleich der österreichischen Grünen-Europaabgeordneten Sarah Wiener.

Sarah Wiener, bekannt für öffentlichkeitswirksame Auftritte, zieht wieder einmal die Wut der Landwirte auf sich. Gegenüber dem Pressedienst AgraEurope (AgE) hat die ehemalige Fernsehköchin und Europaabgeordnete die Bauern und ihren Einsatz von Pflanzenschutzmittel mit dem Verhalten von Drogensüchtigen verglichen. Die Reaktionen sind heftig.

Groß ist der Zorn über den schiefen Vergleich der österreichischen Grünen-Abgeordneten unter anderem bei den Freien Bauern, die mit gleicher Münze zurückgeben: „Wenn eine ungelernte Köchin, die sich ihren Öko-Gutshof in Brandenburg von Geldgebern aus der Stadt finanzieren lässt, uns erfolgreich wirtschaftenden Bauern Vorhaltungen macht, so ist schon allein das eine unerhörte Anmaßung“, erklärte Christian Linne von der Bundesvertretung der Freien Bauern in einer Pressemitteilung.

Den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf dem überwiegenden Teil der Betriebe mit einer Sucht gleichzusetzen, offenbare zudem Wieners „ideologische Intoleranz“. „Dass man sich mit Andersdenkenden nicht mehr fachlich auseinandersetzt, sondern sie pauschal als krank bezeichnet, erinnert mich an dunkelste Zeiten unserer Geschichte“, so Linne.

Wiener hatte den Vergleich im Gespräch mit dem Pressedienst Agra-Europe (AgE) gezogen. Mit Blick auf den umstrittenen Verordnungsvorschlag der EU-Kommission zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (SUR) hatte sie erklärt, dass man nicht einer Sparteninteressengruppe die Gesetzgebung überlassen könne, wenn es „um unser aller Gesundheit, die Gesundheit von Umwelt und Natur und den Schutz unserer Lebensgrundlagen Erde, Wasser, Luft geht“. Das wäre ja so, als wenn man einem Süchtigen sage, er solle die Dosis selbst bestimmen und reduzieren.

Linne hält dagegen, dass Pflanzenschutzmittel nicht wie eine Droge das Leben eines konventionell wirtschaftenden Landwirts bestimmten, sondern sie seien ein Hilfsmittel unter vielen, noch dazu ein teures, was ihre sparsame Verwendung nahelege.

Gerührt“ zeigten sich die Freien Bauern indes über die Sorge Wieners um die Unabhängigkeit der bäuerlichen Betriebe von der chemischen Industrie. „Wenn sie das wirklich ernst meint, sollten wir unbedingt miteinander ins Gespräch kommen“, sagte Linne.

Die Freien Bauern forderten seit langem eine Entflechtung von Oligopolen bei den Herstellern von Landmaschinen, Düngemitteln, Pflanzenschutzmitteln, bei Molkereien, Schlachthöfen und dem Lebensmitteleinzelhandel.

Verfassungsgerichtshof weist Antrag auf Vollspaltenverbot des Landes Burgenland zurück

Der Verfassungsgerichtshof hat eine Beschwerde der burgenländischen Landesreigierung gegen Vollspaltenböden zurückgewiesen. Der Antrag war unzulässig, weil zu eng gefasst.

Die burgenländische Landesregierung hat im Frühjahr 2022 beim Verfassungsgerichtshof ein Normprüfungsverfahren für ein Verbot von Vollspaltenböden in der Schweinehaltung beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) beantragt. Der VfGH hat den Antrag zurückgewiesen, der sich gegen die Regelung wandte, dass Schweine in Ställen mit durchgehenden Vollspaltenböden ohne Einstreu und in kleinen Buchten gehalten werden dürfen. Der Antrag war unzulässig, weil zu eng gefasst, heißt es vom VfGH.

Nachdem die Landesregierung den Antrag eingebracht hatte, wurden im Juli 2022 sowohl die angefochtene 1. Tierhaltungsverordnung als auch maßgebliche Bestimmungen des Tierschutzgesetzes geändert, heißt es. Mit der Novelle wurde festgelegt, dass die Haltung von Schweinen in unstrukturierten Vollspaltenbuchten ohne Funktionsbereich verboten ist; zudem wurden neue Haltungsstandards, u.a. neue Mindestbuchtengrößen, festgelegt. Für bestehende Anlagen zur Schweinehaltung treten die neuen Regelungen jedoch erst mit 1. Jänner 2040 in Kraft.

Das Land Burgenland überlegt erneut vor das Höchstgericht zu ziehen. Die Bundesregierung habe die Verfassungsklage mit einer Gesetzesänderung unterlaufen, betonte man vonseiten des Landes in einer Aussendung. Ein endgültiges Verbot der Vollspaltenböden trete aber erst 2040 in Kraft, wodurch die „im Sinne des Tierwohls strikt abzulehnende Praxis“ weiter aufrecht bleibe. „Das Land vertritt nach wie vor die Position, dass die Vollspaltenbödenhaltung mit der in der Verfassung verankerten Staatszielbestimmung Tierschutz unvereinbar ist, und wird sich mit der herrschenden Situation nicht abfinden“, hieß es.

