Hannes Blog

Neues aus der Landwirtschaft

Mehrheit der EU-Länder für CRISPR auf dem Acker

Gestern machte die EU den Weg für neue Gentechnikmethoden frei. Thomas Waitz, grüner EU-Abgeordneter, kritisiert die Entscheidung heftig und fürchtet ein Risiko für die Versorgungssicherheit Europas.

Gestern Nacht wurde im Trilog zwischen EU-Parlament, Mitgliedstaaten und Kommission die Verordnung zur neuen Gentechnik fertig verhandelt. Agrarchemieriesen lobbyierten davor seit Jahren für eine Ausnahme der Neuen Gentechnik-Methoden aus dem EU-Gentechnikgesetz und damit gegen die strengen Sicherheits- und Verbraucherschutzauflagen im Sinne des Vorsorgeprinzips.

Wichtige Forderungen des EU-Parlaments wie Kennzeichnung von Gentechnik im Supermarkt oder ein Verbot von Patenten auf gentechnisch veränderte Pflanzen wurden von der EVP Berichterstatterin während der Verhandlungen aufgegeben. Die Grünen sind nicht gegen die neue Gentechnik, sondern begrüßen die Nutzung in der Forschung etwa z.B. bei Medikamenten. Das Vorsorgeprinzip und Konsumentenschutz darf dabei aber keinesfalls aufgeweicht werden.

„Das Ergebnis ist eine totale Deregulierung: Ein absoluter Super GAU für Konsumenten und für die europäische Biolandwirtschaft. Keine Rückverfolgbarkeit, keine Kennzeichnung bei Produkten im Supermarkt, keine Absicherung für die gentechnikfreie Biolandwirtschaft bedeutet dass die Großkonzerne die mit Patente Milliarden scheffeln und in Zukunft das Vorsorgeprinzip in der EU nicht mehr einhalten müssen. Ein freiwilliger Verhaltenskodex ist eine absolute Frotzelei und ein Kniefall vor den Agrarkonzernen. Für Österreich bedeutet es, dass in Zukunft niemand mehr garantieren kann, dass wir gentechnikfrei sind,“ kritisiert der Landwirtschaftssprecher der Grünen im Europäischen Parlament.

„Es liegt nun an Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig zum Wohle der österreichischen Landwirtschaft rasch eine Mehrheit im Rat gegen das Verhandlungsergebnis aufzubauen“

Eine Mehrheit im Europäische Parlament hatte davor verlangt, Pflanzen, die mit neuen gentechnischen Methoden gezüchtet wurden, von Patenten auszuschließen. EVP und rechtsextreme Parteien haben diese Forderung nun aufgegeben! Schon jetzt beherrschen vier Chemiekonzerne die Hälfte des globalen Markts für Saatgut.

„Obwohl die neue Gentechnik nicht von herkömmlicher Züchtung zu unterscheiden sei, fordern Großkonzerne ihr Recht auf Patente ein. Große, internationale Agrarkonzerne bekommen so ein Monopol auf Saatgut und machen Millionen Profite. Das Überleben von kleinen Zuchtbetrieben ist so praktisch unmöglich. Die Deregulierung der neuen Gentechnik bedroht die Versorgungssicherheit in ganz Europa,“

Das Verhandlungsergebnis muss nun im Europäischen Parlament und von den Mitgliedsstaaten im Rat bestätigt werden. von Felicitas Greil

EUDR ein Jahr Aufschub

Eine erneute Verschiebung der Umsetzung der EU-Verordnung für entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) wird immer wahrscheinlicher. Nach dem Rat hat sich das Europaparlament am Mittwoch (26.11.) ebenfalls für eine Fristverschiebung um zwölf Monate ausgesprochen. Jetzt müssen beide Co-Gesetzgeber zusammen mit der EU-Kommission im Trilog eine Einigung herbeiführen. Hier drängt die Zeit. Die bisherige Fassung des Gesetzes muss bereits ab dem 30. Dezember angewendet werden. Dies gilt zumindest dann, wenn bis dahin keine überarbeitete Version oder zumindest eine Verschiebung rechtskräftig beschlossen worden ist.

Im Einzelnen will das Parlament, dass große Unternehmen und Händler die Verpflichtungen dieser Verordnung also erst ab dem 30. Dezember 2026, Kleinst- und Kleinunternehmen ab dem 30. Juni 2027 erfüllen müssen. Die Hoffnung: Durch die zusätzliche Frist soll ein reibungsloser Übergang gewährleistet werden. Gleiches gilt für Meldungen zu den Sorgfaltspflichten über das IT-System der EU-Kommission. Laut der Brüsseler Behörde soll es bis zuletzt technische Störungen bei der Anwendung gegeben haben.

Vereinfachungen bei Meldepflichten

Darüber hinaus plädiert eine Mehrheit im Plenum für weitere Vereinfachungen. So sind die Abgeordneten der Ansicht, dass die Verantwortung für die Abgabe einer Sorgfaltserklärung bei den Unternehmen liegen sollte, die das betreffende Produkt als Erste auf dem EU-Markt einführen. Nicht zur Rechenschaft gezogen werden sollten dagegen Unternehmen und Händler, die etwaige Produkte im Anschluss vermarkten.

Weitere Verwaltungsvereinfachungen wollen die Volksvertreter für Kleinst- und Kleinunternehmen auf den Weg bringen. Anders als die Kommission fordert das Parlament, dass künftig nur noch eine einmalige vereinfachte Erklärung abgegeben werden muss. Die EU-Kommission hatte vor Kurzem noch eine jährliche vereinfachte Anmeldung im IT-System für Primärerzeuger vorgeschlagen.

Darüber hinaus wollen die Europaabgeordneten eine Überprüfung der Vereinfachungen bis zum 30. April 2026. Damit sollen die Auswirkungen des Gesetzes und der Verwaltungsaufwand bewertet werden.

Hansen hat bei der EUDR eine Vorgeschichte

Die EUDR wurde im April 2023 vom Parlament verabschiedet. Verhandlungsführer aufseiten des Europaparlaments war der heutige EU-Agrarkommissar und damalige Luxemburger EVP-Abgeordnete Christophe Hansen. Das Gesetz zielt darauf ab, den Klimawandel und den Verlust der biologischen Vielfalt zu dämpfen. Konkret soll etwa die Nutzung von Erzeugnissen in der EU unterbunden werden, die mit Entwaldung im Zusammenhang stehen. Im Einzelnen geht es dabei unter anderem um Kakao, Kaffee, Palmöl, Soja, Holz, Kautschuk, Holzkohle, außerdem um Lebendrinder sowie Rindfleisch. AgE 

6,5 ha pro Tag Flächenverlust: Die Zahl ist mit Vorsicht zu genießen

Österreichs Flächenverbrauch sinkt deutlich, rühmt sich Umweltminister Norbert Totschnig. Aber die Erhebungsmethode hat sich geändert.

Zwischen 2022 und 2025 lag der Flächenverbrauch mit rund 6,5 ha/Tag deutlich unter den Vorjahresdaten. So betrug er 2019 bis 2022 rund 10,9 ha täglich, und 2016 bis 2019 gar 12 ha. Das geht aus dem aktuellen Bericht der österreichischen Raumordnungskonferenz (Örok) hervor.

Der Bedarf an Siedlungsfläche ist der Haupttreiber beim Flächenverbrauch, Starken Zuwachs haben auch PV-Freiflächenanlagen, leider der falsche Ansatz.

Stora Enso -zwei Werke in Österreich vor dem Ende ?

Stora Enso prüft bis 2026 die Zukunft von sieben Sägewerken in Europa, darunter zwei in Österreich. Ein Verkauf steht zur Diskussion.

Der Papier- und Holzkonzern Stora Enso steht vor einer umfassenden Überprüfung seiner Geschäftstätigkeit in mehreren europäischen Ländern. Betroffen sind, laut ORF, sieben Sägewerke in Tschechien, Polen und Litauen – und auch zwei Werke in Österreich.

