Hannes Blog

Neues aus der Landwirtschaft

Schweineproduktion bricht in Deutschland weg

Die Erzeugung von Schweinen und deren Fleisch ist im vergangenen Jahr in Deutschland so stark gesunken wie nie zuvor. Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) kamen 2022 nur noch 47,10 Millionen Schweine an die Haken der hiesigen Schlachtbetriebe; das waren 4,77 Millionen Stück oder 9,2 % weniger als im Vorjahr. Mitberücksichtigt sind in dieser Statistik auch die Hausschlachtungen. Weniger Tiere wurden im Bundesgebiet zuletzt 2004 verarbeitet. Innerhalb von nur fünf Jahren hat sich das Schlachtviehangebot um gut 11,3 Millionen Schweine oder fast ein Fünftel verringert.

Der Einbruch bei den Schlachtungen war 2022 ausschließlich auf das geringere Schweineangebot aus heimischen Ställen zurückzuführen. Dieses nahm im Vorjahresvergleich um 4,85 Millionen oder 9,6 % auf 45,87 Millionen Tiere ab. Die Zahl der hierzulande geschlachteten Schweine aus dem Ausland nahm dagegen erstmals seit längerem wieder zu, und zwar um 6,5 % auf 1,23 Millionen Stück. Die Landwirte lieferten im vergangenen Jahr ihre Tiere mit einem um rund 600 g auf 95,2 kg verringerten Schlachtgewicht an die Schlachtstätten, was den Produktionsrückgang zusätzlich verschärfte. Die Schweinefleischerzeugung verringerte sich gegenüber 2021 um 485 200 t oder 9,8 % auf knapp 4,49 Mio t. Auch dies war das geringste Niveau seit 2004.

Die seit längerem sinkenden Schweinebestände, geringere Ferkelimporte, stark gestiegene Betriebskosten, eine nachlassende Schweinefleischnachfrage, rückläufige Drittlandsexporte, Probleme mit Hofnachfolgern sowie zunehmende Auflagen und fehlenden Planungssicherheit durch die Politik sind laut Analysten wesentliche Faktoren für den Niedergang der hiesigen Schweineproduktion. Dieser war im vergangenen Jahr in allen Bundesländern zu spüren. Ausnahme war Sachsen, wo die Schweineschlachtungen auf geringem Niveau um 16,9 % auf 217 580 zulegten. Mit 16,10 Millionen Tieren kamen die meisten Schweine in Nordrhein-Westfalen an die Haken; im Vorjahresvergleich war das ein unterdurchschnittliches Minus von 5,7 %. Dahinter folgte Niedersachsen mit 15,06 Millionen geschlachteter Schweine, was einen Rückgang von 10,8 % entsprach. AgE/dw

Toschnig: „EU versucht Pakt durch die Hintertür durchzupeitschen“ und bleibt hart

Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig beharrt auf seinem Nein zu einem Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten. Auf den deutschen Kanzler Olaf Scholz ist Totschnig sauer.

Das Mercosur-Abkommen ist laut Totschnig sehr umstritten. „Freihandelsabkommen sind für den Wirtschaftsstandort wichtig, aber dürfen nur dann abgeschlossen werden, wenn sie fair und ausgewogen sind und unseren hohen Qualitätsstandards entsprechen“, betont der Agrarminister. Der Besuch des deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz beim brasilianischen Präsident Luiz Inácio Lula da Silva stößt Totschnig sauer auf: “ Die EU-Kommission versucht nun, den Pakt durch die Hintertür durchzupeitschen – mit Hilfe juristischer Spitzfindigkeiten. Sie wolle damit das Nein einzelner Mitgliedsstaaten wie Österreich umgehen“, warnt der Minister.

Es gehe nicht zusammen, die landwirtschaftliche Produktion in Europa durch immer höhere Standards einzuschränken und gleichzeitig Handelsabkommen, die den Regenwald gefährden, durchzupeitschen. „Wir sollten den Fokus auf einen starken Binnenmarkt und Versorgungssicherheit richten. Wenn wir in Europa einen nachhaltigen Weg in der Landwirtschaft gehen wollen, muss das auch in Handelsabkommen abgebildet werden“, fordert Totschnig.

Der Bundesminister spricht sich klar gegen das Mercosur-Abkommen aus: „Das ist meine Position und dies entspricht auch dem Regierungsprogramm. Während Europa die Klima-, Tierwohl- und Sozialstandards laufend nach oben schraubt, spielen diese in Südamerika eine untergeordnete Rolle. Es ist nicht erklärbar, günstigen Rohrzucker und Rindfleisch von Großbetrieben aus Übersee mit schlechterer Klimabilanz zu importieren und so unsere bäuerlichen Familienbetriebe und die eigene Versorgung unter Druck zu bringen.“

Gleichzeitig schiebe die Kommission ihren Vorschlag zur EU-Herkunftskennzeichnung bei verarbeiteten Lebensmitteln weiter auf die lange Bank. „Eine rasche Vorlage ist längst überfällig. Auch fehlen klare Antworten der Kommission hinsichtlich Import-Kontrollen, finanzielle Wettbewerbshilfen und Schutzmechanismen bei stark steigenden Importen und Marktverwerfungen. Von Umweltsünden wie der Rodung des Amazonas-Regenwaldes noch gar nicht zu sprechen“, verdeutlicht Totschnig.

Der Pakt mit Südamerika sei wie ein trojanisches Pferd. „Mercosur mag auf den ersten Blick vorteilhaft aussehen, aber ist mit den beschlossenen EU-Klima- und Nachhaltigkeitszielen nicht vereinbar. Unsere Position und unsere Kritikpunkte werden wir weiterhin mit voller Kraft in Brüssel verteidigen“, so Totschnig.

Faktencheck in Deutschland: Fleischwirtschaft kritisiert LiDL

Lidl will zukünftig weniger Fleisch anbieten. Um den Planeten zu retten, sollen tierische Proteine im Sortiment durch pflanzliche ersetzt werden, erklärte der Discounter vor zwei Wochen auf der Grünen Woche in Berlin. Fokus Fleisch kritisiert diese Darstellung als nicht faktenbasiert und erklärt, warum der Verzicht auf Fleisch viel weniger fürs Klima bringt, als viele denken.

Weniger Fleisch essen fürs Klima? Das predigen landauf, landab seit Jahren vermeintliche Tier- und Umweltschützer. Auch der Discounter Lidl springt auf den Zug auf und versprach im Januar bei einem Gespräch mit der Lebensmittelzeitung auf der Grünen Woche in Berlin eine Reduktion tierischer Proteine im Sortiment. Das Ziel: Bis 2025 soll der Anteil pflanzlicher Proteine kontinuierlich erhöht werden. Der Grund: Weil es keinen zweiten Planeten gibt. Ein Wandel sei laut Christoph Graf, Lidl-Chefeinkäufer für den deutschen Markt, alternativlos. Wir brauchen auf der ganzen Welt eine bewusstere Ernährung, um uns in unseren planetaren Grenzen zu ernähren, so Graf. Doch basiert diese Darstellung auf Fakten? Das fragt sich Fokus Fleisch und macht den Faktencheck.

Fakten 1 – Verbraucherverhalten

Verbraucher möchten laut Fokus Fleisch auch weiterhin Fleisch einkaufen können. Das zeigen Daten der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung). Zwar ist die Nachfrage privater Haushalte nach Fleisch und Fleischprodukten in den letzten Jahren gesunken, doch die eingekaufte Menge betrug im Jahr 2021 noch immer beachtliche 3.000 t. Im selben Zeitraum machten Fleischersatzprodukten an diesen Einkäufen nur einen geringen Prozentsatz aus. In den letzten Jahren ist der Anteil von Ersatzprodukten von 0,8% in 2017 nur leicht gestiegen auf 2,2 % im Jahr 2021.

Fakten 2 – Landwirtschaft und Klima

Die Landwirtschaft hat 2021 im Vergleich zu anderen Emittenten mächtig Treibhausgase reduziert. Zwei Prozent weniger CO2-Ausstoß – das macht 1,2 Millionen Tonnen weniger im Jahresvergleich. Nach der Bilanz des Bundesumweltamtes für das Jahr 2021 unterschreitet die Landwirtschaft deutlich die im Bundesklimagesetz festgelegte maximale Jahresemissionsmenge von 68 Millionen Tonnen CO2. Andere Sektoren sollen dagegen laut UBA-Präsident Dirk Messner die Klimaziele größtenteils gravierend verfehlt haben und sogar starke Anstiege verzeichnen.

Fakten 3 – Wissenschaftliche Evidenz

744 Wissenschaftler aus der ganzen Welt haben bisher die Dublin Declaration unterschrieben, die der Nutztierhaltung eine existentielle Bedeutung für die Ernährung der Menschen zumisst. Nach Angaben eines der Initiatoren, Prof. Dr. Peer Ederer aus Friedrichshafen, hätten die Fachleute ausschließlich auf evidenter Basis eine Strategie verfasst, um Tierhaltung, Tierschutz, Klimaschutz und eine ausreichende Ernährung verantwortlich und ressourcenschonend zusammenzubringen.

Fakten 4 – Kreislaufwirtschaft

In der Dubliner Erklärung heißt es zudem: Nutz- und Herdentiere sind unersetzlich für die Aufrechterhaltung des Stoffkreislaufs in der Landwirtschaft, indem sie die großen Mengen an ungenießbarer Biomasse, die als Nebenprodukte bei der Herstellung von Nahrungsmitteln für die menschliche Ernährung anfallen, auf verschiedene Weise wiederverwerten. Nutztiere sind optimal in der Lage, diese Stoffe in den natürlichen Kreislauf zurückzuführen und gleichzeitig hochwertige Lebensmittel zu produzieren. Zudem sind ihre Klimagasemissionen Bestandteil eines biogenen Kreislaufs.

Fakten 5 – Weltweite Ernährung

Im Jahr 2050 werden neun Milliarden Menschen auf der Erde leben. Um diese ausreichend zu ernähren, muss sich die Nahrungsmittelproduktion auf der Erde laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) nahezu verdoppeln. Der Nahrungsmittelbedarf wird laut der FAO nicht nur wegen des Bevölkerungswachstums steigen. Die Urbanisierung und der damit oft verbesserte Lebensstandard der Menschen werden mit veränderten Ernährungsgewohnheiten in Schwellen- und Entwicklungsländern einhergehen. Die Nachfrage nach Getreide und anderen traditionellen Grundnahrungsmitteln wird sich hin zu tierischen Nahrungsmitteln wie Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten verschieben.

Die aktuelle Politik der Bundesregierung hat dramatische Folgen für die Landwirtschaft in Deutschland. Im Jahr 2022 sind allein 1.900 Bauern in Deutschland aus der Schweinehaltung ausgestiegen, die meisten von ihnen haben die landwirtschaftliche Produktion gänzlich aufgegeben. Es droht ein Strukturbruch. Die Versorgung mit heimischen Lebensmitteln wird so nicht mehr gewährleistet, wenn sich der Trend fortsetzt. Bedrückende Zahlen: das statistische Bundesamt hat 2022 mit 21,3 Millionen Tieren den geringsten Schweinebestand seit 30 Jahren registriert.

Donau – Soja Dagmar Gollan ist neue Geschäftsführerin

Für die internationalen Organisation Donau Soja mit Vereinssitz in Wien übernimmt ab sofort Dagmar Gollan (38) die Geschäftsführung.

Für die internationalen Organisation Donau Soja mit Vereinssitz in Wien übernimmt ab sofort Dagmar Gollan (38) die Geschäftsführung. Dies wurde auf Vorschlag von Donau Soja-Präsident Matthias Krön (53) vom Vorstand beschlossen, da der Verein und die Zahl seiner Angestellten stark gewachsen sind, teilte Donau Soja in einer Presseaussendung mit.

Gollan studierte Lebensmitteltechnologie und -wissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und ist seit neun Jahren bei der Organisation Donau Soja beschäftigt. Zuletzt war die erfahrene Expertin für die Qualitätssicherung und die Standardentwicklung zuständig. Krön, der Gründer des Vereins, will in seiner Rolle als Präsident künftig die Weiterentwicklung des Vereins und seiner Mission in Europa vorantreiben.

Neben zahlreichen anderen Projekten wird Donau Soja heuer auch den Welt-Sojakongress (World Soybean Research Conference) im Wiener Austria Center im Juni mitorganisieren. Dazu werden zahlreiche internationale Wissenschafterinnen und Wissenschafter, Unternehmen und Experten aus aller Welt erwartet.