Biomarkt schrumpft zum ersten Mal in Deutschland – existenzielle Krise?

Der deutsche Biomarkt schrumpft zum ersten Mal überhaupt, berichtet der Deutsche Bauernverband. Die Umsätze gehen zurück und es gibt weniger Landwirte, die umstellen wollen. Der Ausblick für 2023 ist verhalten – um nicht zu sagen, die Krise könnte weiter gehen.

Der Erzeugerpreis für Öko- Milch kletterten um über 20 Prozent von 51 auf 62 Cent/kg nach oben, der Preis für Bio-Schweinefleisch stieg um 9 Prozent und für Bio-Rindfleisch um 8 Prozent. Für Schlachtkühe aus der Biohaltung stagnierte der Erzeugerpreis indessen. Und die Preise für Dinkel erlebten wegen des relativ starken Angebotszuwachses offenbar eine Talfahrt. Der Öko-Eiermarkt stand ebenfalls unter Druck, was einen Rückgang der Legehennen-Bestände zur Folge hatte.

Die kurzfristigen Aussichten für den Ökolandbau beurteilt der DBV daher auch in 2023 verhalten. Bei einem Wiederanspringen der Konjunktur bzw. einer Konsolidierung der Verbrauchereinkommen darf aber mit Nachfragewachstum gerechnet werden, sagen die Experten des Bauernverbandes.

Doch danach sieht es im Moment nicht wirklich aus. So dürfte auch die Krise am Biomarkt auch noch länger dauern und politische Wachstumsziel von 30 % Biolandwirtschaft in weite Ferne rücken.

Der deutsche Öko-Markt schrumpfte 2022 zum ersten Mal in seiner Geschichte, sagt der Deutsche Bauernverband (DBV) in einem aktuellen Marktbericht. Der Öko-Lebensmittelumsatz sank von Januar bis Oktober 2022 um 4,1 Prozent. Der Mengenrückgang belief sich auf 5,7 Prozent.

Dennoch wird der Öko-Umsatz mit voraussichtlich 15 Milliarden Euro immer noch 2,7 Milliarden Euro über dem Niveau von 2019 liegen. Und das heißt, der Öko-Markt konnte das sehr hohe Umsatzwachstum von 22 Prozent aus dem ersten Coronajahr in der Krise 2022 halten.

Die Discounter sind nach GfK-Daten auch bei Öko-Produkten 2022 die Gewinner des Trends zum „Billig“-Einkauf. Etliche Bio-Händler wie Superbiomarkt oder Reformhaus Bacher mussten wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung Rettung in Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung suchen. Die Bio-Supermarktkette Basic hat beim Amtsgericht München ein Schutzschirmverfahren beantragt, um sich zu sanieren und die von Basic zugekaufte Biomarktkette Biomammut befindet sich ebenfalls in Insolvenz.

„Bio-Fachgeschäfte und Hofläden stecken zum Teil in einer existenziellen Krise , sagte der Handelsexperte Stephan Rüschen von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Heilbronn. Denn auch umweltbewusste Verbraucher hätten ihr Einkaufsverhalten wegen der hohen Inflation deutlich verändert. „Die Leute wollen weiterhin nachhaltig einkaufen und konsumieren, aber billiger – wegen der gesunkenen Kaufkraft“, betonte Rüschen.

Getreidepreise steigen steil an – Kälteschock in den USA

Die Getreidepreise sind am Ende des Jahres kräftig gestiegen. Auslöser ist die arktische Kältewelle in den USA. Temperaturen bis minus 40 Grad Celsius, könnten in den Anbaugebieten von Winterweizen, bei einem der größten Weizenexporteure, zu erheblichen Auswinterungsverlusten führen.

In den USA sind die Preise um knapp 4 % gestiegen und kletterten auf das Niveau von Anfang Dezember. In Europa stiegen die Weizenpreise seit voriger Woche um 17 Euro auf 314 Euro je Tonne und damit ebenfalls auf den Stand von Anfang Dezember.

„Es dürfte schwer werden, sich von diesem Einbruch zu erholen“, heißt es weiter. Noch herrscht jedoch Unklarheit darüber, wie groß die Schäden an den Beständen wirklich sind. Am heutigen Dienstag steigen die Weizenpreise am Terminmarkt in den USA und in Europa weiter.

Die Analysten von Agritel erwarten, dass die Märkte sich in einem Umfeld hoher Volatilität bewegen werden, da Händler versuchen, das Risiko der Frostschäden in den USA besser einzuschätzen. Es wird wahrscheinlich aber mehrere Wochen dauern, bis es belastbare Ergebnisse gibt, sagt Agritel.

In der EU hat der Kälteeinbruch Anfang Dezember nur geringfügige Schäden an den Winterkulturen verursacht, sagte die europäische Cropmonitoring-Agentur MARS in der vorigen Woche. „Die Kälteperiode und die niedrigen Temperaturen in der ersten Dezemberhälfte ermöglichten jedoch eine Verbesserung der Frosttoleranz“, sagte MARS.