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Trotz seiner „starken Marktstellung in einem attraktiven Segment“ brachten dem Unternehmen seine Aktivitäten in Österreich und anderen europäischen Ländern weder strategische noch operative Vorteile für sein Kerngeschäft mit erneuerbaren Verpackungen, heißt es.

Für insgesamt 760 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Österreich sind das keine guten Neuigkeiten. Denn, die Werke in Ybbs an der Donau und in Brand (Bezirk Gmünd) sind von der strategischen Prüfung betroffen. Erst 2026 soll bekannt gegeben werden, wie es dort weitergeht – bis dahin heißt es bangen um die Jobs.

Momentan läuft der Betrieb ganz normal weiter. Änderungen sollen laut Stora Enso im Rahmen von Mitbestimmungsverhandlungen und anderen rechtlichen Verfahren in den betroffenen Ländern besprochen werden.

Die sieben Sägewerke bringen es, laut dem aktuellen Bericht, auf eine Produktionskapazität von rund drei Millionen Kubikmetern. Das entspricht etwa jener Menge an Holz, die das gesamte Bundesland Oberösterreich mit fast 500.000 Hektar Wald produzieren kann. So entstehen zahlreiche Schnittholzprodukte und Massivholzkomponenten. Sie sorgen für rund 50 Prozent des Konzern-Umsatzes.

Dünger: EU-Agrarverbände warnen vor Preisexplosion

Für importierten Dünger fallen ab 2026 zusätzliche Abgaben an. Das könnte für Landwirte in Europa teuer werden. EU-Verbände fordern nun schnelles Handeln von Brüssel.

Landwirte in der EU müssen sich offenbar auf steigende Preise von Mineraldüngern einstellen. Der Grund ist der geplante CO2-Grenzausgleich (CBAM) für importierte Düngemittel – eine Art Klimazoll. Den erhebt die EU auf Produkte aus Drittstaaten, in deren Herstellung besonders viel CO₂ in die Atmosphäre gepustet wird.

Eine Reihe von Verbänden der Agrar- und Ernährungswirtschaft warnt nun vor stark steigenden Düngerpreisen. „Ackerbauern in der gesamten EU haben mit geringen bzw. negativen Deckungsbeiträgen zu kämpfen“, heißt es von dem Verbändebündnis. „Dabei spielen Düngerkosten eine große Rolle. Der geplante C02-Grenzausgleich könnte den Preisanstieg auf eine neue Ebene bringen“, heißt es weiter.

Verschiedene Schätzungen sagen einen möglichen Anstieg der Düngerpreise von 10 bis zu 30 % voraus. Das könnte gerade Ackerbauern vor große Probleme stellen.

Das Verbändebündnis wirft der EU-Kommission Versäumnisse vor: „So unglaublich es auch klingen mag, viele der verschiedenen Faktoren zur Berechnung des CBAM wurden von der Kommission noch nicht festgelegt, wie beispielsweise Benchmarks und Standardwerte“, heißt es aus Brüssel.

Das Verbändebündnis fordert von der EU-Kommission, das Inkrafttreten des CO2-Grenausgleiches zu verschieben bis:

  1. Alle zusätzlichen Kosten für Landwirte klar seien und
  2. Wirksame Ausgleichsmaßnahmen für ebendiese Kosten bereitstünden.

Zu den Unterzeichnern der Forderungen gehört unter anderem die EU-Dachorganisation der Bauern- und Genossenschaftsverbände Copa-Cogeca. Daneben unterstützen die jeweiligen EU-Verbände der Zuckerhersteller, Zuckerrübenanbauer, der Agrarhändler, der Landbesitzer und der Futterhersteller die Forderungen. von Konstatin Kockerlos

Spanien meldet zwei ASP-Fälle bei Wildschweinen bei Barcelona

(Quelle: MINISTERIO DE AGRICULTURA, PESCA Y ALIMENTACIÓN)

Das spanische Landwirtschaftsministerium hat heute zwei ASP-Fälle bei Wildschweinen in der Nähe von Barcelona bekanntgegeben. Die Auswirkungen des ASP-Ausbruchs bleiben angesichts des erst vor 2 Wochen abgeschlossenen Regionalisierungsabkommens zwischen Spanien und China abzuwarten.

Zwei Wildschweine ASP-positiv getestet

Spanien hat am heutigen Freitag die ersten beiden Fälle von Afrikanischer Schweinepest seit 1994 bekanntgegeben. Die offiziellen Veterinärdienste von Catalunya haben über den Fund von zwei Wildschweinen in Bellaterra (in der Nähe von Barcelona) informiert, die positiv auf das Virus der Afrikanischen Schweinepest (ASP) getestet wurden. Die beiden Wildschweine waren am 26. November tot aufgefunden worden. Die positiven Untersuchungsergebnisse wurden vom Zentralen Veterinärlabor von Algete (Madrid) bestätigt.

Das spanische Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung Spanien hat den Ausbruch entsprechend den Regelungen an die EU und die Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) gemeldet.

Notfallmaßnahmen wurden aktiviert

Die spanischen Behörden haben die Notfallmaßnahmen gemäß dem EU-Recht in dem betroffenen Gebiet aktiviert. Schweinehaltende Betriebe wurden aufgefordert, ihre Biosicherheitsmaßnahmen zu prüfen und zu verschärfen.

Die Infektionsquelle zu diesem Ausbruch ist bislang noch nicht bekannt und wird weiter recherchiert.

Die beiden Wildschweinkadaver lagen ca. 1 km voneinander entfernt (Quelle: MINISTERIO DE AGRICULTURA, PESCA Y ALIMENTACIÓN)

Regionalisierungsabkommen mit China

Erst vor zwei Wochen war gemeldet worden, dass Spanien und China ein gegenseitiges Regionalisierungsabkommen für den Schweinefleischexport im Fall des Auftretens von ASP abgeschlossen haben. Damit akzeptieren Spanien und China die Zoneneinteilungen des jeweils anderen Landes. Im Fall eines ASP-Ausbruchs werden demnach die Schweinefleischexporte nicht landesweit, sondern nur aus dem betroffenen Gebiet gesperrt.

Die Auswirkungen des ASP-Ausbruchs auf den europäischen Schweinefleischmarkt bleiben daher zunächst einmal abzuwarten.

So geht moderne Hähnchenmast: Tiergerecht, effizient und nachhaltig

Michael Sturl hat klare Konzepte, wenn es um das Tierwohl seiner Hähnchen und die Energieversorgung geht. Er wurde beim CERES AWARD zum Gelfügelhalter des Jahres gekürt.

Auf seinem Hof am Hendlweg in Aschbach-Markt zeigt Michael Sturl, wie moderne Hähnchenmast in Österreich heute aussehen kann: tiergerecht, energieeffizient und wirtschaftlich erfolgreich. Der spät berufene, aber gelernte Landwirt führt zusammen mit seiner Familie einen konventionellen Geflügelmastbetrieb mit rund 52.000 Mastplätzen, Ackerbau und einem nachhaltigen Energiekonzept. Damit beweist er täglich, dass Verantwortung für Tiere, das Klima und die Region kein Widerspruch sind.

Besonders auszeichnungswürdig ist sein tierfreundlicher Stall mit Außenklimabereich, den er 2019 baute: Der Stall verfügt über eine Fußbodenheizung und die Einstreu besteht aus einem Gemisch aus Strohpellets aus eigenem Anbau und Sägespänen. Das Futter ist dank Soja aus der EU gentechnikfrei. Beschäftigungsmaterial wie Luzerneballen und vor allem das konsequente Gesundheitsmanagement sichern eine niedrige Mortalität und eine sehr gute Fußballengesundheit. So erfüllt der Landwirt die Vorgaben einiger Tierwohl- und Qualitätssiegel (unter anderem ITW, QS, Fair Hof). Das bedeutet Transparenz und hohe Standards für Handel und Verbraucher.

Beeindruckend ist auch das Energiekonzept: Michael Sturl hat in eine eigene Biomasseheizung investiert und so ein Nahwärmenetz aufgebaut. Damit versorgt er die zwei Geflügelmastställe, eine Trocknungsanlage und weitere Betriebe mit Wärme. Eine großflächige Photovoltaikanlage mit Speicher liefert sauberen Strom, die Trocknung von Getreide, Luzerne, Hackgut und Mais erfolgt zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie.