Donau Soja hat seit 2023 mehr als 50 Mitarbeiter. Neben dem Vereinssitz in Wien verfügt die Organisation über Büros in Novi Sad/Serbien, Kiew/Ukraine, Chișinău/Republik Moldau und eine Repräsentanz in Rumänien, überall super Büros aber nicht im Sinne von uns Viehhaltenden Betrieben sonder nur zum Selbstzweck.

Tiergesundheit Österreich aus der Taufe gehoben

Mit dem Verein „Tiergesundheit Österreich“ (TGÖ) gibt es nun eine Dachorganisation für die Tiergesundheitsdienste der Bundesländer.

„Nicht zuletzt die Konsumentenansprüche im Bereich Antibiotikaeinsatz, Tierschutz und Lebensmittelsicherheit haben gezeigt, dass das föderale System der Tiergesundheitsdienste an die Grenzen der Machbarkeit gekommen ist“, erklärte heute Gottfried Schoder, TGD Oberösterreich und Koordinator des neu gegründeten TGÖ anlässlich einer Pressekonferenz.

Zwar habe sich das System des TGD mit seinem Betreuungsmodell zwischen Tierärzten und Tierhalter, die Rechtssicherheit und Transparenz bei der Arzneimittelanwendung sowie das Kontrollsystem bewährt. Eine große Schwäche sei allerdings die fehlende koordinierende Stelle und das fehlende Datenmanagement gewesen. Außerdem sei das föderale System nicht förderfähig mit Bundes- und EU-Mitteln gewesen. Schoder: „Damit gibt es Mängel in der einheitlichen Umsetzung von Programmen und es fehlte eine zentrale Ansprechstelle.“

Mit dem jetzt gegründeten TGÖ soll sich dies ändern. Dieser wird in Form eines Vereins geführt. Erster Obmann des Vereines wird Franz Rauscher, der in Sitzenberg einen 100 ha-Schweinemastbetrieb führt. Rauscher ist auch Obmann der Erzeugergemeinschaft Gut Steitdorf. Er setzte sich letztlich gegen Karl Waldenberger, Präsident der LK Oberösterreich, durch.

Rauschers Stellvertreter ist Kurt Frühwirth, gleichzeitig Präsident der Österreichischen Tierärztekammer. Seine Wahl erstaunt insofern, weil er als ausgewiesener Kleintierpraktiker in Wien wohl nur sehr wenig mit Nutztieren zu tun hat.

Der neue Obmann begründet sein Engagement im TGÖ so: „Als Tierhalter sind wir laufend mit veränderten gesellschaftlichen Erwartungen in eine österreichische Nutztierhaltung über alle Sparten hinweg konfrontiert. Eine nachhaltige österreichische Nutztierhaltung über alle Sparten hinweg zu ermöglichen, steht für mich aber dennoch an oberster Stelle. Wir müssen nationale oder innergemeinschaftliche gesetzlich verankerte Rahmenbedingungen, welche die tierische Primärproduktion betreffen umsetzen. Dazu braucht es Unterstützung für die Landwirte aber auch für die TGD-Tierärzte.“

Und Rauscher ist für die Zukunft optimistisch: „Wenn es dem TGÖ in den kommenden Jahren gelingt, die Weiterentwicklungen in den Bereichen Tiergesundheit, Tierschutz und Tierwohl durch Wissensvermittlung, Sensibilisierung von Themen und der Schaffung praxisorientierter Programme umzusetzen, und dies großteils ohne notwendige Sanktionen, wäre für mich ein großes Ziel erreicht.“

Dafür gelte es unter anderem folgende Bereiche zu bearbeiten:

  • Verminderung der Anwendung von Arzneimitteln – Antibiotikamonitoring – Vergleich mit anderen Betrieben, Bewusstseinsbildung
  • Praxisnahe Verbesserungen in der Haltung als gesellschaftliche Herausforderung
  • Lebensmittelsicherheit
  • Praxisorientierte Lösungen von Problemstellungen – Bsp.: Umsetzung Verbot routinemäßiges Schwanz kupieren im Schweinebereich
  • Aufwertung der Betriebserhebungen durch die Betreuungstierärzte (Bestandskontrolle – Tierschutz – Tiergesundheit)
  • Früherkennung von Betrieben mit Problemen – Hilfestellung durch TGD-Tierärzte.
  • Weiterbildung von Tierhaltern und Tierärzten aber auch die tierärztliche Versorgung sind Themen der Zukunft.

Erfreut zeigt sich heute die VÖM über die Gründung des TGÖ: „Tiergesundheit und Tierwohl sind wichtige Themen der österreichischen Milchwirtschaft. Wir erwarten uns von der Gründung des Vereins Tiergesundheit Österreich (TGÖ) eine weitere Unterstützung in der Weiterentwicklung und Absicherung der hohen Tiergesundheits- und Tierwohlstandards in Österreich und sehen in der Tierärzteschaft einen wichtigen Partner in der Umsetzung dieser Thematik“, erklärt der Präsident der Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM) Dir. Helmut Petschar.

„Mit diesem Schritt wollen wir nicht nur dem gestiegenen Stellenwert von Tierwohl und Tiergesundheit in der Gesellschaft Rechnung tragen, sondern auch ein wirksames Instrument zur gemeinsamen Weiterentwicklung im Bereich Tiergesundheit und Tierwohl schaffen. Die Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Verarbeitung, Tierärzteschaft, den Verbänden und Behörden ist entscheidend, um machbare und weiterhin vorbildliche und den modernen Anforderungen entsprechende Standards in Österreich zu haben, die eine wichtige Voraussetzung für die hohe Qualität der heimischen Milchprodukte sind“, ergänzte Petschar.

Tierwohl: Hoher Preis für politisches Kalkül in Deutschland- da geht alles den Bach runter

Die Branche schäumt über die Pläne des Bundeslandwirtschaftsministeriums zum Umbau der Tierhaltung. Minister Cem Özdemir wiegelt ab und spielt auf Zeit.

Die Worte waren bewusst scharf: Einen „Abbau statt Umbau“ der Tierhaltung werfen Verbände der Ampelregierung vor. Andere sprechen vom „Tierwohl-Killer“. Selbst die Borchert-Kommission, die aus Verärgerung eigentlich ruhen wollte, kritisiert das Tierhaltungskennzeichengesetz sowie das zugehörige Förderprogramm deutlich. Alles zur Grünen Woche.

Doch Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) zeigt sich wenig beeindruckt. In der Manier eines Politprofis wiegelt er die Attacken ab. Er lasse nicht zu, dass einzelne Blockierer die „gewollte Transformation“ stoppen. Für konstruk­tive Hinweise sei er dankbar und suche das Gespräch.

Ohnehin sei jetzt der Bundestag gefordert, über seine Vorschläge zu beraten. Übersetzt heißt das: Die Richtung ändert sich nicht, es gibt höchstens noch kleinere Anpassungen. Es bleibt somit vermutlich dabei, dass der Umbauplan völlig unterfinanziert ist, ausländische Ware ohne Kennzeichnung ins Land kommt und viele Schweinehalter vom Förderprogramm ausgeschlossen sind.

Zugutehalten muss man Özdemir, dass er nicht allein verantwortlich ist. Zum einen hat er in der eigenen Partei Renate Künast im Nacken sitzen. Sie würde die Tierhaltung am liebsten mit noch strengerem Ordnungsrecht zurückfahren. Zum anderen will der Koalitionspartner FDP nicht mehr Geld locker machen.

Und: In der vergangenen Legislaturperiode haben CDU/CSU sowie SPD das günstige Zeitfenster für eine politisch motivierte Weiterentwicklung der Tierhaltung verstreichen lassen. Inzwischen sind Baukosten sowie Zinsen teurer und die Staatskasse leerer.

Hinzu kommt: Angesichts der hohen Inflation kaufen Verbraucher noch stärker nach dem Preis. Sie lassen schon etwas teurere Produkte mit mehr Tierwohl vielfach liegen. Deshalb zeichnet sich ab: Höhere Haltungsformen mit Außenklima kommen vorerst nicht in die Breite, sie bleiben eine Nische.

Insbesondere die am stärksten betroffenen Schweinehalter haben das längst erkannt. Grob kategorisiert gibt es drei Entwicklungen:

  • Wer auf höhere Haltungsformen setzt, vermarktet oft direkt oder über Regionalprogramme, teilweise in Kooperation mit dem Handel
  • Viele halten das Tierwohllevel, das sie erreicht haben. Investitionen in Ställe gibt es kaum. Nach und nach könnten diese Betriebe auslaufen.
  • Andere steigen direkt aus der Schweine­produktion aus. Manche stellen den kompletten Betrieb ein, andere suchen alternative Einkommensmöglichkeiten. Seminare zu Umnutzungen von Schweineställen sind aktuell ein Renner.

Das Ergebnis: Weniger Schweine, aber mehr Schweine in höheren Haltungsformen. Genau das ist politisches Ziel. Und genau das erreicht die Politik möglicherweise, ohne etwas dafür zu tun – und ohne viel Steuergeld zu bezahlen.

Doch der wahre Preis dieses politischen Kalküls ist extrem hoch. Denn in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum brechen Strukturen weg – und regionale Kreisläufe, Wirtschaftskraft und Wohlstand gehen verloren. Ob das bedacht ist?

Ein Kommentar von Patrick Liste, Chefredakteur beim Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben.

Keine Ferkel mehr ?

Laut Österreichischer Schweinebörse zeigte sich der heimische Lebendmarkt ausgeglichen, seit Jahresbeginn mitgeschleppte Überhänge waren Geschichte. Das spekulative
Zuwarten der Fleischindustrie auf billiges „Jänner-Schweinefleisch“ für die Gefrierlager
ging in diesem Jahr nicht auf. Der Schneefall in den westlichen Bundesländern belebte die
Kaufbereitschaft des Gastgewerbes in den Schigebieten, man spürte die Vorbereitung auf
ein gutes Geschäft in Februar.
Die Mastschweine-Notierung steigt ab dem 2. Februar um 5 Cent.
Gute Ferkelnachfrage
Auf dem österreichischen Ferkelmarkt ging die Schere zwischen Nachfrage und Angebot
noch weiter auf. Dementsprechend waren Wartezeiten für die Mäster im Ferkelbezug unvermeidlich. Die Notierung steigt in der 5. Kalenderwoche um 10 Cent auf EUR 3,40 je kg.
Europaweit war von einer im Jänner oft herrschenden Absatzflaute bei Ferkeln nichts zu
spüren. Die gute Nachfrage übertraf das überschaubare Angebot, weshalb steigende
Notierungen dominierten.
Knappes Angebot auf dem EU-Schweinemarkt
Der EU-Schweinemarkt entwickelte sich nach wie vor uneinheitlich, allmählich zeichnete
sich jedoch ein überwiegend positiver Trend ab. Entscheidender Faktor für steigende Notierungen in immer mehr Mitgliedsländern war das deutlich unter den Vorjahren liegende
Angebot. Für die Schlachtunternehmen wurde es schwieriger, eine effiziente Auslastung
ihrer Kapazitäten zu erreichen. Zudem näherte sich das „Jännerloch“ in der Fleischnachfrage dem Ende. Für Februar wurde eine Belebung erwartet. In Dänemark gab der
Schweinepreis aufgrund der enttäuschenden Asienexporte nochmals nach.
Auch in Deutschland bestimmt das sehr kleine Angebot den Lebendmarkt. Der Bedarf der
Schlachthöfe kann nicht vollständig gedeckt werden. Daher steigt der Vereinigungspreis
für Schlachtschweine um 8 Cent auf EUR 2,08 je kg für den Zeitraum 2. bis 8. Februar.
Der Fleischhandel läuft etwas besser als zuletzt, günstige Teilstücke aus dem Ausland
erschweren aber weiterhin die Vermarktung deutscher Ware.

EU: Insekten dürfen nicht ohne Kennzeichnung in Lebensmitteln enthalten sein

Angeblich soll es dank zwei neuer EU-Verordnungen jetzt möglich sein, dass in Lebensmitteln wie Pizza, Schokolade oder Suppen ohne Wissen des Verbrauchers Insektenbestandteile, etwa von der Hausgrille, enthalten seien. Das stimmt nicht. Dafür besteht eine Kennzeichnungspflicht. Auch ein Allergiehinweis muss auf den Etiketten stehen.

„Die Menschen werden nun Insekten fressen, ohne es zu wissen“, wird seit Mitte Januar unter anderem auf Telegram und Facebook behauptet. Die Beiträge wurden tausendfach geteilt. Hintergrund sei eine neue Genehmigung der EU: Diese habe „zum neuen Jahr 2023 die Genehmigung erteilt, Insekten (Hausgrillen) in Backwaren, Teigwaren und andere Teilfertigprodukte ‚für die allgemeine Bevölkerung‘ mit beizumischen“ – und das angeblich ohne Kennzeichnungsvorschriften über mögliche Allergien und nur mit Verweis auf die lateinische Bezeichnung der Insekten.