Winterhärte ist ein Prozess, bei dem Wintergetreide an Temperaturtoleranz gewinnt, um Frostbedingungen besser zu widerstehen, die während der Winterruhezeit auftreten. Einige Frostschäden beschränkten sich auf einige Gebiete in Mittel- und Ostdeutschland sowie in Polen, heißt es weiter. Auch andere Analysten und Marktbeobachter sagten, dass die Kälteperiode in Teilen Europas dem Wintergetreide voraussichtlich keinen großen Schaden zugefügt hat.

Die relativ hohen Temperaturen in der Schwarzmeerregion begünstigten zudem das dort witterungsbedingt oft sehr spät gesäte Getreide, machen die Pflanzen aber auch anfällig für Kälteeinbrüche, obwohl derzeit keine Kältewelle vorhergesagt wird, sagte MARS.

Die Monitoring-Agentur beobachtete indessen Regendefizite im Ostseeraum, in Norddeutschland, in Polen, im Südosten Spaniens und in der Türkei. Noch hatte das jedoch keine wesentlichen Auswirkungen auf das Wintergetreide, sagte MARS.

Im Nordwesten Italiens und in der gesamten Maghreb-Region werden immer noch Dürrebedingungen registriert, was wahrscheinlich zu einer Verzögerung der Aussaat führen wird, heißt es in dem MARS-Bericht.

Vermarktungsprobleme von Tierwohlschweinen in Deutschland : Betriebe können von ITW pausieren

Alle Welt ruft nach mehr Tierwohl. Bezahlen will es aber keiner. Das hat auch die Initiative Tierwohl in den letzten Monaten zu spüren bekommen. Tierwohlfleisch entwickelte sich auch wegen der hohen Inflationsraten zuletzt zum Ladenhüter. Jetzt hat die Initiative Tierwohl (ITW) reagiert: Ab sofort erhalten Schweinemäster der ITW, die Möglichkeit, ihre Teilnahme vorübergehend auszusetzen – ohne sich komplett abzumelden. Damit unterstützt die ITW Schweinehalter, die ihre Masttiere aufgrund der aktuell schwierigen Marktsituation nicht als ITW-Tiere vermarkten können. Mit dem Aussetzen der Teilnahme kann die Umsetzung der Anforderungen pausieren. In Abstimmung mit der ITW darf diese Pause längstens bis zum 31. August 2023 andauern.

„Aktuell herrschen schwierige Zeiten am Markt – vor allem für die Schweinehalter. Unser Ziel ist und war es, Tierwohl in der Breite zu verankern und bei der Umsetzung unterstützen wir unsere Tierhalter so gut es geht“, erklärt Robert Römer, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Mit der Option, die Teilnahme vorrübergehend zu pausieren, geben wir den Tierhaltern die Flexibilität und Unterstützung, die sie in diesen Zeiten brauchen.“

Für die Tierhalter bietet das Pausieren den Vorteil, dass in diesem Zeitraum die ITW-Anforderungen nicht eingehalten werden müssen und keine ITW-Audits stattfinden – der Stall aber nicht leer stehen muss. Der Betrieb hat zwar keine ITW-Lieferberechtigung, kann seine Tiere aber weiterhin mästen, und z.B. als QS-Tiere – bei entsprechender Zulassung im QS-System – vermarkten. Der Zeitraum wird vorab vom Tierhalter definiert und über den Bündler an die ITW kommuniziert. Von der ITW-Geschäftsstelle wird dann eine entsprechende Sperre in der Tierwohldatenbank hinterlegt. Bei Wiederaufnahme der Teilnahme muss ein neues Programmaudit durchgeführt werden. Besteht jedoch die Unsicherheit, ob die Teilnahme nach der Pause fortgesetzt wird, empfehlen wir die bisherige Teilnahme über ein zusätzliches Bestätigungsaudit vor der Pause abzusichern.

Chinas Schweinepreise vor chinesischem Neujahrsfest im Sinkflug

Nachdem die Schlachtschweinepreise in China Mitte Oktober noch auf einem Jahreshöchstwert von umgerechnet 3,79 € pro Kilogramm lagen, sind in den vergangenen Wochen überraschend stark eingebrochen. Hauptgrund für den Einbruch ist, dass die Schweinehalter mit einem Preisanstieg im Dezember gerechnet und Tiere zurückgehalten haben, sodass es nun ein großes Angebot an schweren Mastschweinen gibt, berichtet Agra Europe.

Von Mitte Juni bis Mitte Oktober 2022 waren sie laut nationaler Erhebung noch um insgesamt 73 % auf den Jahreshöchstwert von 28,15 CNY (3,79 Euro) pro Kilogramm Lebendgewicht (LG) gestiegen. Seitdem geht es aber steil nach unten, wobei die Abschläge zuletzt immer stärker ausfielen. Der nationalen Statistik zufolge lag der durchschnittliche Schlachtschweinepreis heute nur noch bei 17,09 CNY (2,30 Euro); er ist damit innerhalb von neun Wochen um fast 40 % gefallen.