CERES AWARD 2025: Michael Sturl ist Geflügelhalter des Jahres

Was Michael Sturl zudem auszeichnet, ist seine Haltung: Er engagiert sich in Bauernverband, Musikverein und Jägerschaft, bildet sich laufend weiter und investiert nur dort, wo Tierwohl, Energieeffizienz und betriebswirtschaftliche Vernunft zusammenpassen. Damit ist Michael Sturl nicht nur ein vorbildlicher Geflügelmäster, sondern ein glaubwürdiger Botschafter für eine zukunftsorientierte, nachhaltige und regionale Geflügelhaltung – und damit unser Geflügelhalter des Jahres 2025. von Martina Hungerkamp

ID Austria – jetzt noch einfacher verwenden

Bei der Verwendung der ID Austria gibt es einige Neuerungen. Die App wurde vereinfacht und zur Identifizierung kann das Gerätepasswort (Handy-PIN-Code) – alternativ zu Biometrie (Fingerabdruck oder Gesichtserkennung) – verwendet werden.

Handy-ID Austria.jpg © Nothnagel/LKÖ
© Nothnagel/LKÖ

Die bereits seit längerem angekündigte neue Version der ID Austria wurde 2025 österreichweit in Betrieb genommen. Die App “ID Austria“ ersetzt damit die ehemalige App “Digitales Amt“. Der Umstieg für Nutzer kann durch ein einfaches Update der App “Digitales Amt“ am eigenen Smartphone erfolgen.

Doch was kann die neue ID Austria wirklich, welche Vorteile bringt sie?

Eines vorweg, die neue ID Austria konzentriert sich nun auf das Wesentliche also auf die Kernfunktionen “LogIn“ und “Signieren“. Sie ist somit schlanker, einfacher und schneller als ihr Vorgänger. Die digitalen Amtsservices die zuvor Bestandteil der abgelösten APP “Digitales Amt“ waren, bleiben natürlich erhalten, sie sind aber nun – technisch gesehen – nicht mehr Bestandteil der App, sondern werden über die Plattform www.oesterreich.gv.at abgewickelt. Auch dadurch wird eine schnellere und einfachere Bedienbarkeit gewährleistet.

Doch die wohl wichtigste Neuerung ist, dass nun auch das Gerätepasswort (der Smartphone PIN-Code) alternativ zur Biometrie (Fingerabdruck oder Gesichtserkennung) bei der Identifikation mit der ID Austria verwendet werden kann. Das erleichtert die Nutzung und erfüllt einen häufig geäußerten Wunsch der Nutzerinnen und Nutzer. Die Zwei-Faktor-Authentifizierung erfolgt damit durch Benutzername mit Passwort (1. Faktor) und Identifizierung durch biometrische Erkennung ODER Handy-PIN-Code (2. Faktor).

Ebenso wurde das Design der App “ID Austria“ erneuert. Es bietet nun eine verbesserte Übersicht und erleichtert dadurch auch die Bedienbarkeit. Push-Benachrichtigungen erinnern rechtzeitig an das Ablaufdatum der ID Austria. Eine Verlängerung online von zu Hause aus (ohne Behördengang) ist nun bequem möglich.

Auch die bestehende App “eAusweise“ mit welcher man z.B. das Alter, den Führerschein oder den Zulassungsschein am Smartphone nachweisen kann (z,B. bei einer Polizeikontrolle), sind natürlich mit der neuen ID Austria kompatibel.

Antragstellung mittels ID Austria im eAMA

In der Anwendung hat sich nicht viel verändert. Nach wie vor ist die ID Austria ein digitaler, verlässlicher Schlüssel zum Einstieg ins eAMA. Zum Versenden des Mehrfachantrages und zum Einstieg in die Digitale Förderplattform (DFP) ist eine Anmeldung mittels ID Austria erforderlich, wodurch ein sicherer Zugang zu den Daten und Anträgen online möglich gemacht wird. Ebenso ist durch die ID Austria ein Einstieg für über 500 Services von Behörden aber auch der Wirtschaft möglich. Zusammengefasst bringt die ID Austria mehr Benutzerfreundlichkeit, Sicherheit und EU-Kompatibilität. Sie ist ein zentrales Element Österreichs, auf dem Weg zu einem modernen, digitalen Staat.

Weitere Informationen finden Sie unter https://ida.gv.at/

EU-Rat mit Schutzmaßnahmen zufrieden ?

Die Mitgliedstaaten sind mit den von der EU-Kommission vorgeschlagenen Maßnahmen zum Schutz vor Marktverwerfungen als Folge des Mercosur-Abkommens vollständig zufrieden. Der Rat hat seine Position zum Verordnungsentwurf für den Trilog mit Europaparlament und Kommission am Mittwoch (19.11.) verabschiedet und wird ohne Änderungswünsche in die Verhandlungen gehen.

Die Kommission hatte ihre Vorschläge erst am 8. Oktober präsentiert. Die Ratifizierung des Freihandelsabkommens wird von der geplanten Verordnung nicht berührt. Die Schutzmechanismen sollen es nach Inkrafttreten des Abkommens beispielsweise ermöglichen, den präferierten Marktzugang der südamerikanischen Staaten für sensible Agrarprodukte vorübergehend auszusetzen. Ausgeweitet werden soll dazu unter anderem die Marktüberwachung, um Risiken frühzeitig begegnen zu können. Den Mitgliedstaaten soll zudem die Möglichkeit eingeräumt werden, Untersuchungen zu negativen Auswirkungen von Importen aus dem Mercosur bei der Kommission zu beantragen. Drohen hohe Schäden für heimische Sektoren, sollen innerhalb von maximal drei Wochen vorläufige Schutzmaßnahmen ergriffen werden können. Zu den sensiblen Produkten werden unter anderem Rind- und Geflügelfleisch, Milchprodukte, Zucker und Ethanol gezählt.

Aus Sicht des Rates sind die Kommissionsvorschläge geeignet, den Schutz der heimischen Landwirte im Rahmen des Abkommens zu verbessern. Es werde sichergestellt, dass die Schutzklauseln schnell und effektiv greifen könnten, sollten ernsthafte Marktstörungen vorliegen oder drohen, heißt es. Sobald auch das Europaparlament seine Position für den Trilog festgelegt hat, können die Verhandlungen der EU-Gesetzgeber beginnen. AgE

Schweinepreise international

USA: Die Erzeugerpreise in Iowa sind auf 1,34 €/kg zurückgefallen. Die saisonal bereits hohen Schlachtzahlen sind nochmal gestiegen Die Teilstückpreise zeigen überwiegend eine steigende Tendenz. Das große Angebot ist selbst für ein Vorweihnachtsgeschäft zu hoch. Der Angebotsstau infolge des „Shut-down“ wirkt nach. In den ersten beiden Quartalen 2026 wird bei rückläufigen Schlachtzahlen wieder mit stabilen bis anziehenden Preisen gerechnet.
 
Brasilien:
Der Durchschnittspreis wurde mit 1,82 €/kg wieder fester notiert. Der Wechselkurs kann seine gestiegene Kaufkraft knapp behaupten. Der Inlandsmarkt bleibt weiterhin ausgeglichen. Das Exportgeschäft mit den wichtigsten Bestimmungsländern Philippinen, Japan und Mexiko läuft vorerst weiterhin auf hohem Niveau und stellt die entscheidende Preisstütze dar.
 
Russland:
Die Durchschnittsnotierungen sind nach der zurückliegenden Hochpreisphase auf 1,85 €/kg zurückgefallen. Der Wechselkurs hat mit 91,88 Rubel = 1 € etwas an Kaufkraft gewonnen. Die Inlandsnachfrage bleibt weitgehend unverändert. Die aktuellen Exporte werden durch die Wetterbedingungen etwas eingeschränkt.
 