Mit einer Erweiterung der Verordnung für neuartige Lebensmittel hat die EU tatsächlich genehmigt, dass in bestimmten Lebensmitteln ab dem 24. Januar 2023 teilweise entfettetes Pulver aus den sogenannten „Acheta domesticus“, verarbeitet werden darf, und ab dem 26. Januar 2023 ( Verordnung archiviert) ebenso Larven von Getreideschimmelkäfern, den sogenannten „Alphitobius diapernius“, in „gefrorener, pastenartiger, getrockneter und pulverisierter Form“. 

Dass diese ohne Kennzeichnung oder nur mit lateinischem Namen auf Produkten gekennzeichnet würden, stimmt nicht. Ebenso falsch ist, dass ein Allergiehinweis fehle. Neu ist die Zulassung von Insekten oder Insektenbestandteilen nicht – auch nicht in Bezug auf die Hausgrille . 

„Hausgrille“ und „Getreideschimmelkäfer“ müssen als Zutat explizit auf den Produkten stehen

Ebenfalls ist falsch, dass es keinen Allergiehinweise gebe. Ansgar Weiß, Pressereferent des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit schrieb uns in Bezug zur Getreideschimmelkäferlarve: „Die Kennzeichnung der Lebensmittel […] muss mit dem Hinweis versehen sein, dass diese Zutat bei Verbrauchern, die bekanntermaßen gegen Krebstiere und Erzeugnissen daraus sowie gegen Hausstaubmilben allergisch sind, allergische Reaktionen auslösen kann.“ Der Allergiehinweis muss direkt neben der Zutatenliste stehen. Nahrungsergänzungsmittel rund um die Getreideschimmelkäferlarve müssten zudem den Hinweis enthalten, dass das Nahrungsergänzungsmittel nicht von Personen unter 18 Jahren verzehrt werden soll. 

Auch bei der Hausgrille muss ein unmittelbarer Hinweis angebracht werden, dass die Zutat „bei Verbrauchern, die bekannterweise gegen Krebs- und Weichtiere und Erzeugnisse daraus sowie gegen Hausstaubmilben aller­gisch sind, allergische Reaktionen auslösen kann“ – so steht es in der Verordnung. 

Hausgrille und Getreideschimmelkäferlarven sind sogenannte neuartige Lebensmittel – das sind Lebensmittel, die „vor Mai 1997 nicht in ‚Umfang konsumiert wurden‘, schreibt die Europäische Behörde für Lebensmitelsicherheit (EFSA). Seit 1997 gebe es in der EU die Verpflichtung, jene Lebensmittel vor der Vermarktung auf ihre Sicherheit von der EFSA zu prüfen und „sodann vom Gesetzgeber zuzulassen“, erklärte Struck-Pacyna vom Lebensmittelverband. Das geschah auch in diesem Fall. Die EFSA veröffentlichte ihren Bericht zur Hausgrille im Mai 2022, für die Getreideschimmelkäferlarve im Juli 2022

Die Hausgrille und der Getreideschimmelkäferlarve seien in den beschriebenen Mengen unbedenklich, heißt es, könnten aber bestimmte Allergien auslösen. 

Richtig ist zwar, dass es laut EFSA neben allergischen Reaktionen auf die Tiere selbst auch zu allergischen Reaktionen gegen das Futter der Insekten kommen könne. Die EFSA betont jedoch, dass durch die empfohlene Menge und bei Einhaltung der entsprechenden EU-Standards keine Bedenken bestünden. In beiden Fällen empfahl die EFSA, mögliche allergische Reaktionen weiter zu erforschen.  von Steffen Kutzner

Globale Mischfutterproduktion 2022 leicht rückläufig – Deutliche Rückgänge bei Schweinefutter in der EU

Laut einer Erhebung des US-Futtermittelherstellers Alltech wurden im vergangenen Jahr weltweit knapp 1,3 Mrd. t Mischfutter produziert, gut 5 Mio. t weniger als im Vorjahr. Die globale Produktion von Schweinefutter sank 2022 um 3 %. Insbesondere die europäischen Werke haben ihre Erzeugung aufgrund der Afrikanischen Schweinepest (ASP) und sinkender Tierbestände gedrosselt, aber auch in China sank die Herstellung, berichtet AgE.

Die gewerbliche Herstellung von Mischfutter in der Welt ist im vergangenen Jahr moderat gesunken. Das meldete jetzt der US-Tiernahrungshersteller Alltech in seinem Agri-Food Outlook 2023 auf Basis seiner jährlichen Umfrage bei mehr als 28.000 Futtermühlen in 142 Staaten. Demnach nahm die globale Erzeugung gegenüber 2021 um 5,4 Mio. t oder 0,4 % auf knapp 1,27 Mrd. t ab.

Dazu trug wesentlich bei, dass sich die Futtermittelproduktion in den rund 6.550 europäischen Werken einschließlich Russlands um 12,9 Mio. t oder 4,7 % auf 263,2 Mio. t verringerte. Auch in den Regionen Asien-Pazifik mit China sowie in Afrika ging die Produktion zurück, und zwar um 0,5 % beziehungsweise 3,9 %. Dagegen meldeten Nord- und Lateinamerika, der Mittlere Osten sowie Ozeanien ein höheres Aufkommen.

Global gesehen wurde das meiste Mischfutter für die Hähnchenmast hergestellt; zweitwichtigstes Produkt der Mischer war 2022 erneut Schweinefutter, dessen globale Erzeugung jedoch um 3,0 % auf 319,4 Mio. t sank. Hierzu trug Europa mit einem Minus von 8,3 % auf 75,1 Mio. t wesentlich bei. Die Folgen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) und sinkende Tierbestände waren Alltech zufolge dafür der Grund. Zudem ging in China die Erzeugung um rund 5 % zurück, da hohe Futterkosten und geringe Schlachtschweinepreise zeitweise den Bedarf schmälerten. In Lateinamerika wuchs dagegen die Produktion um 2,0 % auf 36,2 Mio. t, vor allem da in Brasilien die Schweineindustrie weiter expandierte. Auch in Vietnam legte die Erzeugung wieder spürbar zu, nachdem sie nach dem Ausbruch der ASP zuvor eingebrochen war.

Die Volksrepublik China bleibt mit einer Produktionsmenge von insgesamt 260,7 Mio. t Mischfutter weltweit die Nummer eins, verzeichnete im Vorjahresvergleich jedoch einen Rückgang von 2,8 %. Dahinter folgten die USA mit 204,4 Mio. t, weit vor Brasilien mit knapp 82,0 Mio. t. Als größter gewerblicher Futtermittelerzeuger in der Europäischen Union war Spanien mit 31,2 Mio. t gelistet; die dortigen Werke produzierten allerdings 12,9 % weniger als 2021. In Deutschland blieb laut Alltech die Mischfutterherstellung mit 24,4 Mio. t um 0,5 % unter dem Vorjahresniveau. Etwas mehr als die Hälfte aller weltweit befragten Mischfutterwerke rechnen für 2023 mit einer wachsenden Produktion. Lediglich rund ein Viertel erwartet dies eher nicht; ein weiteres Viertel zeigte sich hinsichtlich der Entwicklung in diesem Jahr indifferent.

EU-Bauernpräsidentin zum Mercosur-Abkommen: „Wir sagen Nein!“

Europas Bauernpräsidentin ist wegen dem Bekenntnis von Kanzler Scholz zum EU-Mercosur-Freihandelsabkommen in „großer Sorge“. Sie befürchtet schwierige Zeiten für Fleischerzeuger in Europa.

Nach dem Regierungswechsel in Brasilien ist das Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Mercosur-Staatenblock wieder auf der Tagesordnung in Brüssel. Das bereitet der EU-Bauernpräsidentin, Christiane Lambert, „große Sorge“, wie sie am Montag in Brüssel sagte.

Angesichts der Südamerika-Reise von Bundeskanzler Olaf Scholz und dem klaren Bekenntnis zum Abschluss des EU-Mercosur-Abkommens von Scholz und Brasiliens neuem Präsidenten Luiz Lula da Silva erneuerte Lambert die grundlegende Kritik an dem Abkommen: „Wir sagen Nein zu Mercosur!“

Scholz und Lula hatten bei ihrem Treffen am Montag in Brasilia vereinbart, sich für den Abschluss des seit 2019 auf Eis liegenden Mercosur-Abkommens „zügig“ einzusetzen. „Präsident Lula und Bundeskanzler Scholz wertschätzen die intensiven bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Brasilien und Deutschland. Sie bekräftigten die Bedeutung vertiefter Handelsbeziehungen und unterstrichen ihre Absicht, zügig zu einem Abschluss der Verhandlungen eines ausgewogenen EU-Mercosur-Abkommens zu kommen“, heißt es in der gemeinsamen Abschlusserklärung.

Lambert ist Präsidentin der Dachorganisation der europäischen Bauernverbände, COPA. Gemeinsam mit der Gemeinschaft der EU-Genossenschaftsverbände, COGECA, steht COPA schon lange in Opposition zu den Freihandelsplänen mit den Mercosur-Staaten, Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay. COGECA-Präsident Ramon Amengol aus Spanien, fasste zusammen: „Die meisten Punkte in dem Abkommen mögen wir nicht.“

Die Befürchtung: Vor allem der sensible EU-Fleischsektor käme durch höhere Importe aus Südamerika unter gewaltigen Druck. Bei der Einfuhr von Fleisch und anderen Agrargütern müsste die EU wohl Zugeständnisse machen.

Bisher sieht das 2019 verhandelte Abkommen unter anderem eine Freihandelsquote für Geflügelfleisch von 180 000 t und ein zollfreies Lieferkontingent von 180 000 t Zucker jährlich für den südamerikanischen Staatenbund vor. Zudem soll der Import von 99 000 t Rindfleisch zu einem Zollsatz von 7,5 % erlaubt werden. Für Ethanol aus dem Mercosur-Block war ein Jahreszollkontingent von 650 000 t vorgesehen.

Für Lambert ist es „schlicht unbegreiflich“, dass die EU den Fleischverzehr ihrer Bürger zurückschrauben wolle, gleichzeitig aber mehr Fleisch aus Südamerika einzuführen bereit sei.

„Wer garantiert, dass keine zusätzlichen Wälder abgeholzt werden? Wer garantiert, dass keine in der EU verbotenen Wirkstoffe eingesetzt werden?“, fragte Lambert gegenüber Journalisten am Montag. Das Abkommen widerspreche Initiativen wie dem Green Deal oder der Farm-to-Fork-Strategie, so Lambert.

Widerstand gegen das Mercosur-Abkommen in seiner jetzigen Ausformulierung kommt auch aus der Umweltszene. „Das EU-Mercosur-Abkommen gefährdet in seiner jetzigen Form Klima, Natur und Menschenrechte. Durch die Streichung von jährlich vier Milliarden Euro an Zöllen werden der Import von Fleisch und Soja in die EU sowie der Export von Autos nach Südamerika erhöht“, sagte Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Die DUH fordert, dass das Abkommen den Export von Produkten unterbinden müsse, die in der EU aus Gründen des Umwelt- und Gesundheitsschutzes nicht zugelassen sind und nennt „hochgiftige Pestizide“ dafür als Beispiel von .Konstantin Kockerols und Stefanie Awaker-Esper

Herkunftskennzeichnung: Das ärgert die Jungbauern und geben Gas

Mehrere Jungbauernorganisationen aus Oberösterreich fordern Nachbesserungen.

Linz Öberösterreichs Jungbauern sind unzufrieden, wie die Bundesregierung die Herkunftskennzeichnung umsetzen will. Aus Sicht der Jugendorganisationen „OÖ Jungbauernschaft“, „Jungzüchter des FiHs“, „Junge Veredler“ und die „Jungzüchter des RZOs“ ist die Unterscheidung „EU“ oder „Nicht-EU“ problematisch, denn so sei immer noch nicht klar, ob das Schnitzel zum Beispiel aus Österreich oder aus den Niederlanden kommt.