Eigentlich gilt der Dezember saisonal als verbrauchsstarker Monat für Schweinefleisch, und der Konsumhöhepunkt mit dem chinesischen Neujahresfest im Januar steht bevor. Laut Analysten hat jedoch der unerwartet starke Preisverfall zu einem Überangebot an schlachtreifen Tieren geführt, die nun möglichst schnell auf den Markt gebracht werden. Der Hauptgrund für den Einbruch ist, dass die Schweinezuchtbetriebe mit einem Preisanstieg im Dezember gerechnet und Tiere zurückgehalten haben, so dass es nun einen großen Rückstau an schweren Mastschweinen gibt, erläuterte Chefanalyst Yuan Song des Handelsunternehmens Juxing Agriculture Group.

in zweiter wichtiger Faktor für den starken Preisrückgang ist, dass sich Chinas Schweinefleischnachfrage nicht so positiv entwickelt wie gedacht. Die abrupte Lockerung der strengen Corona-Lockdowns hat laut Medienberichten zu einem deutlichen Anstieg der Infektionen in der Bevölkerung geführt. Viele Menschen bleiben zu Hause, um sich nicht anzustecken. In TV-Berichten sind oft fast menschenleere Straßen zu sehen; Restaurants werden gemieden, was dem Schweinefleischverbrauch arg zusetzt.

Dies alles kann eine vorübergehende Marktentwicklung sein, doch die Händler am Terminmarkt für Lebendschweine an der Dalian Commodity Exchange (DCE) sehen das anders. Der Settlementkurs für den Future mit Fälligkeit im Januar lag heute mit 15,62 CNY/kg (2,11 Euro) noch unter dem aktuellen Kassamarktpreis für Schlachtschweine. Die Besorgnis über eine schwache Nachfrage vor dem Neujahresfest im nächsten Monat sei groß, hieß es an der Börse. Auch die seit Mitte November um mehr als 20 % gefallenen Ferkelpreise in China deuten nicht auf eine optimistische Preiserwartung hin.

Auf- und Ab bei den Weizenpreisen im Dezember

Die Rezessionsangst, reichliche und nach dem Schwarzmeer-Deal sicher geglaubte globale Versorgung mit viel und billiger Ware aus Russland, wo sich die Exportpreise weiter im Sinkflug befinden, und der Ukraine drückten in der Woche vor Weihnachten auf die internationalen Getreide- und Maismärkte.

Dementgegen setzen sich zwischenzeitlich regere US-Weizenexporte nicht preisstützend durch. Befürchtungen von Auswinterungsschäden durch eine bevorstehende Kältewelle mit fehlender schützender Schneedecke in den USA kamen erst am Mittwoch an den Terminbörsen an und ließen da die Kurse überraschend zu einem Sprung nach oben ansetzen. Im bis dahin herrschenden Trend gaben seit der Vorwoche auch die Kassamarktnotierungen der Wiener Produktenbörse vor ihrer Weihnachtspause weiter nach. Obwohl es im Umfeld der Notierungssitzung am Mittwoch dieser Woche hieß, es sei Weihnachtsruhe angebrochen, die Verarbeiter hätten sich zurückgezogen und es wäre absolut nichts los, wurde dennoch eifrig notiert – offensichtlich lediglich nur die zuletzt immer wieder bemühten Kleinstmengen.

So verloren inländischer Premium – und Qualitätsweizen gegenüber der Vorwoche um 4,50 respektive 2,50 Euro/t, im Mittel des Preisbandes auf 399,50 und 360,00 Euro/t. Mahlweizen holte die zwischenzeitliche Abschwächung seit der Letztnotierung Ende November mit einem Verlust von 17,50 Euro auf 325,00 Euro/t nach. Dieses sind Preise Ab Station, also ab einer Verladestation im Großraum Wien. Gleichzeitig notierte die Wiener Produktenbörse Käufe von Premium-, Qualitäts- und Mahlweizen aus dem EU-Raum wie auch aus Tschechien zu Preisen, die inklusive Transport bis zum Abnehmer deutlich unter denen für inländische Ware liegen. Zu den aktuellen Euronextkursen halten die heimischen Brotweizen dennoch immer noch einen ungewöhnlich großen positiven Preisabstand. Auch vom heimischen Mais- und Ölsaatenmarkt war zu hören, nichts gehe mehr.

An der Euronext gab der Schlusskurs für Mahlweizen zur Lieferung im März von vorigem Freitag bis Dienstag dieser Woche um 1,00 Euro auf 296,50 Euro/t nach, ehe er am Mittwoch kurz vor Handelsschluss um 5,00 Euro in die Höhe geschnellt war. Mais mit Fälligkeit März 2023 gab in diesem Zeitraum minimal von 283,75 auf 283,25 Euro/t nach und gewann am Mittwoch um 4,00 Euro hinzu. Raps mit Fälligkeit Februar 2023 rutschte von 560,00 bis Dienstag auf 556,25 Euro/t ab und legte am Mittwoch dann um 5,00 Euro zu.

Das am Montag veröffentlichte jüngste MARS (Monitoring Agricultural Ressources)-Bulletin des Wissenschaftlichen Dienstes der Europäischen Kommission (JRC Joint Research Center), relativierte Ängste, die jüngste Kältewelle in Europa hätte in der EU Frostschäden anrichten können.