China:
Die Preise für Schweinefleisch haben sich mit 2,04 €/kg stabilisiert. Die saisonal steigende Nachfrage des Vor-Neujahrsgeschäfts unterstützt das Preisniveau. Das chinesische Neujahrsfest findet am 17. Febr.2026 statt. Die Erwartungen richten sich auf eine weiter steigende Nachfrage bis zu diesem jährlichen Verbrauchshöhepunkt. Der angestrebte Bestandsabbau ist noch nicht in vollem Umfange erreicht worden. 
 

4 Euro für höchste Standards: Zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig

Das Wifo stellte fest was Bauern schon lange wissen, beim Lebensmittelpreis bleiben pro Euro nur vier Cent für die Landwirtschaft.

Vier von 100 Euro für Lebensmittel bleiben den Landwirten in Österreich. Das Wirtschaftsforschungsinstitut hat bestätigt, was viele Bauern täglich erleben. Das Geld für die teuren Lebensmittel landet nicht in den Kassen der landwirtschaftlichen Betriebe. Sogar die Steuer macht mit 9 % mehr aus, als der Anteil, der den Bauern zum Überleben bleibt.

Es ist ein täglicher Kampf der Landwirte, den neun Betriebe pro Tag aufgeben. Das zeigt der Strukturwandel deutlich, sei es bei der Tierhaltung oder im Ackerbau. Mit österreichischen Standards können keine Billigprodukte hergestellt werden. Schon gar nicht, wenn sich alle anderen in der Wertschöpfungskette bedienen und nur die letzten Euro beim Landwirt ankommen.

Irische Butter, argentinisches Rindfleisch, Zucker aus der Ukraine und Kartoffeln aus Ägypten schmerzen besonders und sind nur einige Beispiele. Hier kann die kleinstrukturierte Landwirtschaft Österreichs beim Preis im Regal nicht konkurrieren. Die Erzeugerpreise sind jedoch in vielen Bereichen am Limit oder gar darunter. In Anbetracht der allgemeinen Kostensteigerungen, die auch die Betriebe mittragen, wird sich die Lage weiter zuspitzen.

Ein Überleben der Bauern wird künftig nicht nur mit staatlichen Förderungen machbar sein. Mit der nächsten GAP drohen deutliche Kürzungen. Die Lösung können nur die Entscheidungen der Konsumenten sein, denen österreichische Lebensmittel mehr Wert sein müssten als 4 Cent pro Euro. von Roland Pittner

So wie immer“Billigimporte torpedieren Österreichs Milchqualität“

„Dass heimische Eigenmarken-Haltbarmilch aktuell in einer Handelskette stillschweigend durch importierte ersetzt und zu Dumping-Preisen angeboten wird, ist eine unmittelbare Folge der schädlichen Lebensmittel-Preisdebatte und ein völlig falsches Signal an alle Seiten. Der österreichische Qualitätsweg wird damit torpediert und verlassen – auf Kosten von Tieren, Umwelt, Bauern, Versorgungssicherheit und somit ganz Österreich“, kritisiert LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger scharf und warnt vor einer negativen „LEH-Kettenreaktion“.

„Es kann nicht sein, dass den heimischen Bäuerinnen und Bauern ständig ausgerichtet wird, welche immer noch höheren Standards punkto Tierwohl, Umweltschutz und Dokumentation sie zu erfüllen haben, sie dann aber auf ihren Kosten sitzen gelassen oder gar durch Importe ersetzt werden. Wer unseren bäuerlichen Familienbetrieben immer noch strengere Auflagen auf den Rücken lädt, aber gleichzeitig das Billigste wählt, trägt aktiv dazu bei, dass sie ihre Stalltüren schließen“, warnt Moosbrugger.

„Und gibt es weniger Milch in Österreich, werden auch die Arbeitsplätze im vor- und nachgelagerten Bereich verlorengehen. Regionale Wertschöpfungsketten sind größer und wertvoller, als viele meinen, und sollten auch Konsumenten und Handel etwas wert sein“, gibt der LKÖ-Präsident zu bedenken.

„Die heimischen Milchbäuerinnen und Milchbauern leisten viel, um die Wünsche der Konsumentinnen und Konsumenten und die Vorgaben des Handels zu erfüllen. Sie stehen heute für eine international vorbildhafte Qualität, die uns allen zugutekommt“, so Moosbrugger und weiter: „Nun wären auch Handel und Konsumenten gefragt, sich zu dem zu bekennen, was sie immer gefordert haben. Der gemeinsame Qualitätsweg sollte nicht wegen ein paar Cent pro Liter verlassen werden.“

„Wir bedanken uns bei jenen Partnerinnen und Partnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette, die sich zu den österreichischen Bäuerinnen und Bauern bekennen und weiterhin für eine verlässliche Abnahme zu angemessenen Preisen stehen. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten gilt es mehr denn je, zusammenzuhalten und nicht nur im Fußball den Patriotismus hochzuhalten“, schließt der LKÖ-Präsident. von Torsten Altmann

Pinkel-Affäre im Schweinestall: Gutsbesitzer zieht Konsequenzen für Betrieb

Verstörende Aufnahmen aus einem Schweinestall: Ermittlungen gegen Gut Hardegg – der Betrieb zieht erste Konsequenzen. Ein Schweinestall im Bezirk Hollabrunn in Niederösterreich steht unter Kritik von Tierrechtlern. Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) veröffentlichte Bild- und Videomaterial, das einen brutalen und respektlosen Umgang mit Mastschweinen belegen soll.

Aktivisten rund um den Verein gegen Tierfabriken (VGT) haben verdeckte Aufnahmen veröffentlicht, die verstören. Die angeprangerten Missstände werfen Fragen zum Tierwohl in einem AMA-Gütesiegel-Betrieb auf. Den Schilderungen der Tierrechtler zufolge gebe es unter den Schweinen Fälle von Kannibalismus, die Tiere würden mit schmerzhaften Elektroschocks getrieben und Arbeiter würden absichtlich auf die Mastschweine urinieren, heißt es vom VGT.

Gegenüber ORF Niederösterreich teilte die Bezirkshauptmannschaft mit, dass verwaltungsstrafrechtliche und tierschutzrechtliche Ermittlungen eingeleitet worden seien. Der Betrieb wurde außerdem seit der Anzeige von zwei Amtstierärzten überprüft. Erst im Oktober gab es eine Überprüfung durch die Amtstierärztin, bei der aber keine Missstände festgestellt worden sind. Wie die Stallarbeiter die Tiere behandeln, ist durch den Kontrolleur aber kaum festzustellen.

Darüber hinaus gibt es in Niederösterreich auch eine sogenannte Taskforce für Tierschutz. Diese macht auch stichprobenartige Kontrollen bei Tiermastbetrieben, muss aber bei Verdacht von der Bezirkshauptmannschaft angefordert werden.

In einer ersten Reaktion bezweifelte der Betriebsleiter, dass die Aufnahmen tatsächlich vom Gut Hardegg stammen. Daraufhin hat der VGT detaillierte Ortsnachweise vorgelegt, wie etwa die Ohrmarken.

Daraufhin hat Maximilian Hardegg eine Videobotschaft auf Facebook gepostet. Dabei beteuerte er, dass er von den gezeigten Bildern schockiert und von den Vorkommnissen sehr betroffen sei. „Wir haben aber sofort reagiert, gestern die in Verdacht stehenden Mitarbeiter suspendiert und heute fristlos entlassen“, hob Hardegg hervor und betonte, dass künftig auf Gut Hardegg Tierwohl zu 100 % umgesetzt werde.

Nichtregierungsorganisationen (NGOs) führen in der Vorweihnachtszeit traditionell Aktionen durch. So auch Tierschutzorganisationen, die auf aktuelle Tierschutzprobleme aufmerksam machen oder Alternativen für den Festtagsbraten aufzeigen wollen. Auch wird mancherorts gegen den Pelzhandel demonstriert, weil zu dieser Zeit der Großteil der Pelzmode verkauft wird, um viel Spendengeld zu bekommen.