Nach Auffassung von Alexander Hörmandinger, Obmann Jungzüchter FiH ist es in einer Zeit, in der alle mit extremen Teuerungen zu kämpfen haben, für angehende Hofübernehmer extrem wichtig endlich eine Herkunftskennzeichnung über alle Branchen hinweg zu bekommen. „Der jetzt vorgelegte Entwurf ist für uns mehr ein Schlag ins Gesicht als ein Grund zur Freude und Hoffnung,“ so Hörmandinger,

Unmut verursacht bei den Jungbauern, dass die Gastronomie von der verpflichtenden Herkunftskennzeichnung ausgenommen bleiben soll, während Kennzeichnungspflicht nur in Großküchen und verarbeiteten Betrieben greifen wird. Zwar soll die Kennzeichnung in der Gastronomie laut Gesetzesentwurf durch freiwillige Initiativen gestärkt werden. Um Gastronomiebetriebe zu mehr Transparenz zu motivieren, gibt es in Oberösterreich die Plattform Genussland Oberösterreich. Auch durch die Aktion „KulitWirte“ stärkt Oberösterreich seine Rolle als Vorreiter. Beide führen nach Auffassung der Jungbauern zu mehr Achtsamkeit bei Konsumentinnen und Konsumenten, wie auch bei Wirten.

„Langfristig gesehen, braucht es eine Herkunftskennzeichnung auch bei verarbeiteten Lebensmitteln und in der Gastronomie,“ fordert Christian Lang, Obmann OÖ Jungbauernschaft

Grüne Woche: Österreich schmecken und erleben – Das sind die Neuheiten aus Österreich

Auf der Grünen Woche in Berlin gibt es nicht nur Schinken, Käse und Speck aus Österreich. Hanfwein und schwarzer Knoblauch sorgen für neugierige Blicke.

Ein wenig stechen die grünen Flaschen in Berlin mit goldenem Etikett am Stand des Weinguts Elfenhof schon heraus. Vertriebsleiter András Kádár platziert sie neben den dunklen Weißweinflaschen. Er weiß, wie er die kleinen 0,2 Liter-Flaschen in Szene setzt. „Das ist unser neuer Hit“, macht Kádár neugierig und nimmt die Flasche in die Hand. Eine kleine Elfe und ein großes Hanfblatt zieren das Etikett. „Elfenhof Hemp“ heißt das Getränk aus Hanf und Trauben.Lange haben sie im Weingut im Burgenland daran herumgetüftelt und noch länger dafür gekämpft, das Getränk überhaupt auf dem Markt bringen zu dürfen. Die Hürden sind überwunden, sämtliche Genehmigungen liegen vor. Nun steht der neue „Lifestyle-Drink“, wie das österreichische Weingut seine Kreation nennt, pünktlich zur Internationalen Grünen Woche am Messestand.

Black Garlic, also schwarzer Knoblauch, erinnert geschmacklich an eine Mischung von Balsamico, Vanille und Karamell, heißt es am Stand. Entstanden ist der schwarze Knoblauch bei einem monatelangen Fermentationsprozess. „Ursprünglich stammt der schwarze Knoblauch aus Korea und Japan“, erklärt Robert Sorger. Neben dem Knoblauch bieten sie auch gefriergetrocknete Produkte, darunter Erdbeeren und Physalis an. Die Nachfrage sei sehr gut, berichtet Patrick Sorger. „Ich glaube, wir sind nächstes Jahr wieder am Start.“Holzer Austria repräsentierte auf der Internationalen Grünen Woche Kärnten und punktete insbesondere mit dem schwarzen Knoblauch.

Bei den Käsesorten haben die Besucherinnen und Besucher in der Österreich-Halle eine große Auswahl. Am Stand gegenüber sind auf der Preisliste schon einige Produkte durchgestrichen. Gertrud und Günter Kammerlander legen sich ins Zeug, bieten den Passanten Kostproben an. „Aktiv muss man schon sein“, sagt Gertrud Kammerlander, die mit ihrem Mann Günter am Stand der Genossenschaft Bioalpin aus Tirol steht. Normalerweise sind die Kammerlanders Milcherzeuger. Die Käsereien verarbeiten ihre Heumilch. Nun stehen sie zehn Tage am Messestand. „Das ist eine Abwechslung zum Alltag im Betrieb und wir treffen hier viele Freunde“, sagt Gertrud Kammerlander. Als Milchviehhalter geben sie den Verbrauchern Infos aus erster Hand.

Eine besondere Köstlichkeit bietet ihr Sortiment: einen Trüffelkäse. Den nahm die Alpbachtaler Heumilch-Käserei aus Reith erst kürzlich in das Sortiment auf. „Den hat hier sonst keiner“, sagt Günter Kammerlander und reicht ein Stückchen. Am meisten gefragt sei am Stand würziger Käse, insbesondere der Bergkäse.

13 Sorten Käse umfasst der Stand der „KäseStrasse Bregenzerwald“. Die Gemeinschaft aus 12 regionalen Sennereien und 20 Alpen präsentiert auf der Messe die verschiedenen Erzeugnisse. „Wir haben knapp eine Tonne Käse dabei“, erzählt Franziska Kohler. Sie ist Sennerin bei der Langenegger Dorfsennerei. Am Stand verspricht sie einige Raritäten: Tomatinokäse zum Beispiel, der nach Basilikum und frischen Tomaten schmeckt. Oder Thymian-Zitronen-Pfefferkäse. „Es kommen immer wieder neue Käsesorten dazu“, berichtet sie.

Das Vulkanland sei ein besonderes Fleckchen Erde und der Schinkenmanufaktur gehe es um artgerechte Haltung, sagt sie. Das wolle sie den Gästen am Stand vermitteln – und sie zu einer Betriebsbesichtigung einladen. „Wir sind hier ja für die Region da. Wir präsentieren unsere Produkte und unsere Tourismusregion.“

Renate Dohmen arbeitet als Gästebetreuerin bei der Schinkenmanufaktur. Nun erklärt sie in Berlin, welche unterschiedlichen Reifestufen es beim Schinken gibt. „Unser Bestseller ist der 18er“, sagt sie. Die ersten fünf Monate reift der Vulcano Schinken zwischen 0 und 8 Grad. Danach wird die Temperatur auf bis zu 24 Grad erhöht, damit der Schinken gut reifen kann. Die milde Würze und das leicht salzige Aroma zeichnen den Schinken aus, erklärt Dohmen und reicht eine kleine Scheibe.

Wer außergewöhnliche Kulinarik sucht, wird hier ebenfalls fündig: Die Schinkenmanufaktur bietet Schinken-Crisps an. Sie eignen sich als kleiner Snack zum Wein oder zum Garnieren von Speisen, erklärt Dohmen. Das Interesse der Kunden sei jeden Tag unterschiedlich. „Am einen Tag interessieren sie sich vor allem für Walnusssalami, am anderen Tag für Trüffelfilet.“ Eines kann sie aber auf jeden Fall sagen: Das Interesse ist groß. „Wir hatten sehr gute Gespräche und viele Kontakte zu potenziellen Kunden.“

Alles wird weniger – Sattes Minus beim Ferkelimport in Deutschland

Aufgrund der stark gesunkenen Ferkelimporte hat Deutschland im vergangenen Jahr deutlich weniger Schweine eingeführt als noch im Vorjahr. Wie die ISN anhand von Zahlen des Thünen-Instituts und Destatis herausgearbeitet hat, verzeichnete die Importbilanz mit rund 10 Mio. Schweinen ein sattes Minus von rund 12 %. Damit setzt sich ein seit mehreren Jahren zu beobachtender Negativtrend fort.

Hauptantreiber dieser Entwicklung ist der massive Rückgang der Ferkelimporte. So nahmen die deutschen Mäster im vergangenen Jahr nur noch gut 8,8 Mio. Ferkel auf, was im Vergleich zu 2021 einem Minus von fast 13 % entspricht. Wichtigster Lieferant blieb dabei Dänemark, die allerdings mit circa 5,6 Mio. Jungtieren auch fast 12 % weniger Ferkel einführten als im Vorjahr. Einen noch stärkeren Rückgang verzeichneten die niederländischen Ferkelexporteure, die mit gut 3,2 Mio. Ferkel an die 13 % im Deutschland-Geschäft einbüßten. Der starke Rückgang der Ferkelimporte mag angesichts der eingebrochenen deutschen Ferkelerzeugung verwunderlich erscheinen, allerdings wurden auch in der deutschen Schweinemast Kapazitäten in erheblichem Umfang abgebaut bzw. Ställe blieben vorübergehend leer, so die Einschätzung der ISN zu den Zahlen.

In Anbetracht dieses starken Einbruchs im Ferkelhandel fielen die leicht gestiegenen Schlachtschweineimporte kaum ins Gewicht. Hier wurde nämlich im Vergleich zu 2021 ein Plus von 6 % auf 1,23 Mio. Stück ermittelt. Nach dem 2020 und 2021 aufgrund des Schweinestaus und anderer Marktverwerfungen kaum Schweine zur Schlachtung eingeführt wurden, fließen die Einfuhrströme jetzt wieder auf konstantem Niveau. Dabei kommen rund zwei Drittel der ausländischen Schlachtschweinen aus den Niederlanden. Weit dahinter folgen dann erst die Belgier und Dänen.

Wie immer – gleichen CO2-Zertifikate wirklich den ökologischen Fußabdruck aus?

Immer mehr Firmen wollen nachhaltig agieren, Ressourcen sparen und den Ausstoß von CO2 kompensieren. Sie kaufen Zertifikate oder pflanzen Bäume. Eine neue internationale Studie beschäftigt sich mit den Fragen: Warum pflanzen Unternehmen Bäume? Wo und mit wem machen sie das? Dafür untersuchte das Forschungsteam Konzerne der Fortune-Global-500-Unternehmensliste aus Frankreich, der Schweiz und Großbritannien und ihren Einsatz im Wald.

Im Dezember 2022 sind die Ergebnisse der IUFRO-Studie (International Union of Forest Research Organizations) veröffentlicht worden. Stephanie Mansourian, Umweltberaterin und Wissenschaftlerin an der Universität Genf, und Daniel Vallauri, WWF Frankreich, erfassten in ihrem Projekt die Ausmaße von Baumpflanzungen, die durch Unternehmen organisiert werden und entdeckten Lücken im Versuch, einen Beitrag für das Klima zu leisten.

Vor allem haben die Unternehmen in China, Indonesien, Madagaskar, Malaysia, Australien und Kanada Bäume gepflanzt. Es falle aber auch auf, dass die Unternehmen die Pflanzungen in den Ländern ihrer Hauptstandorte oder wichtiger Nebenstandorte durchführen. Gepflanzt werde meist zusammen mit Landwirten aus den Regionen, Schulen und Nonprofit- oder Profit-Organisationen. Oft sei ein Netzwerk aus vielen Akteuren beteiligt.

Die Studie zeigt, dass in den letzten 22 Jahren allein 98 % der großen Unternehmen aus Frankreich, Großbritannien und der Schweiz über 500 Mio. Bäume gepflanzt haben. Das sei daher nur die Spitze des Eisbergs weltweiter Baumpflanzungen. Die Frage, wer sich nach einer Bepflanzung einer Fläche um die jungen Kulturen kümmert, sei allerdings meist undurchsichtig.

Ob es sich bei Baumpflanzungen durch Firmen um „Greenwashing“ handelt, also Marketingtricks, um beim Thema Nachhaltigkeit verantwortungsvoll und grün zu wirken, sei schwer zu sagen, so Mansourian. Viele der Baumpflanzaktionen seien keine Erfolgsgeschichten. „Klar ist, dass angesichts der Ausmaße der Baumpflanzungen und der Notwendigkeit der Wiederaufforstung langfristig sichergestellt werden muss, was nach der Baumpflanzung geschieht.“

Abseits der IUFRO-Studie zu Baumpflanzungen durch Konzerne deckte eine Recherche der Wochenzeitung „Die Zeit“, des „Guardian“ und von „SourceMaterial“ kürzlich auf, dass rund 90 % der CO2-Zertifikate, die durch Unternehmen erworben werden, kein CO2 einsparen würden. CO2-Zertifikate seien ausgestellt worden, ohne dass der Schutz von Waldflächen im Gegenzug kontrolliert wurde. Die Recherchen beziehen sich allein auf den weltweit führenden Zertifizierer Verra, die durch den Marktführer ausgestellt wurden. Weltweite Ausmaße seien daher nicht bekannt, heißt es in der „Zeit“.

Auf dem Weg, den Ökologischen Fußabdruck von Unternehmen zu verbessern, ist damit nicht nur aus Sicht von Mansourian noch viel zu tun. Neben der Wiederbewaldung und dem Schutz dieser Flächen müssen auch bestehende Wälder besser geschützt werden, um das CO2-Vorkommen in der Atmosphäre langfristig zu reduzieren. Mit Material von IUFRO, Die Welt, Die Zeit

Mastschweine werden weniger

Laut Österreichischer Schweinebörse präsentierte sich der heimische Lebendmarkt
regional unterschiedlich. Während in der Steiermark schlachtreife Schweine schon
gesucht wurden, war man in Ober- und Niederösterreich noch dabei, mitgeschleppte Überhänge abzubauen. Das frische Angebot fiel erneut überschaubar aus. Namhafte
Schlacht- und Zerlegebetriebe beklagten ein äußerst schwaches Geschäft im Export
Richtung Asien. Neben dem von Corona gebeutelten China kauften auch Südkorea und
Japan nur zu nicht kostendeckenden Preisen. In den Schigebieten hoffte man auf eine
Belebung des Tourismus durch den Neuschnee.