Dementgegen hat das Wetterphänomen La Niña Argentiniens Ackerbau mit Dürre das dritte Jahr in Folge im Würgegriff. Die Agrar-Fakultät der Universität Buenos Aires beziffert laut agrarzeitung.de den daraus folgenden Verlust an Weizenanbaufläche mit 15% und den für den Getreideexport des Landes mit nahezu 2 Mrd. USD (1,89 Mrd. Euro). Dabei fallen die Weizenerträge laut der Börse in Rosario auf ein Zwölf-Jahres-Tief und halbieren sich heuer gegenüber dem Vorjahr von 23,1 auf 11,5 Mio. t. Es heißt, argentinische Exporteure könnten aus der laufenden Ernte schon kontrahierte Weizenausfuhren im Umfang von 8,85 Mio. t nicht bedienen. Denn von allenfalls nur 11,5 Mio. t Produktion weise das Land einen Inlandsbedarf von rund 7 Mio. t auf. Indiens Landwirte hingegen sollen ihre Weizenanbaufläche um 3% ausweiten können.

Am Schweinemarkt beruhigt sich die Stimmung mit jedem weiteren Tag.

Laut Österreichischer Schweinebörse boomte das vorweihnachtliche Fleischgeschäft. Die
Schlachtzahlen in der Berichtswoche überschritten die 100.000er-Marke und zählten zu
den Top-3-Werten des Jahres. Durch die beschleunigte Abholung und die offensive Abgabebereitschaft der Mäster sank das durchschnittliche Schlachtgewicht auf 97,7 kg. Trotz
der umfangreichen Schlachtungen konnte der Bedarf an Edelteilen wie Karreerose oder
Filet nicht gedeckt werden. „Jetzt könnte ein Schwein mehrere Lungenbraten liefern, trotzdem wäre dieser Markt immer noch ausverkauft“, beschrieb ein namhafter Zerleger die
Nachfragespitze. Die Mastschweine-Notierung bleibt bis zum 28. Dezember unverändert
bei EUR 2,09 je kg.
Konstante Ferkelnotierung bis zum 8. Jänner
Auf dem österreichischen Ferkelmarkt war die Absatzsicherheit hoch und auch in den
beiden logistisch herausfordernden Feiertagswochen dürfte ein reibungsloser Absatz
gewährleistet sein. Die Notierung beträgt unverändert EUR 3,15 je kg und gilt von der 51.
Kalenderwoche 2022 bis zur ersten Woche 2023.
Europaweit setzte sich die positive Entwicklung fort. In einigen Ländern ging das Angebot
deutlich zurück und die Notierungen legten nochmals zu. Andernorts verhinderte das Ende
des Aufwärtstrends bei Schlachtschweinen eine Anhebung.
EU-Schweinemarkt: Abschluss des Weihnachtsgeschäfts
Der EU-Schweinemarkt stand noch im Zeichen der erhöhten Fleischnachfrage vor Weihnachten. Insbesondere Edelteile zogen das Interesse der Konsumenten auf sich und verursachten einen hohen Bedarf der Schlachtunternehmen. Allerdings war teilweise bereits
von ruhigeren Geschäften die Rede. Sehr gut liefen dagegen die Exporte und Ausfuhren
von Schweinefleisch nach Osteuropa. Fast alle Mastschweine-Notierungen blieben unverändert. Die Seitwärtsbewegung dürfte sich rund um die Feiertage fortsetzten. Da nur wenige Schlachttage ausfallen, werden wesentlich geringere Angebotsüberhänge als in früheren Jahren erwartet.
In Deutschland sind die Vorbereitungen für Weihnachten und Silvester weitgehend abgeschlossen. Sowohl die Mäster als auch die Schlachtunternehmen sind bemüht, noch
möglichst viele Schweine in die Verarbeitung zu bringen, um die Überhänge nach den
Feiertagen klein zu halten.

Bundesprogramm Stallumbau in Deutschland ab 2023: Das sind die Kriterien und bei uns in ÖSTERREICH ?

Unterstützen will Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) Stallumbauten und Stallneubauten sowie laufende Mehrkosten, die durch eine besonders tier- und umweltgerechte Tierhaltung entstehen. Ziel müssen Haltungsformen mit mehr Platz und Außenklima, Auslauf oder Freiland sein. Für die Teilnahme am Programm müssen Schweinehalter weitere Kriterien erfüllen, die auf geringere Tierzahlen und mehr Tierwohl abzielen.

Wie das BMEL mitteilt, sollen 50 Prozent der tatsächlichen Gesamtbaukosten für Stallumbauten oder -neubauten übernommen werden. Für die laufenden Mehrkosten, die durch Umsetzung der Tierwohlmaßnahmen entstehen, soll der Fördersatz 65 Prozent betragen. Die Mehrkosten sollen auf Grundlage eines typischen Betriebs ermittelt werden. Betriebe, die bereits Ställe umgebaut oder neu gebaut haben, sollen ebenfalls am Programm teilnehmen können.

Noch vor Weihnachten startet das Verfahren zur Beteiligung der Länder und Verbände. Gleichzeitig bereitet das BMEL die Förderrichtlinien vor, die mit den betroffenen Ressorts abgestimmt werden. Notwendig ist anschließend eine Notifizierung des Bundesprogramms zum Umbau der Tierhaltung durch die EU.

Landwirte können mit einer Veröffentlichung des Bundesprogramms im Herbst 2023 rechnen. Das Antragsverfahren soll über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) abgewickelt werden.