Die AMA startete neben der Bezirkshauptmannschaft eine Prüfung des Betriebs. „Wir haben die Kontrollen vor Ort absolviert, die Bilder, die es von den verletzten Tieren gegeben hat, haben sich nicht bestätigt“, sagt Kristijana Lastro von der AMA Marketing. Es werden noch Stellungnahmen eingehoben und eine umfassende Dokumentation erstellt. „Wenn wir alle Ergebnisse haben, werden wir alles weitere evaluieren und dann entscheiden“, erklärt die Sprecherin. von Artur Riegler

Die Regierung will die staatliche Krisenvorsorge neu aufstellen. Dazu will sie stärker in den Markt eingreifen.

Österreich will sich gegen Lebensmittelkrisen besser wappnen. Daher will die Regierung die staatliche Krisenvorsorge im Lebensmittelbereich umfassend neu aufstellen. Vergangenen Woche hat dazu der Ministerrat die Novelle des Lebensmittelbewirtschaftungsgesetzes verabschiedet. (LMBG). Nach Regierungsangabe schafft sie eine zeitgemäße Grundlage, um die Ernährungssicherheit auch in Krisenzeiten zuverlässig abzusichern.

Vorausgegangen war vor gut zwei Jahren ein Bericht des Bundesrechnungshofes. Die Rechnungsprüfer deckten dabei einige Schwachstellen bei der Ernährungssicherung im Krisenfall fest. Sie verlangten Nachbesserungen.  

Im Ernstfall kann es zu Lenkungsmaßnahmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette kommen. Beispielsweise könnte die Regierung im Ernstfall verbieten, Brotgetreide für die menschliche Ernährung an Tiere zu verfüttern für das Herstellen von Alkohol zu verwenden. Ein Eingriff direkt bei landwirtschaftlichen Betrieben ist laut Agrarministerium (BMLUK) nicht vorgesehen. Auch ein generelles Verkaufsverbot ist nicht geplant. Allerdings sieht das LMBG schon jetzt ein Verbot des gewerblichen Verkaufs von Lebensmitteln, Dünger oder Pflanzenschutzmitteln für die Dauer von bis zu 48 Stunden vor. Ein derartiges Verbot dient laut BMLUK, um einen „Ausverkauf“ vor Beginn einer Lenkungsmaßnahme zu verhindern.

Bei einem Verkaufs- oder Verfütterungsverbot erhalten betroffene eine Geldentschädigung. Die Regel präzisiert nun die Regierung in der LBMG-Novelle. Für die Höhe der Entschädigung gelten die Vorgaben des Eisenbahn-Enteignungsentschädigungsgesetzes.

Verbessert werden soll im Krisenfall auch die Kommunikation, wenn die Regierung Lenkungsmaßnahmen einführen will. So schafft die Novelle die rechtliche Grundlage, entsprechende Maßnahmen über die Homepage, aber auch beispielsweise über Social Media Kanäle zu verbreiten. von Josef Koch

Mercosur-Deal: Nun doch- Diese Schutzmaßnahmen für EU-Landwirte sollen kommen

Eine wichtige Grundlage für den Mercosur-Deal ist gelegt: Die Mitgliedstaaten stimmen diesen Schutzmaßnahmen für EU-Landwirte zu. Es hagelt aber auch Kritik.

Die EU ist dem Abschluss eines Freihandelsabkommens mit den Mercosur-Staaten wieder einen Schritt nähergekommen. In Brüssel stimmte der Rat gestern (19.11.) einem Paket von Schutzklauseln für die europäische Landwirtschaft zu. Sie sollen die Landwirte in der EU vor Einkommenseinbußen bewahren, falls höhere Agrarimporte aus den Mercosur-Ländern auf dem Binnenmarkt die Preise zum Beispiel für Rindfleisch oder Geflügel drücken. Die EU-Kommission hatte ihren Vorschlag für eine Verordnung mit Schutzmaßnahmen vor zwei Monaten vorgelegt. Jetzt fehlt nur noch die Zustimmung des EU-Parlaments.

Grundsätzlich gegen den Mercosur-Deal sind aber Frankreich und wir Österreicher. Sie versuchen eine Sperrminorität zu organisieren.  Frankreichs Agrarministerin Annie Genevard kann dabei offenbar auf die Unterstützung von Polen, Ungarn, Belgien zählen. Als Wackelkandidaten stuft sie Irland und Rumänien ein. Beide werden aber für eine Sperrminorität benötigt.

Die Schutzverordnung verpflichtet die EU-Kommission zu einem sehr schnellen Krisenmechanismus, falls auch nur ein Mitgliedstaat eine Marktstörung durch steigende Importe anzeigt. Dazu genügt bei sensiblen Produkten wie unter anderem Rindfleisch, Geflügel, Milchprodukten, Zucker und Ethanol schon ein Preisrückgang von mehr als 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Kommission muss Faktoren wie Importvolumen, Preistrends sowie die Auswirkungen auf Produktion, Umsatz, Beschäftigung und Gewinne im betroffenen EU-Sektor prüfen. Für die sensiblen Produkte müssen die Untersuchungen innerhalb von vier Monaten abgeschlossen werden. In dringenden Fällen können vorläufige Maßnahmen innerhalb von 21 Tagen eingeführt werden. Eine mögliche Reaktion ist, die mit den Mercosur-Staaten vereinbarten Zollpräferenzen auf landwirtschaftliche Importe vorübergehend auszusetzen. Die Schutzmaßnahmen können auch auf einzelne Regionen der EU beschränkt werden.

Kernelement der Schutzverordnung ist eine Produktliste mit 23 Einträgen, auf der unter anderem Rind-, Geflügel- und Schweinefleisch, verschiedene Milchprodukte, Reis, Mais und Maisprodukte, Honig, Eier, Knoblauch, Spirituosen, Zucker, Ethanol und Biodiesel aufgeführt sind. Für diese Erzeugnisse sollen spezifische Regelungen aufgestellt werden, die eine verstärkte Überwachung von Markttrends im Zusammenhang mit Importen, die durch das Abkommen begünstigt werden, sicherstellen. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse muss die Kommission dem Rat und dem Europäischen Parlament alle sechs Monate einen Bericht vorlegen, in dem die Auswirkungen der Importe auf die EU-Märkte bewertet werden. So sollen Risiken frühzeitig erkannt und rasch Gegenmaßnahmen eingeleitet werden können.

Mit der Einigung auf die Schutzklausel-Verordnung ist ein wichtiger Zwischenschritt erreicht auf dem Weg zur Verabschiedung des Mercosur-Freihandelsabkommens selbst. Über das Abkommen sollen Rat und EU-Parlament noch vor Jahresende abstimmen. 

Während in Brüssel eine Zustimmung im EU-Ministerrat trotz einiger Gegenstimmen als wahrscheinlich gilt, ist das Votum des EU-Parlaments ein Unsicherheitsfaktor. Die Abgeordneten können nur mit Ja oder Nein über das Freihandelsabkommen (FTA) abstimmen. Inhaltliche Änderungen sind nicht vorgesehen. Für die Abstimmung Mitte Dezember werden Proteste landwirtschaftlicher Verbände erwartet. AgE

5 vor 12 für EUDR

Viel Zeit bleibt nicht mehr, um die Änderungsvorschläge der Europäischen Kommission an der Verordnung gegen entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) einzuarbeiten. Das Europaparlament will nun den Turbo zünden. Am Donnerstag (13.11.) haben die Abgeordneten deswegen mehrheitlich für ein sogenanntes Schnellverfahren gestimmt.

Das bedeutet, dass bei der nächsten Sitzungswoche in Straßburg vom 24. bis 27. November das Plenum direkt einen eigenen Standpunkt über die von der Kommission geforderten Anpassungen festschreiben wird. Das soll möglichst rasche Verhandlungen mit dem Rat und der EU-Kommission ermöglichen. Die im Normalfall übliche Befassung des fachlich für die EUDR zuständigen Umweltausschusses würde damit entfallen.

Geht es am 30. Dezember los?