Auf dem österreichischen Ferkelmarkt wurde die Differenz zwischen Nachfrage und An-
gebot noch größer. In Oberösterreich überstiegen die offenen Bestellungen bereits das
Angebotsvolumen einer ganzen Woche. Die Notierung steigt in der 4. Kalenderwoche um
5 Cent auf EUR 3,30 je kg.
Europaweit nahm die Ferkelknappheit aufgrund der steigenden Nachfrage ebenfalls zu.
Viele Notierungen wurden angehoben.

Der EU-Schweinemarkt zeigte weiterhin keine einheitliche Entwicklung. Bei den Notierun-
gen reichte die Bandbreite von rückläufig bis steigend. Insgesamt war das Lebendangebot
zumeist überschaubar, während die Fleischnachfrage in vielen Mitgliedsländern noch
immer schwächelte. In Frankreich und Spanien setzte sich der Aufwärtstrend fort. Einen
Anstieg gab es außerdem in den Niederlanden, wo der Abstand zur stabilen deutschen
Notierung durch die letzte Reduktion zu groß geworden war. Dänemark verzeichnete
einen weiteren Rückgang. Das auf Export ausgerichtete Land spürte den wirtschaftlichen
Abschwung in China besonders stark.
In Deutschland passen das geringe Angebot an schlachtreifen Schweinen und die ruhige
Nachfrage gut zusammen. Der Fleischhandel läuft nach ausgedehnten Werbeaktionen für
einige Teilstücke etwas besser, in Summe bleibt der Absatz aber überschaubar. Preis-
werte Konkurrenz auf dem Binnenmarkt erschweren Ausfuhren.

Nicht der richtige Weg – Eigentumssteuern gefährden Hofübernahme

Warum der von SPÖ und Teilen der Grünen vorgetragene Wunsch nach Eigentumssteuern nach Meinung des NÖ Bauernbundes eine große Gefahr für die Landwirtschaft darstellt, erklärt dessen Obmann Stephan Pernkopf so: „Die Investitionen in die Höfe sind eine Investition in die Versorgungssicherheit. Über Generationen sind hier Werte gewachsen, die den Ländlichen Raum prägen. Wir werden nicht zulassen, dass politische Mitbewerber diese Sicherheit durch kurzsichtige Steuermaximierung und Überbesteuerung der Bauern gefährdet. Denn die großen Vermögenswerte sind mit einem Mausklick aus Österreich weg. Übrig bleiben Grund und Boden, Haus und Hof, Stall und Acker, Traktor und Pflug.“

Unterstützung in dieser für die Zukunft der familiengeführten heimischen Landwirtschaft wichtigen Frage erhält er von der niederösterreichischen Bauernbundjugend, die geschlossen hinter der Absage von Pernkopf zur Einführung von Eigentumssteuern steht, heißt es in einer Aussendung des NÖ BB.

„Unsere Höfe sind das Zuhause für unsere bäuerlichen Familien, die von fleißigen Menschen aufgebaut wurden und sind heute das Rückgrat der Versorgungssicherheit für uns alle. Eigentumssteuern wird es mit dem Bauernbund nicht geben“, betonen Pernkopf und Harald Hochedlinger, Obmann der NÖ Bauernbundjugend.

Gerade die Hofübernahme sei ein sehr emotionales Thema in den bäuerlichen Familien. Die Übergaben seien mit Bürokratie verbunden und der Start in ein neues Kapitel am Hof. „Wir sind hier in Österreich am richtigen Weg mit der jüngsten Bauernschaft in Europa, neue Steuern und Belastungen würden diesen Erfolgsweg gefährden“, so Hochedlinger. Ein Blick auf die Zahlen gebe dem Jungbauern aus dem Bezirk Amstetten recht. Jeder fünfte landwirtschaftliche Betrieb werde in Österreich von einer Jungbäuerin oder einem Jungbauern unter 40 Jahren bewirtschaftet, europaweit liege dieser Anteil bei lediglich 10 % und damit bei der Hälfte.

Hochedlinger abschließend: „Wir Bauern übernehmen immer Verantwortung und das seit Generationen, ob am Hof oder in der Familie oder in der Gesellschaft. Dazu zählt auch das Miteinander im Sozialsystem und das Bezahlen von Steuern. Es kann und darf aber nicht so weit kommen, dass durch unrealistische Besteuerungswünsche die Existenz von landwirtschaftlichen Betrieben aufs Spiel gesetzt wird oder Jungbäuerinnen und -bauern in die Schuldenfalle getrieben werden, um den Hof zu übernehmen. Die Folge davon sind nur geschlossene Hoftore, leere Ställe und der Verlust der Versorgungssicherheit.“

Lidl und Kaufland geben Gas bei Tierhaltungskennzeichnung in Deutschland: Özdemir bekommt Unterstützung

Lidl und Kaufland springen Agrarminister Özdemir bei seinen Plänen für eine verpflichtende staatliche Tierhaltungskennzeichnung bei. Und sie drängen auf eine zeitnahe Ausweitung auf weitere Produkte.

Vergangene Woche musste Agrarminister Cem Özdemir zum Start der Grünen Woche in Berlin viel Kritik zu seiner Ausgestaltung des Umbaus der Tierhaltung mit dem Tierhaltungskennzeichen im Zentrum einstecken. Die Borchert- Kommission legte mit Verbesserungsvorschlägen

nach. Die Agrarverbände warnten vor dem Abwandern der Tierhaltung aus Deutschland, wenn die Pläne so umgesetzt würden.

Einige Tage später, zur Mitte der Grünen Woche in Berlin, bekommt der Agrarminister nun Unterstützung vom Handel. Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, teilt demonstrativ mit, dass sie Özdemirs Ziele teile.

„Eine umfassende verpflichtende staatliche Tierhaltungskennzeichnung stellt einen wesentlichen Baustein dar, um überall dort, wo Menschen tierische Lebensmittel kaufen oder konsumieren, die Tierhaltung hinter diesen Lebensmitteln sichtbar zu machen“, schreibt die Schwarz-Gruppe in einer Mitteilung. Nur durch den flächendeckenden Einsatz eines solchen Kennzeichens lasse sich der Bewusstseinswandel in der Bevölkerung hin zu einem verantwortungsvolleren Konsum voranbringen und das Tierwohl in der Breite verbessern, argumentiert das Handelsunternehmen weiter.

Das Unternehmen begrüße, dass Özdemir die Kennzeichnung schnellstmöglich überall dort verpflichtend einsetzen möchte, wo tierische Lebensmittel angeboten werden. Bisher ist die Tierhaltungskennzeichnung allerdings nur für verpacktes und frisches Schweinefleisch im Lebensmitteleinzelhandel (LEH), in Metzgereien, im Fachhandel sowie im online Handel vorgesehen. Lidl und Kaufland weisen darauf hin, dass sie die Ausweitung auf Restaurants, Schnellimbisse, Kantinen, Mensen, Kitas, Schulen, Stadien, Krankenhäuser und Hotels begrüßen würden.

„Des Weiteren ist es für Lidl und Kaufland essenziell, die geplante Tierhaltungskennzeichnung zeitnah auf verarbeitete Produkte und die gesamte Aufzuchtphase sowie im zweiten Schritt auf weitere Tierarten auszuweiten“, so die Unternehmen weiter.

Auch eine Verbindung der gesetzlichen Regelung mit einer verpflichtenden Herkunftsangabe sei wichtig, um die heimische Landwirtschaft zu stärken, die Leistungen der bäuerlichen Erzeuger auch in der Außer-Haus-Verpflegung klar erkennbar zu machen und diese angemessen zu honorieren. Darüber hinaus plädieren die beiden Handelssparten für weitere gesetzliche Anpassungen, etwa in Bezug auf baurechtliche Belange wie Stallumbauten.

Lidl und Kaufland versuchen seit Jahren sich beim Thema Tierwohl besonders hervorzutun. Die beiden Handelssparten der Schwarz Gruppe gehören unter anderem zu den Gründungsmitgliedern der Initiative Tierwohl (ITW). Im Jahr 2018 hat Lidl den Haltungskompass entwickelt, der zur Grundlage für die gegenwärtige Haltungsformkennzeichnung im gesamten Lebensmitteleinzelhandel geworden ist.

GPT: Eine Software, die die Welt verändert

GPT-3 ist eine jener Entwicklungen, die binnen weniger Monate an Einfluss und Reichweite zulegen. Die Software wird sich massiv auf Ökonomie und Gesellschaft auswirken.

GPT-3 ist die Abkürzung für Generative Pretrained Transformer, Version 3. Entwickelt wurde sie von dem Non-Profit-Unternehmen OpenAI Inc., das die gewinnorientierte Tochterfirma OpenAI LP kontrolliert. Geld- und Ideengeber für die Firma war zum einen Elon Musk, der sich 2018 wegen seines Interessenkonfliktes mit der Entwicklung einer KI bei Tesla aus der Leitung von OpenAI verabschiedete. Der andere Geldgeber, Microsoft, „spendete“ 2019 eine Milliarde US-Dollar für die Entwicklung und sicherte sich im September 2020 die alleinigen Rechte an GPT-3. Damit ist zumindest klar, wer langfristig profitiert.

Das Programm hat die besten Aussichten, ein Google- ähnliches Monopol aufzubauen. Dass das Programm erheblich zum Gemeinwohl beitragen könnte, ist zweifellos richtig. Doch das setzt voraus, dass die Tochter nicht das, was die Mutter großzügigerweise für den öffentlichen Sektor entwickelt hat, im nächsten Zug als Datenzuliefer- und Testmaschine für die „eigentlichen“ Anwendungen missbraucht.

Wichtig zu verstehen ist, dass das System weder jedes Mal denselben Essay schreibt noch über „Cut and Paste“ fertige „Satzbauteile“ neu zusammenstellt. Das Verfahren ist vollkommen anders.

Grob gesagt werden Wörter als Zahlenreihen dargestellt. Diese sogenannten Embeddings, etwa für das Wort „New“, hängen mit anderen Embeddings mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zusammen etwa mit „York“.

Der Trick ist also zu berechnen, welches nächste Wort folgt. Der Wahrscheinlichkeitsraum mit rund 175 Milliarden Parametern wird nun für jedes Wort reduziert und ein Satz im jeweiligen Kontext berechnet. Dies ist die Leistung eines neuronalen Netzes, das zwar (noch!) nicht an das Weltwissen des Internet „angeschlossen“ ist, aber über 45 Terabyte Daten verfügt. Das entspricht einem Textkorpus von etwa einer Billion Wörtern. An die Satzausgabe angeschlossen ist ein Übersetzungsmodul, das den Text in beliebigen Sprachen ausgibt.

Es ist daher dringendst notwendig, rechtliche Bestimmungen für die Verwendung künstlicher Daten, Texte und Programme zu entwickeln – und dafür, wann und wie GPT-3-ähnliche Systeme in Ausbildung, Studium und Wirtschaft eingesetzt werden dürfen. Was uns bevorsteht ist, ohne in den üblichen Science-Fiction-Modus zu verfallen, eine Neuordnung dessen, was Kreativität und Lernen überhaupt bedeutet: am Buchmarkt ebenso wie in der Wissenschaft, in Unternehmen und im Alltag.Ein Hauptproblem wird sein, die Unmenge neuer, künstlich geschaffener Daten kenntlich zu machen. Denn „herkömmliche“ KI-Systeme, die bereits weltweit Verwendung finden, werden mit Hilfe von Big Data aus dem Netz trainiert. Werden diese Systeme mit synthetischen Daten und unüberprüften GPT-3-Fakes angelernt, kann dies erheblichen Einfluss haben auf die Entscheidungsprozesse und den Output anderer KIs. von Gert Scobel

Auch in Bayern – Der Kostendruck bleibt hoch

Beim bayerischen Unternehmertag für Schweinehalter wagten Fachleute einen Blick in die Zukunft.