Cem Özdemir will das Bundesprogramm zum Umbau der Tierhaltung mit Obergrenzen für die Tierzahlen pro Betrieb versehen. Eingehalten werden müsse eine flächengebundene Obergrenze von 2 GVE/ha. Das Landwirtschaftsministerium weist an dieser Stelle auf das Ziel im Koalitionsvertrag hin, dass sich die Entwicklung der Tierbestände an der Fläche orientieren soll. Angerechnet werden könnten Flächen im Betriebsverbund und vertraglich vereinbarte Ausbringungsflächen.

Darüber hinaus werde laut BMEL für die Förderung vorausgesetzt, dass der Ringelschwanz der Tiere intakt ist. Tierhalter müssen mit weiteren haltungsbezogenen Kriterien mit bestimmten Tierwohlindikatoren rechnen, die deutlich über den gesetzlichen Standards liegen.

Das BMEL strebt für die Landwirte Vertragslaufzeiten von bis zu zehn Jahren an. Ob die Tierhalter die Kriterien für das Bundesprogramm zum Umbau der Tierhaltung einhalten, soll von bestehenden Kontrollsystemen – also zum Beispiel der Initiative Tierwohl (ITW), QS oder von Bioverbänden – geprüft werden. Das Agrarministerium wolle die Überwachung „bürokratiearm und mit schlanken staatlichen Verwaltungsstrukturen“ umsetzen. Abgerundet werden solle das System durch eine „Kontrolle der Kontrolle“.

Optimistische junge Bäuerinnen und Bauern durch mehr Wertschätzung

Junge Bäuerinnen und Bauern sind optimistisch und voller Tatendrang. Das geht aus dem aktuellen Landwirte-Stimmungsbarometer des Marktforschungsinstituts KeyQUEST hervor.

Vor allem junge Bäuerinnen und Bauern unter 35 Jahren blicken laut der im November durchgeführten Umfrage zuversichtlich in die Zukunft. Der Zufriedenheitsindex für die Gruppe junger Landwirte lag 73 Punkte über dem Ergebnis der vorangegangenen Studie.

Für Jungbauern-Bundesobfrau Carina Reiter, gibt es dafür mehrere Gründe: „Gerade in Zeiten multipler Krisen und einer ungewissen Zukunft ist die Wichtigkeit der Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln aus Österreich wieder stärker in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Die damit einhergehende gestiegene Wertschätzung für unsere heimische Landwirtschaft wirkt sich deshalb auch positiv auf die Zufriedenheit unserer Bäuerinnen und Bauern aus.“

Das Ergebnis stimmt Reiter positiv, sie sieht es auch als Bestätigung für den aktuellen Weg in der österreichischen Agrarpolitik, der gezielt Schwerpunkte auf die Förderung von Jungbauern setzt. „Gleichzeitig ist es aber auch ein Handlungsauftrag für uns als politische Vertretung, diesen Weg konsequent weiterzugehen und die kommende Generation weiterhin zu unterstützen, damit die Übernahme eines Hofes weiterhin attraktiv bleibt“, erklärt Reiter.

Bei der KeyQUEST-Umfrage wurde unter anderem abgefragt, wie zufrieden die Bauern mit der Entwicklung ihres Betriebes sind. Aus dem Saldo der Antwortmöglichkeiten „sehr“ und „eher zufrieden“, sowie „eher“ und „sehr unzufrieden“ ergibt sich ein Zufriedenheitsindex, bei dem vor allem junge Betriebsführerinnen und Betriebsführer bis 34 Jahre mit einem Saldo von plus 73 am stärksten hervorstechen. Danach folgen Betriebsführer von Bio-Betrieben (+62) sowie Bauern im Alter von 35 bis 44 Jahren (+60).

Auch was die Beurteilung der Zukunftsaussichten für den eigenen Betrieb angeht, sind es die Betriebsführer bis 34 Jahre, die mit einem Saldo von plus 39 vor den Bio-Betrieben (+24) und der Altersgruppe 35 bis 44 (+16) liegen.

Insgesamt liegt der Zufriedenheitsindex quer durch alle Betriebe bei 55. Das ist der höchste Wert seit dem Jahr 2010. Im Rahmen der Landwirte-Mehrthemenumfrage von KeyQUEST wird regelmäßig die Stimmung unter den österreichischen Betriebsführern erhoben. Die aktuellen Daten stammen von einer Telefonumfrage von Anfang November 2022 unter 500 Landwirten.

Frankreich: Biobranche unter Druck

In Frankreich bereitet die wirtschaftliche Entwicklung der Biobranche zunehmend Sorgen. Vor dem Hintergrund sinkender Absatzzahlen appellierte die Branche kürzlich an den lebenseinzelhandel, den Absatz von Bioprodukten weiter zu fördern. 

Dem Engagement des Handels komme eine zentrale Bedeutung beim Erhalt der bislang erreichten Fortschritte zu, heisst es in einem offenen Brief, den der Verband der Biolandwirtschaft (FNAB) gemeinsam mit den Branchenvertretern der Verarbeiter (Synabio) und Genossenschaften (Forébio) an alle bedeutenden Handelsketten geschickt hat.