Der Zeitdruck wird immer größer. Nach aktuellem Stand würde die EUDR bereits am 30. Dezember angewendet werden müssen. Bis dahin müssten die Änderungsvorschläge der EU-Kommission – in der einen oder anderen Form – verabschiedet werden. Andernfalls würde die bisher gültige EUDR-Fassung zur Anwendung kommen. Neben den nach Meinung vieler Akteure hohen Bürokratielasten bestünde zudem das Problem, dass die IT-Software der EU-Kommission nicht in der Lage wäre, die absehbar umfangreichen Meldungen zu den Sorgfaltspflichten zumindest weitgehend störungsfrei abzuarbeiten.

Die Kommission hatte im Oktober vorgeschlagen, die Verpflichtungen für Kleinst- und Kleinunternehmen in der Primärproduktion aus Ländern mit geringem Entwaldungsrisiko zu reduzieren. Gleiches gilt für Unternehmen und Händler, die diese Produkte nach dem Inverkehrbringen auf dem EU-Markt vermarkten.

Vorschläge werden noch angefasst

Parlamentskreise halten es für unwahrscheinlich, dass die Kommissionsvorschläge zur Änderung der EUDR Eins zu Eins durchgewunken werden. Anzunehmen ist, dass der Start der bereits in Kraft getretenen EUDR-Verordnung jetzt doch um ein Jahr verschoben werden soll – zumindest nach dem Willen einiger Europaparlamentarier. Einer Verschiebung müsste auch der Rat zustimmen. Die dänische Ratspräsidentschaft ist dabei, einen entsprechenden Kompromiss mit den Mitgliedstaaten auszuhandeln.

Klare Marschroute fehlt

Unterdessen vermisst der Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer, Prof. Andreas Bitter, in Brüssel „eine klare Marschroute“. Die Lage sei auch acht Wochen nach der ersten Ankündigung von EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall zur nochmaligen Verschiebung des EUDR-Gültigkeitsbeginns unklar. Aus Sicht von Bitter liegen zielführende Vorschläge für sinnvolle Änderungen auf dem Tisch, um bei der EUDR für praxisnahe Regelungen zu sorgen. In diesem Zusammenhang kritisiert er, dass Deutschland in Brüssel aktuell „auffällig passiv“ agiere.

Dem Vorsitzenden der Familienbetriebe Land und Forst, Max von Elverfeldt, zufolge hat sich die Bundesregierung klare Leitplanken gesetzt, um europapolitisch geschlossen auftreten zu können. Die zuständigen Ressorts – also Umwelt- und Landwirtschaftsministerium – fordert er auf, danach zu handeln und in Brüssel so aufzutreten, dass sinnvolle, umsetzbare Regelungen getroffen werden.

Ähnlich äußerte sich der Geschäftsführer des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), Dr. Philipp Spinne: „Während die Wirtschaft auf Planungssicherheit wartet, ringt die EU mit sich selbst – und beschließt, zu beschließen.“ Für Spinne ist dies ein „Sinnbild europäischer Bürokratie“. Er erinnert daran, dass die Verordnung nach aktuellem Stand bereits in wenigen Wochen angewendet werden muss. „Doch die Uhren in Brüssel scheinen in einem anderen Takt zu schlagen“. Spinne fordert deshalb Klarheit und den finalen Beschluss für eine Verschiebung.

EU für 10 Prozent der weltweiten Entwaldung verantwortlich
Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) sind zwischen 1990 und 2020 weltweit rund 420 Mio. Hektar Wald durch Abholzung verloren gegangen. Dies entspricht einer Fläche größer als die der Europäischen Union. Laut FAO ist der EU-Bedarf für rund ein Zehntel der weltweiten Entwaldung verantwortlich. Palmöl und Soja tragen zu mehr als zwei Dritteln dazu bei. AgE )

Vogelgrippe breitet sich aus – erster Betrieb in Burgenland betroffen

In Europa ist die Vogelgrippe weiter auf dem Vormarsch. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der erste Fall auch auf einem österreichischen Tierhaltungsbetrieb bestätigt wird. Entsprechende Maßnahmen zur Bekämpfung wurden bereits gesetzt.

Nachdem in Österreich bei mehreren Wildvögeln die Vogelgrippe (Hpai) nachgewiesen wurde, stieg in den vergangenen Wochen auch das Risiko für Geflügelbetriebe, Klein- und Hobbyhaltungen. Aus diesem Grund wurde mit dem 3. November 2025 das gesamte Bundesgebiet als Gebiet mit erhöhtem Geflügelpestrisiko ausgewiesen.

In diesem Jahr erfolgte am Montag, dem 17. November 2025, der erste Nachweis des Geflügelpesterregers „HPAI H5N1“ in einer Kleinhaltung im Bezirk Neusiedl am See. Laut dem Land Burgenland umfasste der betroffene Tierbestand rund 170 Tiere, darunter Hühner, Enten, Gänse, Puten sowie Zier- und Hobbyvögel.

Der Betrieb wurde umgehend gesperrt, nachdem mehrere verendete Tiere gefunden worden waren. Die noch nicht verstorbenen Tiere der Kleinhaltung wurden inzwischen tierschutzgerecht gekeult.

In Kärnten, Niederösterreich und zuletzt in Oberösterreich wurden seit Ende September 2025 mehrere Hpai-positive Wildvögel bestätigt. Laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) waren in der aktuellen Vogelgrippesaison bisher nur Wildvögel betroffen. Bestätigt wurde der Erreger bei insgesamt 17 Schwänen, einer Ente und einer Gans.

Weil Wasser als ein ideales Medium für die Verbreitung des Virus gilt, dürften Wildvögel, insbesondere Wasservögel, die Hauptüberträger der Vogelgrippe sein.

Der Fall im Burgenland liegt in einer Region nahe dem Neusiedlersee. Der zweitgrößte Steppensee Europas bildet einen Anziehungspunkt für zahlreiche Tierarten und gilt als wichtige Raststätte für Zugvögel.

In einem Umkreis von 3 km um den betroffenen Betrieb werden alle geflügelhaltenden Betriebe klinisch untersucht und gegebenenfalls beprobt. Im angrenzenden Bereich bis 10 km werden geflügelhaltende Betriebe stichprobenartig kontrolliert. Auch hier gilt erhöhte Wachsamkeit, um eine etwaige Ausbreitung frühzeitig zu erkennen. Die Maßnahmen richten sich nach einer risikobasierten Einstufung der Betriebe.

Auch in allen anderen Landesteilen Österreichs gelten unabhängig vom konkreten Ausbruch verschärfte Biosicherheitsmaßnahmen. von Artur Riegler

Mastschweine und Zuchten: Notierungen unverändert in Richtung Weihnachtsgeschäft

Am europäischen Schweinemarkt herrschen überwiegend ausgewogene Verhältnisse am Lebendmarkt. Aber Fleischmärkte sind reichlich versorgt. Die Preise bleiben unverändert.


EU-weit tendiert das Schweineangebot saisontypisch aufwärts. Idealerweise steht dieses biologische Phänomen im Einklang mit Vorbereitungen auf das Feiertagsgeschäft um den Jahreswechsel. Weil das diesjährige Angebot um 3 – 5 % über dem Vorjahreswert liegt und das Absatzventil nach China vorerst zum Erliegen gekommen ist, zeigt sich der Fleischmarkt stärker gesättigt als üblich. Trotzdem ist man in Deutschland (+/-0) optimistisch, dass das aktuelle Preisgefüge dem Marktverlauf in den nächsten Wochen entsprechen dürfte. Aufgeregter gestaltet sich der Branchendiskurs infolge der bevorstehenden Schließung des Schweineschlachthofes in Landshut, wodurch eine Wochenschlachtkapazität von ca. 15.000 Stück ab 2026 ausfallen dürfte.

In Österreich fließt das Angebot an schlachtreifen Schweinepartien laut Johann Schlederer, Chef der Schweinebörse, in im Rahmen gewünschter Zeitpläne ab. Das zuletzt auch hierzulande gestiegene Angebot entspricht dem vorsichtig anziehenden Interesse der Schlachthöfe, um für das Weihnachtsgeschäft gerüstet zu sein. Demzufolge liegt die aktuelle Wochenschlachtung bei ca. 95.000 Stück und das durchschnittliche Schlachtgewicht mit 100,3 kg stabil über der Dreistelligkeit.