Die deutsche Schweinehaltung wird sich auch im neuen Jahr 2023 mit einem schwierigen Marktgefüge aus hohen Kosten und begrenzten Erlösmöglichkeiten auseinandersetzen müssen. Das ist eine der Kernbotschaften des gestrigen Unternehmertags für Schweinehalter, den das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im mittelfränkischen Ansbach organisiert hat. So erklärte Dr. Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, dass die Schweinehalter allein aufgrund der höheren Strom- und Gaspreise aktuell mit Mehrkosten von 5 bis 6 € je Ferkel sowie rund 3 € je Mastschwein rechnen müssen. Hinzu kommen die deutlichen Mehraufwendungen für das Futter, die sich nach Einschätzung des Marktexperten unter anderem aufgrund des schwierigen Getreidebezugs aus der Ukraine auch in diesem Jahr fortsetzen könnten.

Willy Fließer vom AELF in Ansbach ergänzte die Einschätzungen durch Daten aus der Betriebszweigauswertung. Der Berater machte deutlich, dass insbesondere die bayerischen Ferkelerzeuger mit einer Direktkostenfreien Leistung von rund 200 € im Wirtschaftsjahr 2021/2022 hohe wirtschaftliche Verluste eingefahren haben. Die bayerischen Mäster gerieten mit einer DkfL von durchschnittlich 18 € pro verkauftem Schwein weniger stark in die Roten Zahlen. Wobei Berater Fließer unter den aktuellen Kostenbedingungen eine DkfL von 25 bis 30 € je Mastschwein für notwendig hält. Der Berater sprach eine klare Mahnung in Richtung des deutschen Lebensmittelhandels und der Politik aus, den Bogen hinsichtlich des Preisdrucks und der Auflagen für die Schweinehalter nicht zu überspannen.
Dr. Reinhard Puntigam von der LfL in Grub berichtete über aktuelle Trends in der Fütterung. Der Fachmann fokussierte unter anderem auf den zunehmenden Trend zum Verzicht beziehungsweise verminderten Einsatz von Sojaschrot. Denn der Eiweißträger steht insbesondere aufgrund seiner klimaschädlichen Wirkung, der Regenwaldabholzung und aktuell auch aufgrund seines hohen Preises in der Kritik. Dr. Puntigam zeigte anhand verschiedener Fütterungsversuche, dass eine deutliche Verminderung die Sojamengen und in der Mittel- und Endmast sogar ein völliger Verzicht auf den Import- Eiweißträger möglich sind.

Düngerpreise fallen weltweit – und es wird nicht viel gekauft

Die Düngemittelpreise beschleunigten ihren Rückgang in dieser Woche mit weiteren Preisrücknahmen im gesamten Stickstoffkomplex. „Das Kaufinteresse an Harnstoff und Ammoniak war dennoch begrenzt und die Preise brachen weiter ein“, sagen die Analysten von CRU in ihrem Wochenüberblick. Ein Grund sind die abstürzenden Erdgaspreise in Europa, die die Produktionskosten für die großen Düngerhersteller nochmals deutlich verringerten.

Gleichzeitig gingen auch die Phosphatpreise in Nordafrika zurück, während die DAP-Preise in Amerika und Europa leicht anstiegen. Berichte, dass Indien über eine Kürzung seiner DAP-Subvention nachdenkt, verzögerten auch andere Preisverhandlungen über Lieferungen im ersten Quartal, berichteten die CRU-Analyten weiter. Die Kalipreise brachen diese Woche in den USA ein, als kanadische Produzenten deutlich günstigere Angebote für den Mittleren Westen abgaben. In Europa blieben die Kalipreise hingegen Mitte Januar nahezu unverändert (hoch).

Der North American Fertilizer Index von Bloombergs Green Markets, fiel in der vorigen Woche auf 673 USD pro Short Tonne. Das ist der niedrigste Stand seit Juni 2021. Der Preisrückgang könnte uns Landwirten etwas Erleichterung bringen, denn wir sind mit steigenden Kosten für alles konfrontiert, was man zum Anbau von Getreide benötigt, angefangen bei Chemikalien und Kraftstoff bis hin zu Technik und Arbeitskräften.

Ein Rückgang der Düngerkosten könnte die Landwirte dazu ermutigen, wieder mehr Dünger auszubringen, und die Produktion anzukurbeln und letztendlich dazu beizutragen, die Lebensmittelkosten für Verbraucher zu senken, die ebenfalls von einer historischen Inflation betroffen sind“, sagte Alexis Maxwell, Analyst bei Bloomberg Intelligence. Der Düngemittelabsatz ist derzeit weltweit rückläufig, da die Landwirte nicht kaufen und der Preis für Erdgas, den Haupteinsatzstoff für die meisten Stickstoffdünger, rapide sinkt, sagte Maxwell.

„Wir erwarten im ersten Halbjahr niedrigere Preise für Düngemittel, aber am US-Markt könnten die regionalen Preise im ersten Quartal erneut steigen, da die Landwirte aus logistischen Gründen um die verfügbaren Mengen kämpfen müssen“, stellte Maxwell fest.

Wenn Landwirte an Verbrauchern verzweifeln: Neues Buch von Bauer Willi

Anfang der Woche ist das zweite Buch von Landwirt und Agrarblogger Willi Kremer-Schillings erschienen. Es beschreibt, wie weit sich der Verbraucher mittlerweile von der landwirtschaftlichen Produktion entfernt hat – und hilft Landwirten, sie wieder auf den Boden zurückzuholen.

Obwohl Verbraucher im Supermarkt vor vollen Regalen stehen, sich in der großen Vielfalt von Produkten oft für das günstigste Angebot entscheiden und dessen Herkunft wenig hinterfragen, wächst ihre Kritik an der Landwirtschaft. Was für das für die Wertschätzung der Arbeit auf dem Hof und für das gesellschaftliche Miteinander bedeutet, wissen Sie selbst am besten.

Viele Landwirte haben es aufgegeben, sich der lauten, groben, unfundierten Aufregung auszusetzen. Nicht so Bauer Willi. Deutschlands wohl bekanntester Agrarblogger startet mit seinem Buch

„Satt und unzufrieden – Bauer Willi und das Dilemma der Essensmacher“ einen neuen Versuch, die Diskussion mit Verbrauchern auf einer argumentativen Ebene zu führen.

Rat im Umgang mit Gegnern der Landwirtschaft finden Leser sowohl für persönliche Gespräche mit ihnen als auch für die digitale Welt. Den Einfluss von sozialen Medien, aber auch von den etablierten Medien sowie Politik und Verbänden beleuchtet Bauer Willi aus der Sicht des Landwirts genau. Er geht auf das große Ganze ein – Überbevölkerung, Klimawandel, Exporte nach Afrika, Fleischkonsum –, nutzt dabei viele Zahlen und Quellen. Auch Verfasser von Zuschriften, die Bauer Willi als Blogger erhalten hat, kommen umfangreich zu Wort.

Widersprüche und Zielkonflikte für die Landwirtschaft stehen im Mittelpunkt des Buchs. Wo sich für Verbraucher eine neue Perspektive beispielsweise auf den Einsatz von Glyphosat, Gentechnik oder auf die Düngung ergibt, findet der Landwirt eine Argumentationshilfe. Bei der Komplexität der Themen kommt Kremer-Schillings um ein paar Wiederholungen nicht herum. Bauer Willis Selbstkritik macht sein Werk authentisch. „Dieses Buch beschreibt meine Gedanken und Gefühle, die mich in stillen Stunden bewegen“, ist damit ein Anspruch, den er durchaus erfüllt.

Borchert-Kommission mit Hirn- erneuert Kritik an Özdemir-Plänen zur Tierhaltung in Deutschland

*Update vom 19.1.2023* Die Borchert-Kommission hat sich am 18. Januar kritisch zu den bisherigen Plänen für den Umbau der Nutztierhaltung in Deutschland geäußert.. Darin enthalten waren Passagen, wonach die heimische Tierhaltung aus Klimaschutzgründen reduziert werden sollte. Diese sind im finalen Beschluss nicht mehr enthalten.

Die sogenannte Borchert-Kommission, das Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung, hat am 18. Januar, im unmittelbaren Vorfeld der Internationalen Grünen Woche in Berlin, eine Stellungnahme zur Zukunft landwirtschaftlicher Tierhaltung vorgelegt. Der Redaktion liegt sowohl die finale Fassung als auch ein vorhergehender Entwurf des Dokuments vor. Dieser äußert sich zu den verschiedenen Vorhaben der Bundesregierung im Bereich Nutztierhaltung und bewertet diese zumeist kritisch: Landwirtschaftliche Betriebe hätten derzeit keine Orientierung, wohin sich die Nutztierhaltung entwickeln solle.

Im aktuellen Beschluss warnt die Borchert-Kommission vor einer Verlagerung der Nutztierhaltung ins Ausland. Dies würde einen Anstieg der Lebensmittelimporte bedeuten, der weder den tierschutz- noch den klimapolitischen Zielen dienen werde.

Die Stellungnahme der Borchert-Kommission äußert sich zu den bislang vorgelegten Gesetzentwürfen und Plänen der Bundesregierung zum Umbau der Nutztierhaltung. Diese seien „nicht in der Lage, den Umbau des gesamten Nutztiersektors zu bewerkstelligen“.

Das Borchert-Papier nennt die im Bundesprogramm zur Föderung des Umbaues der Tierhaltung vorgesehene Tierwowohl-Prämie „unzureichend“. Folgende Vorschläge zur Deckung der Mehrkosten der Nutztierhalter stehen im Dokument:

  • Landwirten sollten Verträge über 20 Jahre erhalten, um Abschreibungen für Stallbauten voll berücksichtigen zu können.
  • 80-90 Prozent der Mehrkosten sollten gefördert werden. Bei einer Veränderung der Rahmenbedingungen sollten Förderbeträge erhöht oder gesenkt werden können.
  • Falls Größenbegrenzungen für Ställe eingeführt werden, sollte dennoch ein Großteil der Schweinehalter am Programm teilnehmen können. Die Alternative zur strikten Begrenzung der Größe sei degressive Förderung.
  • Hohe Anforderungen bei intakten Ringelschwänzen sollten schrittweise umgesetzt werden.
  • Die Investitionsförderung solle nicht über das Bundesprogramm, sondern wie bisher über Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz und Gemeinsame Agrarpolitik erfolgen. Im Bundesprogramm werde die Finanzierungsmöglichkeit für die Tierwohlprämie deutlich begrenzt. Das Kompetenznetzwerk begrüßt allerdings den Einstieg in vertraglich abgesicherte, laufende Zahlungen, in die mit dem Bundesprogramm ein Einstieg gefunden sei.

Der Beschluss der Borchert-Kommission steht auch „in der neuen geopolitischen Lage des Jahres 2023“, also höherer Inflation bei Lebensmiteln, weiter zu seinen Empfehlungen aus dem Jahr 2020. Allerdings sollte die Bevölkerung in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht zusätzlich belastet werden. Die für den Umbau der Nutztierhaltung bislang zugesagten Gelder würden bis zum Ende der Legislaturperiode reichen. Allerdings brauche es weiterhin den „Einstieg in eine überzeugende Transformationsstrategie“. Komme diese nicht, werde die heimische Nutztierhaltung zunehmend ins Ausland verlagert.

Rund 90.000 Anträge für das neue ÖPUL-Programm eingelangt

4.000 zusätzliche Anträge gibt es beim Österreichischen Agrarumweltprogramm (ÖPUL) 2023. Vorläufig sind rund 90.000 Anträge für die kommende Förderperiode eingelangt.

Bis 31. Dezember 2022 mussten sich die Betriebe für das neue ÖPUL-Programm anmelden. Bei der Wintertagung präsentierte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, die ersten Zahlen. Nach derzeitigem Stand sind 90.000 Anträge zu verzeichnen, das sind 4.000 mehr als in der vergangenen Periode. „Die Teilnahmezahlen zum neuen Agrarumweltprogramm zeigen, dass wir mit der neuen Gemeinsamen Agrarpolitik am richtigen Weg sind. Wir verzeichnen bereits mehr als 90.000 Anträge. Unsere Bäuerinnen und Bauern nützen also die Angebote in Richtung Klima, Artenvielfalt und Tierwohl gut. Damit setzen wir den Weg unserer Qualitätsstrategie fort und sichern die Lebensmittelversorgung weiter ab. Die Teilnahme der Bäuerinnen und Bauern am Agrarumweltprogramm 2023 ist ein voller Erfolg“, ist Totschnig überzeugt.

Schon bisher nahmen mehr als 80% der österreichischen Betriebe am ÖPUL-Programm teil. Wie sich die Flächen entwickelt haben, steht noch nicht fest. Grundsätzlich konnten für die neue Förderperiode auch erstmals Betriebe mit 1,5 ha Ackerfläche einen ÖPUL-Antrag stellen, zuvor waren 2 ha Acker oder Grünland nötig. Bis 2027 stehen pro Jahr 1,8 Mrd. Euro für die heimische Land- und Forstwirtschaft wie auch zur Weiterentwicklung des ländlichen Raums zur Verfügung. Davon werden 574 Mio. Euro pro Jahr in das Agrarumweltprogramm investiert. Trotz teilweise höherer Anforderungen sei das Programm sehr gut angenommen worden.