Nach Angaben der Verbände hat die hohe Inflation die Nachfrage nach Bioprodukten spürbar gebremst. Gleichzeitig werde das Biosortiment im Handel erheblich verkleinert. Laut dem Brief ist der Umfang in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres um 7,3 % geschrumpft. Das könne den Nachfragerückgang weiter beschleunigen, so die Bioverbände.

Sie befürchten, dass ein «Teufelskreis» in Gang gesetzt werden könnte, der innerhalb weniger Monate die ganze Branche gefährden und die jahrelangen Bemühungen von Landwirten, Verarbeitern und Unternehmen zunichtemachen könnte.

In den letzten 20 Jahren seien viele Investitionen getätigt worden, um den starken Anstieg der Nachfrage bewältigen zu können. Diese Fortschritte müssten erhalten werden. Zudem dürfe das mittel- und langfristige Wachstum des Marktes nicht aus den Augen verloren werden.

Zählen kann die Branche derweil auf die Unterstützung der Regierung. Landwirtschaftsminister Marc Fesneau kündigte in der vergangenen Woche zusätzliche finanzielle Mittel für die Agentur für die Entwicklung und Förderung des ökologischen Landbaus (Agence Bio) an, die damit unter anderem den Gründen für den Rückgang der Nachfrage auf den Grund gehen soll.

Darauf aufbauend sollen Szenarien für die Konsumentwicklung bis 2040 entwickelt werden. Ausserdem soll die Branchenkommunikation ausgeweitet werden.

Die Agentur wird auf Wunsch des Ministers auch die Zusammenarbeit mit den ökologischen Schweinehaltern verstärken, um ihnen durch die Nachfragekrise zu helfen.

Tierhaltungskennzeichnungsgesetz in Deutschland: In erster Lesung im Bundestag an Agrarausschuss verwiesen

Der Bundestag hat heute in erster Lesung über den Entwurf der Bundesregierung zum Tierhaltungskennzeichnungsgesetz beraten. Nun geht die Vorlage weiter zur Beratung an den Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft.

ISN: Der Bundestags-Agrarausschuss ist nun gefordert, die vielen Einwände und Stellungnahmen zu beraten und die Lösungsvorschläge aufzunehmen. In einer Stellungnahme im Rahmen des EU-Notifizierungsverfahrens zum Gesetzentwurf kritisieren wir insbesondere die drohende Benachteiligung deutscher Schweinehalter durch die geplante Kennzeichnung.

Wie erwartet, wurde der Gesetzentwurf zur Tierhaltungskennzeichnung zunächst zur weiteren Beratung an den Agrarausschuss des Bundestages überwiesen. Das ist gut so, denn es ist aus Sicht der Schweinehalter unbedingt notwendig, die zahlreichen Mängel in dem Entwurf zu beseitigen. Die Bundesländer haben im Bundesrat fachlich und sachlich umfassend Stellung bezogen und zahlreiche Änderungen an dem Entwurf eingefordert. Zuvor haben wir das genauso wie zahlreiche andere landwirtschaftliche und nicht landwirtschaftliche Organisationen auch bereits in aller Deutlichkeit getan. Der Agrarausschuss ist nun gefordert, diese vielen Einwände und Stellungnahmen zu beraten und die Lösungsvorschläge aufzunehmen. Denn die Ignoranz, mit der die Bundesregierung und insbesondere Landwirtschaftsminister Cem Özdemir die Einwände der Bundesländer u.a. mit EU-rechtlichen Bedenken beim Umgang mit ausländischer Ware wegwischt, ist inakzeptabel., so ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. Er führt weiter aus: Angesichts der aktuell veröffentlichten Ergebnisse der November-Viehzählung, die erdrutschartige Rückgänge bei den Schweine haltenden Betrieben und den Schweinebeständen zeigen, ist die Wettbewerbsbenachteiligung deutscher Schweinehalter, welche die Bundesregierung mit dieser Formulierung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes betreibt, geradezu absurd. Staack kündigt vor diesem Hintergrund an, im Rahmen des EU-Notifizierungsverfahrens des Gesetzes entsprechend kritisch Stellung in Brüssel zu nehmen: Rechtliche Bedenken zum Gesetzentwurf haben nämlich auch wir – allerdings bezogen auf die Wettbewerbsbenachteiligung hiesiger Schweinehalter. Wir haben den Gesetzesentwurf deshalb rechtlich prüfen lassen und sehen uns in unserer Einschätzung bestätigt. Staack fasst zusammen: Wir begrüßen die Einführung einer verpflichtenden Tierhaltungskennzeichnung – aber nicht mit diesen gravierenden Mängeln und ohne Gesamtkonzept.

Umsetzung des Green Deals muss praxistauglicher werden

Landesagrarreferenten fordern Nachbesserungen zur Wiederherstellungs-Verordnung der Europäischen Únion.

Die laufende Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), die Wiederherstellungsverordnung im Rahmen des Green Deal und der Bericht zur Lebensmittelversorgungslage standen bei der Landesagrarreferenten-Konferenz in Wien auf der Agenda.