Vor diesem Hintergrund wäre es hilfreich, dass zeitnah ernsthafte Impulse auf allen Schienen der Fleischmärkte spürbar werden. An der Ö-Börse waren sich Erzeuger- und Abnehmerseite einig, den neuen Preis auf unverändertem Vorwochenniveau zu fixieren. von Torsten Altmann

Doch noch wichtig- Agrarwissen: Lehrer fordern mehr Projektwochen auf Bauernhöfen

Eine Umfrage zeigt: Pädagogen wünschen sich mehr Weiterbildungen zum Ernährungssicherheit und Klimawandel.

Das Interesse von Pädagogen und Pädagoginnen an der der Bildungsplattform landwissen.at ist groß. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium wurden in den vergangenen zwei Jahren über 50.000 Downloads registrierte. Das Portal bietet Lehrpersonal, Beraterinnen und Beraterinnen sowie interessierten Eltern gebündeltes Wissen rund um die Themen Landwirtschaft, Lebensmittel, Wald, Wasser und Klima. So können sie rund 1600 Bildungs- und Informationsmaterialien von fast 40 Anbietern abrufen.

Dennoch gibt es Ausbaupotential, wie eine aktuelle Umfrage zeigt. Ergebnis: Fast 90 % der Befragten wollen, dass Landwissen weiter ausgebaut wird. Besonders groß ist der Wunsch nach konkreten Weiterbildungsangeboten für Lehrkräfte (84%), so die Umfrage des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMLUK). Vorgeschlagen werden auch Mitmach-Wettbewerbe oder Projektwochen. Thematisch stehen die Themen Lebensmittel-Qualität und Ernährungssicherheit sowie Klimawandel und Umweltverschmutzung hoch im Kurs. Für mehr als 90 % bietet die Seite relevante Informationen für ihre Tätigkeit als Pädagogin und Pädagogen. Noch höher ist die Zustimmung zum pädagogischen Mehrwert der Homepage.

„Die Ergebnisse der Umfrage liefern uns wertvolle Impulse, um das Angebot gezielt ausbauen und die Kinder und Jugendlichen noch besser informieren zu können“, so Agrarminister Norbert Totschnig. Er wird mit Schülerinnen und Schülern der Landwirtschaftliche Landeslehranstalt Weitau in Tirol diskutieren. Die Schule hatte beim Gewinnspiel im Zusammenhang mit der Umfrage den Hauptpreis gewonnen.

Die Webseite www.landwissen.at bietet Unterrichts- und Informationsmaterialien rund um alle Bereiche, für die das BMLUK zuständig ist. Die fachlich und pädagogisch geprüften Angebote sind nach Themengebieten bieten gut aufbereitetes Wissen für alle Schulstufen und Schultypen. Alles ist dabei – konkrete Stundenvorbereitungen, Learning-Apps, Videos. Podcasts uvm. Die Website betreibt im Auftrag des BMLUK die Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik (HAUP). Der Großteil der derzeit knapp 1600 Materialien stammt von externen Anbietern wie das Forum Umweltbildung, Land schafft Leben, Wald trifft Schule, Bio Austria oder AGES und AMA. Mit Material von BMLUK

Clever-Spanien sichert China-Exporte im ASP-Fall ab

Die Exporteinschränkungen eines ASP-Ausbruchs würden Spanien hart treffen. Um den Handel mit dem wichtigsten Partner China abzusichern, hat Spanien nun ein Regionalisierungsabkommen unterzeichnet.

Ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Spanien hätte gravierende Folgen für die dortige Schweinehaltung. Schließlich ist Spanien Europas größter Schweinefleischexporteur. Der wichtigste Handelspartner ist dabei China.

Um diesen Exportweg im Tierseuchenfall abzusichern, hat sich Spanien bemüht Handelsabkommen mit dem Reich der Mitte zu schließen – mit Erfolg.

In einer koordinierten Zusammenarbeit haben spanische Behörden, der private Sektor und die chinesischen Verantwortlichen ein Regionalisierungsabkommen ausgehandelt. Das berichtet das Fachmagazin varkens.nl.

Durch eine Zonierung Spaniens kann der Außenhandel nach China weiterlaufen, auch wenn es in Teilen des Landes zu ASP-Ausbrüchen kommen sollte. Das Regionalisierungsabkommen sichert zu, dass Schweinefleisch oder Produkte aus ASP-freien Zonen, weitergehandelt werden können. Gleiches gilt umgekehrt, sollte es in einigen chinesischen Regionen zu ASP-Fällen kommen.

Laut der Interessenvertreter der spanischen Schweinebranche Interporc festigt Spanien damit seine Position als solider und zuverlässiger Partner für China im Agrar- und Lebensmittelsektor. Interporc bezeichnet die Unterzeichnung dieses Abkommens als historischen Meilenstein für den spanischen Schweinesektor.

Bereits im Vorfeld hatten beide Länder Handelsabkommen auf dem Handels- und Investitionsforum Spanien-China 2025 abgeschlossen. Das spanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Unternehmertum unterzeichnete sechs Vereinbarungen mit dem Handelsministerium der Volksrepublik China (Mofcom) und der chinesischen Handelskammer (CCCME).

Ziel der Unterzeichnung der Memoranden ist es, die Zusammenarbeit in allen Bereichen des Schweinefleischsektors zu stärken, von Gesundheitsprotokollen, Innovation und Export bis hin zu Werbung, Nachhaltigkeit und der Erschließung neuer Märkte.

Auch andere Länder bemühen sich derzeit ihren Außenhandel abzusichern. So berichtet Agra Europe, dass Frankreich ein Regionalisierungsabkommen mit Japan unterzeichnet hat. Ein vergleichbares Abkommen mit China hatte die Grande Nation bereits 2021 abgeschlossen.von Dr.Hauke Deeken

Landwirtschaft ohne uns Landwirte? Das läuft nicht!

In der öffentlichen Diskussion rund um Nachhaltigkeit, Tierwohl, Klimaschutz und technische Innovationen stehen oft Maschinen, Methoden oder politische Rahmenbedingungen im Vordergrund. Was dabei leicht in den Hintergrund rückt: Ohne engagierte Menschen – sei es der Betriebsleiter selbst, die rührigen Altenteiler oder der Nachwuchs, der mal mehr, mal weniger gerne mithilft – ist kein landwirtschaftlicher Betrieb dauerhaft funktionsfähig und keine Strategie umsetzbar.

Der Mensch ist mehr als ein Produktionsfaktor! Dabei ist es egal, ob wir von Landwirten und Mitarbeitern auf einem Familienbetrieb sprechen oder von größeren Unternehmen beziehungsweise Genossenschaften. Wir brauchen fähige Menschen, weil Landwirtschaft von Fachwissen, Erfahrung und Verantwortungsbewusstsein lebt. Und vom täglichen Einsatz – sehr häufig weit über die üblichen acht Stunden hinaus. 

Gleichzeitig steigen die Anforderungen: Der wirtschaftliche Druck, wachsende Bürokratie und gesellschaftliche Kritik gehören für viele zum Alltag. Dabei besteht die Gefahr, den Menschen selbst aus dem Blick zu verlieren. Wann haben Sie sich das letzte Mal gefragt, wie es Ihnen selbst, wie es Ihrer Familie, wie es möglichen Mitarbeitern auf Ihrem Hof geht? Wie steht es um Ihre und deren Belastbarkeit, die Motivation und das langfristige Durchhaltevermögen? Wie umgehen mit ideologischer Kritik auf Social Media, in der Nachbarschaft, im Dorf?