Klärungsbedarf bei einzelnen Maßnahmen

„Die Steigerung zeigt, dass es in intensiven Verhandlungen trotz höherer Anforderungen gelungen ist, für die überwiegende Mehrheit der Betriebe praktikable Teilnahmebedingungen zu erwirken“, erklärt Josef Moosbrugger Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ). So verzichten die Betriebe in verschiedenen Maßnahmen etwa auf bestimmte Betriebsmittel, setzen gezielte biodiversitätsfördernde Maßnahmen oder sorgen für noch mehr Tierwohl. Das bewirkt eine Verringerung der Erträge bzw. Erlöse, was einen Ausgleich in Form von Anreizen erfordert. „Bei einzelnen Maßnahmen gibt es noch Herausforderungen bzw. Klärungsbedarf. Gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium streben wir rechtssichere Festlegungen mit der EU-Kommission an“, sagt der LKÖ-Präsident.

Im Biobereich sind die Teilnehmer bei der Maßnahme Biologische Wirtschaftsweise von 22.480 Anträgen im Jahr 2022 auf 22.800 Betriebe gestiegen. „In der Bio Landwirtschaft wollen wir die Flächen bis 2027 auf 30% (derzeit 26,4%) steigern. Wichtig ist uns, dass es marktkonform passiert bis 2030 sollen 35% der Fläche bio bewirtschaftet werden“, sagt Totschnig bei der Wintertagung.

Vorläufige Details zum neuen ÖPUL-Programm

  • Umweltgerechte und biodiversitätsfördernde Bewirtschaftung (UBB) angestiegen: über 48.000 UBB-Betriebe (2022: 46.000)
  • Der Bio-Anteil hat auf rund 22.800 Betriebe zugenommen (2022: 22.480)
  • Naturschutz: 21.655 Naturschutz-Betriebe (2022: 17.430)
  • Begrünung: 14.556 Immergrün (2022: 12.393), 24.392 Zwischenfrucht (2022: 22.550)
  • Erosionsschutz Acker: 15.868 (2022: 11.370)
  • Bodennahe Gülleausbringung: 9.956 Betriebe (2022: ca. 7.000)
  • Heuwirtschaft: rund 13.400 (2022: ca. 10.000)
  • Weidehaltung: 31.500 Anträge Weide weibliche Rinder (2022: ca. 28.500); neu rund 7.500 Anträge Equiden und 460 Kleinkamele. Zuwächse bei Schafen (7.700 zu 4.500) und Ziegen (4.000 zu 1.800)
  • Tierwohl Stallhaltung: z.B.: 6.500 Anträge bei männlichen Rindern (2022: 2.000) und bei Schweinen?

Auch in Spanien: Landwirte erhalten Zuschuss zum Kauf von Dünger und Diesel

Die Regierung stellt 300 Mio. Euro für Dünger bereit. 20 Cent Tankrabatt für Agrardiesel werden weiter gewährt.

Zur Abfederung der drastisch gestiegenen Produktionskosten in der Landwirtschaft stellt die spanische Regierung weitere Hilfen bereit. Wie das Agrarministerium in Madrid mitteilte, wird der Kauf von Düngemitteln mit Direktbeihilfen in Höhe von 300 Mio Euro unterstützt.

Der Zuschuss wird pro Betrieb bis zu einer Höchstfläche von 300 ha gewährt. Er beträgt pro Hektar 22 Euro für unbewässerte Flächen und 55 Euro für bewässerte. Die Hilfen seien nötig, weil sich Düngemittel infolge des Ukraine-Krieges in den zwölf Monaten bis September 2022 um 80 % verteuert hätten, erläuterte das Ministerium. Dadurch sei die Rentabilität der Höfe gefährdet.

Daneben kündigte das spanische Landwirtschaftsministerium eine Verlängerung des Tankrabatts von 20 Cent pro Liter Diesel an. Dieser pauschale Bonus war im vorigen April für sämtliche Käufer von Benzin und Diesel in Spanien eingeführt worden. In der Landwirtschaft wurde er ergänzend zur Energiesteuervergünstigung beim Agrardiesel gewährt.

Für die meisten Nutzer lief dieser Bonus zum Jahresende aus. In einigen Branchen, darunter die Landwirtschaft, wird er laut der Mitteilung des Ministeriums aber im laufenden Jahr fortgesetzt. Gewährt werden soll der Rabatt auf Basis des Verbrauchs, der auf dem jeweiligen Hof ausschließlich für die Landwirtschaft verwendet wurde.

Der Bauernverband Asaja begrüßte die Hilfen. Allerdings reichten diese nicht aus, um sämtliche Einbußen der Betriebe infolge des Ukraine-Krieges auszugleichen. Laut einer aktuellen Schätzung des Madrider Agrarresorts fielen die landwirtschaftlichen Produktionskosten zum Jahresende 2022 in Spanien um durchschnittlich 29 % höher aus als ein Jahr zuvor. Düngemittel verteuerten sich dabei am stärksten.

Die Kostenexplosion hat dazu geführt, dass das Agrareinkommen 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 8,7 % gesunken ist, obwohl der Produktionswert mit insgesamt 63,77 Mrd Euro einen neuen Rekordwert erreichte.

Die Regierung hatte bereits im vorigen Jahr Hilfspakete zum Ausgleich krisenbedingter Verluste in der Landwirtschaft geschnürt. Konkret wurden unter anderem Sozialversicherungsbeiträge gestundet, die Einkommensteuer gesenkt Höchstpreise für entsalztes Meerwasser festgelegt. von AgE

Sau- Tone

Mit der Ausbreitung der Verehrung Antonius’ von Padua ausserhalb der Region Norditalien aber hat es sich zugetragen, dass man diesen späteren Antonius ebenfalls zum Patron der Schweinehirten erkor. Durch die Verdrängung der Verehrung Antonius’ des Eremiten ist es zu dieser Übertragung der «Zuständigkeit» gekommen. Darum: Sollten Sie ein Schweinehirt sein und wollen für Ihre Tiere beten, so besuchen Sie nicht eine Kirche, die Antonius von Padua geweiht ist, sondern gehen Sie besser nach Unterägeri zur Kapelle in Zittenbuech, wo der wahre Schweine-Toni sitzt. Eindeutig erkennbar am Schweinchen, das unter seinem Mantel steckt. (Andreas Faessler)Antonius von Padua (†1231) ist einer der meistverehrten Heiligen im katholischen Abendland und wird unter anderem dann angerufen, wenn ein Gegenstand verloren gegangen ist. Jede gefühlte zweite Kirche oder Kapelle beherbergt mindestens eine Darstellung des Patrons oder verfügt wenigstens über eine so genannte «Antoniuskasse». Seine Verehrung verbreitete sich nördlich der Alpen vor allem im 16. Jahrhundert rasant. Dadurch verdrängte der grosse Kirchenlehrer allerdings einen anderen Antonius von der Verehrungsbühne. Zuvor nämlich kannte man in unseren Breitengraden hauptsächlich St. Antonius den Eremiten.

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Österreichsstudie widerlegt massives Insektensterben

Erste österreichweite Studie bringt überraschende Ergebnisse zu Tage. Der Einfluss von Pflanzenschutzmitteln ist möglicherweise überbewertet.

Wien Die Geschichte vom massiven Insektensterben, an dem vor allem konventionelle Landwirte durch ihre Bewirtschaftungsweise und durch Einsatz von Pflanzenschutzmitteln schuld sein sollen, muss wohl umgeschrieben werden. Diese Vermutung lässt eine jetzt veröffentlichte Studie zumindest für Österreich zu. Sogar die beauftragten Experten waren von ihren Ergebnissen überrascht.

Die wesentlichen Ergebnisse der österreichischen Studie sind: Die Artenvielfalt in der heimischen Insektenwelt blieb in den vergangenen 30 Jahren in Summe stabil, die Dichte der Insekten zeigte geringfügige Veränderungen, aber die Artenzusammensetzung änderte sich deutlich.

Vor allem die Klimaerwärmung führte zu einer neuen Artenzusammensetzung. Im Durchschnitt war nach 30 Jahren etwa ein Viertel der ursprünglich vorhandenen Arten nicht mehr nachweisbar. Diese wurden durch neue Arten wie die Lauchschrecke ersetzt. Abgenommen haben spezialisierte Arten von nährstoffarmen Standorten sowie an kältere Bedingungen angepasste Insekten. Dagegen haben die Insektenforscher vor allem mehr wärmeliebende Arten mit vergleichsweisen geringen Ansprüchen an ihre Lebensräume gezählt.

Über 20 Insektenkundlerinnen und -kundler haben Daten von 4285 Insektenarten an 309 Testflächen in ganz Österreich erhoben. So wurden Veränderungen von Insektenpopulationen in den letzten 30 Jahren analysiert – etwa von Heuschrecken, Fangschrecken, Hummeln Wanzen oder Zikaden. Laut Agrarminister Norbert Totschnig ist dies die umfangreichste Erhebung zur Entwicklung der Insektenpopulation, die es in Österreich je gegeben hat.

Bei der Zahl der auf den Flächen gefundenen Individuen zeigen sich laut Insektenforscher Thomas Zuma-Kratky bei den meisten untersuchten Insektengruppen in Summe keine signifikanten Zu- oder Abnahmen. Bei den Heuschrecken und Fangschrecken gab es österreichweit einen Rückgang der Populationsdichten mit deutlichen regionalen Unterschieden. So nahmen die Populationen in den Hochalpen zu. Auch in den Ackerbaugebieten der Tieflagen haben die Wissenschaftler ebenfalls mehr Tagfalter gefunden. „Die Ergebnisse waren vielfach auch für uns überraschend und helfen dabei, die Veränderungen in der Insektenwelt zu verstehen und gezielte effiziente Maßnahmen zu deren Unterstützung zu ergreifen,“ so Zuma-Kratky.

Grundsätzlich sah sich Totschnig mit der Studie in seiner Landwirtschaftspolitik bestärkt. Die Studie zeige, dass der Klimawandel Auswirkungen auf alle Lebensbereiche habe – auch auf die Insektenwelt. „Entscheidend für den Insektenbestand in Österreich ist, dass wir die Biodiversität, Hecken und Flure wie auch Wasserzugänge weiter erhalten – das geht nur mit unseren Bäuerinnen und Bauern“, so der ÖVP-Minister. Genau diese Maßnahmen werten die Insektenforscher in ihrer Studie als wesentlich, um die Artenvielfalt auf den Agrarflächen zu steigern, oder zumindest zu erhalten. Extensive Bewirtschaftung von Flächen ist laut Zuma-Kratky in der Regel besser als eine Stilllegung oder Intensivierung. „Ungepflegte Naturschutzflächen bieten Insekten zudem oft weniger Lebensräume als extensive bewirtschaftete Flächen“, fasste der Forscher zusammen.

Das Landwirtschaftsministerium arbeitet zudem am Forschungsprojekt „Insektenschonendes Mähen“. Dabei wird untersucht, wie sich unterschiedliche Mähtechniken auf die Insekten auswirken. Ziel ist es, den Umstieg auf insektenschonende Technik zu forcieren. Gleichzeitig ist sich Totschnig sicher, dass die Biodiversitätsflächen mit der neuen Agrarreform von derzeit 150.000 ha auf gut 230.000 ha ansteigen werden.

Fachtagung Schweinehaltung – wohin?

Mittwoch 25. Jänner 2023

HLBLA St. Florian
Fernbach 37, 4490 St. Florian 

Die Schweinehaltung befindet sich in einer Phase der Veränderung, die durch politische Vorgaben, gesellschaftliche Ansprüche und Preisdruck auf den Märkten hervorgerufen wird. Die explodierenden Kosten für Futter und andere Betriebsmittel führen zudem dazu, dass die Schweinebestände in der EU und auch in Österreich sinken. Die Nachfrage der Österreicherinnen und Österreicher nach Schweinefleisch ist dennoch hoch. Was die Zukunft für die Schweinebranche insbesondere beim Thema Tierwohl bringt, welche Auswirkungen die Tierschutzreform in Österreich auf die Landwirtschaft, auf den Fleischmarkt und auf die Konsumentinnen und Konsumenten hat und welche innovativen Lösungen für den Umbau bestehender Aufzucht- und Mastställe bereits bestehen, diskutieren namhafte Vertreter und Vertreterinnen aus Politik, Praxis und Wirtschaft gemeinsam mit dem Publikum zu Beginn des Fachtages Schweinehaltung.