Die EU hat das Ziel bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen und damit ihren Verpflichtungen im Rahmen des Übereinkommens von Paris nachzukommen. Land- und Forstwirtschaft sind im Rahmen des Green Deal u.a. durch die von der Europäischen Kommission vorgeschlagene „Wiederherstellungs-Verordnung“ stark betroffen. Die Landesagrarreferentenkonferenz appelliert daher v.a. in Richtung des zuständigen Klimaschutzministeriums, sich gemeinsam mit dem BML auf EU-Ebene dafür einzusetzen, dass die vorgeschlagene Wiederherstellungsverordnung nachgebessert wird.

Es müssen die Grundsätze der Subsidiarität und der Verhältnismäßigkeit berücksichtigt werden. „Wir fordern ein klares Bekenntnis zur flächendecken und produzierenden Land- und Forstwirtschaft in der EU“, erklärt Minister Norbert Totschnig. Auch müsse die Ernährungssicherheit und der Ausbau verfügbarer erneuerbarer Energieträger berücksichtigt werden.

„Österreich bekennt sich zum Green Deal und den Zielen der Klimaneutralität. Der Weg dorthin muss aber realistisch und praxistauglich sein. Einige Punkte der Wiederherstellungsverordnung sind im Sinne der Lebensmittelsicherheit zu überdenken und erscheinen im vorgesehenen Zeitraum kaum erreichbar. Daher werde ich mich auf EU-Ebene für Nachbesserungen einsetzen. Das Prinzip der Subsidiarität und die Absicherung der kleinstrukturierte Land- und Forstwirtschaft in Österreich müssen gewährleisten werden“, sagt der Landwirtschaftsminister.

„Urban Mining“ kann zum Motor für die globale Kreislaufwirtschaft werden

Statt Rohstoffe aufwendig zu fördern, sollten wir verbaute Materialien aus Städten wiederverwerten. Das schützt die Umwelt und bietet ökonomische Vorteile, versichert Katja Windt.

Es ist ein Schatz von unschätzbarem Wert, der unentdeckt in unseren Städten schlummert. Ob in alten Bauruinen, defekten Elektrogeräten, in Autowracks oder der Kanalisation – überall in unseren Abfällen stecken wertvolle Rohstoffe, die bislang achtlos entsorgt werden.

Seit die Ressoursen an Primärrohstoffen und Seltenen Erden

weltweit immer knapper werden und die Preise auf den Weltmärkten steigen, rückt eine Zukunftstechnologie verstärkt in den Fokus: das „Urban Mining“. Die Idee hinter dem „städtischen Bergbau“: Statt Rohstoffe zu importieren, die unter oft zweifelhaften Umwelt- und Arbeitsbedingungen gefördert werden, verwendet man lieber die Rohstoffe, die in unseren Städten verbaut sind.

Europäische Städte besitzen gigantische Reservoirs an verbauten Rohstoffen

Die Vorteile liegen auf der Hand: Da Abfälle nicht mehr als Endprodukte, sondern als dauerhafter Teil der Wertschöpfungskette gelten, erhalten sie einen völlig neuen ökonomischen Wert. Die Implementierung einer Kreislaufwirtschaft bremst nicht nur die Auswüchse der Rohstoffgewinnung in den Primärförderländern, sondern verhindert auch die Folgen von Müllverbrennung und Deponierung in Europa.

Weil Abfallvermeidung und Reycling für eine echte Kreislaufwirtschaft zu kurz greifen, geht „Urban Mining“ einen Schritt weiter – und nutzt entsorgte Konsumgüter, Infrastrukturen, Bauschutt und Ablagerungen auf Deponien als Quelle für wiederverwertbare Rohstoffe.

In Tschechien: ASP kehrt nach fünf Jahren zurück

Fast fünf Jahre ist es gut gegangen: Jetzt aber ist die Afrikanische Schweinepest nach Tschechien zurückgekehrt. Betroffen ist die Ortschaft Jindřichovice pod Smrkem in der Gegend um die Gemeinde Liberec, rund 35 km östlich der sächsischen Grenzstadt Zittau. Das teilte die Staatliche Veterinärbehörde (SVS) in Prag mit. Die tschechischen Behörden haben umgehend reagiert und richten nun ein 200 km2 großes Beobachtungsgebiet ein. Das Betreten der Wälder wird hier eingeschränkt und die Jagd verboten. Ziel der Maßnahmen ist es unter anderem, das Wild nicht zu verscheuchen. So soll die Verbreitung des Erregers besser eingedämmt werden. Sorgen bereitet den Behörden allerdings die steigende Zahl an ASP-Fällen in Sachsen.

Tschechien war in den letzten Jahren sehr erfolgreich bei der Bekämpfung und Eindämmung der ASP. In den letzten knapp fünf Jahren gab es keinen einzigen Ausbruch. Bei der ASP-Bekämpfung arbeiten die nationalen und regionalen Behörden eng zusammen. Die staatliche Veterinärbehörde nimmt dabei eine Schlüsselposition ein, sie ordnet im Falle eines Seuchenausbruchs Notfallmaßnahmen an. Die Überwachung des Seuchengeschehens vor Ort übernimmt die jeweils zuständige regionale Veterinärbehörde, die die zentrale Veterinärverwaltung informieren muss. Neben der Kommunalverwaltung sitzen außerdem Vertreter des Landwirtschaftsministeriums, der Jagdverbände, der Schweinehalter, der Tierkörperbeseitigungsanstalten sowie der staatlichen Laboratorien mit am Tisch.