Durch Nutzung von Nebenprodukten – z. B. aus der verarbeitenden Industrie – als Futtermittel können Nährstoffkreisläufe in der Schweinehaltung geschlossen werden. Welche für die Schweinefütterung nutzbaren Nebenprodukte überhaupt anfallen, wie diese in der Praxis eingesetzt werden können, was hinsichtlich Inhaltsstoffen zu beachten ist und letztlich auch, welche Bedeutung die Integration von Nebenprodukten in der Schweinefütterung für Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Risikovorsorge hat, sind weitere Aspekte, welche von Expertinnen und Experten der Branche thematisiert werden.

Block I: Tierschutz-Reform in Österreich  –  Was kommt auf die Schweinebranche zu?

  • 09:00 Gedankenaustausch bei Kaffee & Tee
  • 09:30 Begrüßung
    Hubert Fachberger | Direktor der HLBLA St. Florian
  • 09:35 Eröffnungsworte  
    Stephan Pernkopf | Präsident des Ökosozialen Forums Österreich & Europa
  • 09:38 Das neue Tierschutzgesetz – was bedeutet dies für unsere Versorgung mit
    österreichischem Schweinefleisch?  
    Florian Fellinger | Leitung Verbrauchergesundheit und Veterinärwesen, Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, Wien

Auswirkungen der Tierschutz-Reform auf… 

  • 09:58 …die Landwirtschaft   
    Johann Stinglmayr | Geschäftsführer der Ferkelringe im Verband landwirtschaftlicher Veredelungsproduzenten – VLV, Wels
  • 10:13 …den Fleischmarkt  
    Norbert Marcher | Geschäftsführer der Marcher Fleischwerke, Villach
  • 10:28 …die KonsumentInnen  
    Christina Mutenthaler | Leiterin AMA Marketing GmbH, Wien (ab 2023)
  • 10:43 Ställe der Zukunft – Innovationen für den Umbau bestehender Aufzucht- und
    Mastställe   
    Michael Klaffenböck | Geschäftsführer des Verbandes Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Wien
  • 10:58 Podiums- und Publikumsdiskussion: Schweinehaltung in den nächsten 20 Jahren
    – was bringt die Zukunft für die österreichische Schweinebranche?
    Florian Fellinger | Johann Stinglmayr | Norbert Marcher 
    Christina Mutenthaler | Michael Klaffenböck
  • 11:35 Kaffeepause

Weil eine nachhaltige Nutztierhaltung nur mit gesunden Tieren und Menschen gelingen kann, wird auch das Thema Gesundheit genauestens ins Visier genommen. Welche neuen Möglichkeiten ergeben sich durch Branchen-Tiergesundheitsdienste und zentrale Datenbanken? Was hilft nach dem Zinkverbot gegen Coli-Erkrankungen und weitere Krankheitsbilder? Wie können von Burnout betroffene Landwirte und Landwirtinnen unterstützt werden? Die Antworten auf diese Fragen möchten wir mit Ihnen gemeinsam am Fachtag Schweinehaltung finden.

Block II: Nährstoffkreisläufe in der Schweinehaltung schließen und  Nebenprodukte nutzen

  • 11:55 Schweinefütterung nachhaltig gedacht!?
    Karl Schedle | Institut für Tierernährung, Tierische Lebensmittel und Ernährungsphysiologie, Universität für Bodenkultur Wien
  • 12:10 Nebenprodukte in der Schweinefütterung – was ist zu beachten?
    Hannes Priller | Berater Schweinefütterung, Landwirtschaftskammer Oberösterreich, Linz
  • 12:25 Perspektiven für tierische Proteine in der Schweinefütterung
    Walter Emathinger | Leitung Produktentwicklung bei Fixkraft Futtermittel, Enns
  • 12:40 Kreisläufe schließen: Füttern wir unsere Schweine bald mit Insekten?
    Simon Weinberger | Geschäftsführer Ecofly GmbH, Antiesenhofen
  • 12:55 Fragerunde
  • 13:15 Mittagspause

Block III: Gesundheit für Tier und Mensch 

  • 14:15 Neue Möglichkeiten durch Branchen-Tiergesundheitsdienste und zentrale Datenbank
    Gottfried Schoder | Geschäftsführer Oberösterreichischer Tiergesundheitsdienst (TGD), Linz
  • 14:35 Zinkverbot: Was jetzt gegen Coli-Erkrankungen und Co. hilft
    Rene Renzhammer | Mitarbeiter der Universitätsklinik für Schweine, Veterinärmedizinische Universität Wien
  • 14:55 Burnout auf dem Bauernhof – was kann getan werden?
    Susanne Fischer | Lebens- und Sozialberaterin, Bergham
  • 15:15 Fragerunde
  • 15:35 Ende

Wenig Bewegung bei Terminbörsen in Österreich

Die internationalen Terminbörsen haben ihre vor Weihnachten erzielten Gewinne bei Getreide wieder abgegeben. In Österreich sprechen Verarbeiter davon, gut versorgt zu sein

Die Ängste vor Auswinterungsschäden in den USA waren bald wieder von großen Mengen Weizen überschattet, die vom Schwarzen Meer zu niedrigen Preisen auf den Markt drängen. Die wegen des Ausstiegs zahlreicher Assekuranzen aus der Versicherung russischer Exportlieferungen über das Schwarze Meer erwarteten Verteuerungen schlugen offensichtlich bislang noch nicht durch. Damit gaben die internationalen Terminbörsen ihre vor Weihnachten erzielten Gewinne wieder ab. In Österreich sprechen Verarbeiter davon, gut versorgt zu sein beziehungsweise ihre Kapazitäten heruntergefahren zu haben. Zusammen mit der internationalen Preisentwicklung ergibt dies einen Mix an Einflussfaktoren, der am österreichischen Kassamarkt weiterhin die Abschlusstätigkeit lähmt.

So notierte die Wiener Produktenbörse bei ihrer ersten Zusammenkunft seit der Weihnachtspause am Mittwoch dieser Woche an Inlandsgetreide und Mais lediglich Qualitätsweizen mit durchschnittlich 360 Euro/t unverändert zum 21. Dezember. Damit weise heimischer Weizen, so Beobachter, eine immer auffälligere und größere Differenz zu aktuell am Freitag bei gut 290 Euro/t liegenden Euronext-Notierungen auf. Auch wechselkursbedingte Preisvorteile für Dark Northern Spring gegenüber Premiumweizen an italienischen Hafenstandorten erschwerten dem Vernehmen nach Geschäfte mit dem südlichen Nachbarn. Da aber von inländischen Mühlen aktuell auch kein Interesse am sonst gesuchten Qualitätsweizen zeige, sollten jüngst Probelieferungen dieser Qualitätsstufe nach Italien angeleiert worden sein.

Offensichtlich aus der Ukraine und anderen Herkünften getätigte Käufe sowie billigere Drittlandsangebote am italienischen Markt trugen neben einem Herabfahren der Verarbeitungstätigkeit inländischer Beteiligter auch am Maismarkt zu einem Stillstand bei. So heißt es, China trete nach den Öffnungsschritten als harter Konkurrent am Markt für Zitronensäure auf. Überhaupt nichts zu erfahren, war von den Märkten von Ölsaaten und ihrer Verarbeitungsprodukte. von Torsten Altmann

Wie viel Getreide erntet die Ukraine 2023? – Wie lang noch Krieg -Fakten und Spekulationen

Alex Lissitsa, CEO des Landwirtschaftsunternehmens IMC sagte, dass der Mangel an Geldern für die Aussaat ein großes Problem für die Landwirte bleibe, in einer Situation, in der die lokalen Getreidepreise fielen, während die Kosten für Betriebsmittel stark stiegen. „Ich denke, dass wir 2023 einen enormen Produktivitäts- und Ertragsrückgang haben werden, und am Ende des Jahres werden wir ziemlich geschlagen daraus hervorgehen: nicht tot, aber schwer geschlagen“.

Trotz des Krieges hat die Ukraine 2022 deutlich mehr Getreide geerntet als erwartet. Doch 2023 wird alles noch schwieriger. Die ukrainischen Getreidepreise sind niedrig und die Betriebsmittel knapp und teuer. Die Ernte bei Weizen und bei Mais wird deutlich schrumpfen.

Besatzung, Kiegshandlungen, zerstörte Bauernhöfe, verminte Felder und Probleme mit der Logistik beeinträchtigen die Möglichkeiten der Landwirte, die Aussaat ordnungsgemäß durchzuführen. Der Mangel an finanziellen Mitteln hat außerdem auch den Einsatz moderner Technologien und von Düngemittel verringert. Dies wird die Ernte von 2023

beeinträchtigen, obwohl bereits die vorherige Ernte (2022) einen Rückgang der Produktion, traditioneller Getreidearten um fast 50 % zeigte“, sagt Marchuk.

Gleichzeitig betonte er, dass die Reduzierung der Anbauflächen in keiner Weise die Ernährungssicherheit der Ukraine gefährdet, da die Landwirte trotzdem mehr ernten, als der heimische Markt verbrauchen könne.

Mit ähnlichen Probleme sind die ukrainischen Landwirte bei der Aussaat von Sommerkulturen wie Mais und Sonnenblumen im Jahr 2023 konfrontiert, sagte der stellvertretende Minister für Agrarpolitik und Ernährung der Ukraine, Denys Bashlyk. „Zum einen fehlt es den Landwirten an Geld. Zweitens haben sie nicht genug Saatgut und Drittens gibt es Probleme mit der Elektrizität und mit den meisten Betriebsmitteln.

Das Landwirtschaftsministerium hat noch keine offizielle Prognose für die Weizenernte im Jahr 2023 abgegeben, wobei Landwirtschaftsminister Mykola Solsky gegenüber Reuters sagte, dass die Fläche aufgrund der russischen Invasion auf 3,8 Millionen Hektar sinken könnte. Analysten befürchten jedoch, dass die Anbaufläche noch deutlich kleiner sein könnte. Die Ukraine hatte für die Ernte 2022 ursprünglich mehr als 6 Millionen Hektar Winterweizen gesät, aber seit der Invasion im Februar ist ein großes Gebiet von russischen Streitkräften besetzt und konnte nicht abgeerntet werden.

Trotz der vielen Probleme, hat die Ukraine 2022 mit rund 21 Millionen Tonnen etwa 2 Millionen Tonnen mehr Weizen geerntet, als zunächst erwartet wurde, jedoch deutlich weniger als die Rekordernte von 33 Millionen Tonnen aus dem Jahr 2021. Das USDA geht zudem für 2022/23 von Weizenexporten von insgesamt 13 Millionen Tonnen aus – im Vergleich zu den 18,8 Millionen Tonnen in der vorigen Saison 2021/22.

EU-Erzeugung soll Negativtrend fortsetzen

Französische Analysten sehen aber eine Verlangsamung des Produktionsrückganges.

Nach jahrelangem Wachstum muss der spanische Schweinesektor im neuen Jahr mit einem Rückgang der Erzeugung rechnen. Das zumindest prognostiziert das französische Fachinstitut für Schweinehaltung (ifip). Den dortigen Marktanalysten zufolge wird das erste Halbjahr 2023 gegenüber der Vorjahresperiode ein Minus von 3 % ausweisen. Als Grund führt das Institut die stark gestiegenen Futterkosten und die schwierige Erlössituation an.

Während die spanischen Schweinefleischerzeuger die erste Produktionsabschwächung seit 2013 aufgrund der sonst sehr guten Rahmenbedingungen im Land wohl schnell wieder hinter sich lassen werden, dürfte der Bestandsrückgang in anderen EU-Ländern nachhaltiger sein. Für alle EU-Mitgliedstaaten gemittelt geht das ifip davon aus, dass die Schweineproduktion im neuen Jahr um 2,6 % abnehmen wird. Das würde eine Verlangsamung des Negativtrends bedeuten. Denn für das abgelaufene Jahr gehen die Analysten anhand der bisher ausgewerteten Zahlen davon aus, dass die Produktion gegenüber 2021 um 4 % geschrumpft ist.

Für das eigene Land sieht man sogar einen noch milderen Verlauf. In Frankreich soll die Produktion nur um 1,2 % sinken. Ein Grund dafür sei, dass die Kampagne „Le Porc francais“ den Absatz von heimischen Schweinefleisch stärkt und einen gewissen Schutz gegenüber ausländischer Ware aufbaut. Zudem habe der Nothilfeplan der Regierung die wirtschaftlichen Einbußen der Betriebe im vergangenen Jahr abgepuffert. von Michael Wernig SUS