Die Debatte um Ressourcenschonung ist richtig und notwendig. Aber sie bleibt unvollständig, wenn der Mensch nicht mitgedacht wird. Landwirtschaftliche Betriebe können nur dann nachhaltig arbeiten, wenn nicht nur natürliche, sondern auch menschliche Ressourcen verantwortungsvoll behandelt werden. Respekt, Klarheit und Dialogfähigkeit sind zentrale Bestandteile einer modernen Betriebskultur – nicht als Zusatz, sondern als Voraussetzung. 

Wer langfristig erfolgreich wirtschaften will, sollte nicht nur in Maschinen investieren, sondern auch in das sogenannte Humankapital, in Kommunikation auf Augenhöhe, in Beziehungspflege und in ein realistisches Verständnis vom „Faktor Mensch“. von Sabine Schrauth

Molkerei in Baden: Verwunderung über Betonbau statt Holz

Es gilt als Meilenstein in der Geschichte der NÖM, ein Logistikzentrum, das Platz für 26.000 Palettenstellplätze bieten wird. Aber warum ist ein Bau aus Holz alternativlos?

Baden/NÖ – Die NÖM AG ist die Niederösterreichische Molkerei mit Sitz in Baden. Nach eigenen Angaben ist es bundesweit einer der größten Molkereibetriebe. Jährlich werden mehrere Hundert Millionen Kilogramm Milch von rund 2.200 Bäuerinnen und Bauern aus der Region veredelt.

Ein großer Teil der Milchlieferanten bewirtschaftet gemischte land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Zurzeit ist die Lage am Milchmarkt aber angespannt. Aufgrund der europaweit hohen Milchmengen ist in der Branche keine Entspannung in Sicht.

Ist die wirtschaftliche Situation auf den Bauernhöfen schwierig, dann wird der Verkauf von Holz immer interessanter. Ein wichtiges Signal an die Waldbauern ist deshalb die Verwendung des Baustoffs Holz. Das hat nicht nur nachhaltige Vorteile für die Umwelt, weil dadurch viel CO2 gebunden wird, sondern hat auch große wirtschaftliche Relevanz für die Forstwirtschaft und für die holzverarbeitende Industrie. Die Tatsache, dass am Hauptstandort einer Molkerei in Baden bei Wien ein Bauprojekt in Betonbauweise entsteht, sorgt bei einigen Bäuerinnen und Bauern für Verwunderung.

Viele Industriehallen werden mittlerweile aus Holz gebaut. So hat vor einem Jahr die Tiroler Versicherung sogar ein Hochhaus aus Holz in Innsbruck eröffnet. Warum ist das bei einer Molkerei nicht möglich?

Laut NÖM ist ein reiner Holzbau für eine vollautomatische Lagerhalle deshalb nicht geeignet, weil er die hohen statischen Anforderungen, die Präzision und die Integration komplexer Technik wie Förderanlagen und Energieoptimierungssysteme nicht zuverlässig erfüllen kann.

Zudem kann der Brandschutz nicht gewährleistet werden, heißt es von der NÖM, die versichert, dass, soweit möglich, die österreichische Wertschöpfung im Vordergrund steht. So wurde der Stahl für das Grundgerüst von „Sako Stahl“ aus der Südsteiermark bezogen und die Voest liefert die Palettenregale.

Die Reduktion des CO2-Fußabdrucks kann laut NÖM durch eine Reihe an Maßnahmen erreicht werden. So wird das Versandlager auf einer bereits bestehenden Fläche errichtet – eine zusätzliche Bodenversiegelung bleibt damit aus.

Außerdem liegt das Bauprojekt in unmittelbarer Nähe der bestehenden Infrastruktur. Dadurch werden rund 10.000 Lkw-Fahrten pro Jahr eingespart.

Die NÖM weist darüber hinaus auf ein durchdachtes Energiekonzept hin, bei dem die KI-basierte Energieoptimierung eine Einsparung von bis zu 1.400 t CO2 pro Jahr einspart. Ergänzt wird dies durch Wärmerückgewinnung, eine großflächige Photovoltaikanlage, Betonkernaktivierung sowie einen Eisspeicher für die Kälteversorgung.

Auch der Werkstoff Holz soll zum Einsatz kommen. Wie die NÖM mitteilt, wird der neue Bürotrakt in Holzbauweise realisiert und eine begrünte Dach- und Fassadenstruktur soll folgen. Mit der Investition setzt der Milchverarbeiter auf Fortschritt sowie Wachstum und sichert Arbeitsplätze.von Artur Riegler

Ordentliche Gewinne für Beter Leven-Mäster

Das Tierwohlprogramm Beter Leven zählt zu den etabliertesten Qualitätssiegeln im niederländischen Lebensmitteleinzelhandel. Davon profitieren auch die teilnehmenden Schweinehalter. Nach Auswertungen der Erzeugergenossenschaften Zuidoost Salland und CAV Den Ham halten diese Betriebe spürbar mehr Geld pro Schlachtschwein über, als ihre konventionell wirtschaftenden Mästerkollegen.
Wie das niederländische Fachmagazin Boerderij berichtet, rechneten die Experten aus, dass ein Beter Leven-Betrieb nach Abzug der Futterkosten im bisherigen Jahresverlauf im Schnitt auf einen Erlös von 176 € pro Mastplatz/Jahr kommt. Die konventionellen Erzeuger liegen hier rund 50 € niedriger.
Das hängt vor allem damit zusammen, dass der Tierwohlaufschlag zu Jahresbeginn um 6 bis 7 Cent pro Kilo Schlachtgewicht erhöht wurde. Zudem ist das Angebot an Beter Leven-Schweinen knapp, und die Schlachthöfe zahlen weitere Aufschläge. Im günstigsten Fall erhält der Erzeuger so einen Bonus von rund 20 Cent pro kg SG

Internationale Schweinepreise KW 46

USA: Die Erzeugerpreise in Iowa sind auf 1,59 €/kg SG zurückgefallen. Der Dollarkurs ist mit 1,1575 $ = 1 € schwächer geworden, die Teilstückpreise haben dagegen deutlich angezogen. Die Schlachtzahlen bleiben auf saisonal hohem Niveau. Die Börsenkurse für Dezember 2025 haben sich bei 1,58 €/kg SG stabilisiert. Das hohe Angebot im Vorweihnachtsgeschäft erlaubt kaum Preisspielraum nach oben. Das voraussichtliche Ende des Shutdowns entlastet das In- und Auslandsgeschäft. Für 2026 signalisieren die Börsenkurse steigende Preise.

Brasilien: Die Durchschnittspreise der fünf Notierungsregionen sind mit 1,83 €/kg SG gestiegen, wozu der stärkere Wechselkurs entscheidend beigetragen hat. Der Inlandsmarkt bleibt ausgeglichen. Das Exportgeschäft trägt maßgeblich zur Preisstützung bei. Inwieweit der Absatz in die Philippinen durch die Stürme beeinträchtigt wird, ist noch nicht erkennbar. Der Export nach Japan bleibt mit mehr als 50 % über Vorjahr. Ein Abkommen mit Malaysia erweitert den Absatzmarkt für brasilianisches Schweinefleisch, hinzu kommen Tansania und Surinam.

Russland: Die Durchschnittsnotierungen haben sich nach dem zurückliegenden Auf und Ab bei 2,07 €/kg SG stabilisiert. Der Wechselkurs ist mit 94,06 Rubel = 1 € schwächer geworden. Die Inlandsnachfrage bleibt unverändert. Die Exporte haben zugenommen und sollen 2025 die Marke von 400.000 t erreichen. Insgesamt führt Russland Fleisch jeglicher Art in Höhe von 1 Mio. t aus. Vor 15 Jahren war Russland noch Netto-Importeur in gleicher Höhe.

China: Die Preise für Schweinefleisch sind mit 2,07 €/kg SG gestiegen. Die saisonal steigende Nachfrage des Vor-Neujahrsgeschäfts setzt sich durch. Die Kursnotierungen an der Börse in Dalian sind nicht verfügbar. Die Erwartungen richten sich auf steigende Nachfrage bis Ende Januar 2026, dem chinesischen Neujahrsgeschäft. Danach fällt die Nachfrage üblicherweise deutlich zurück. Hoffnungen auf bessere Preise für 2026 hängen vom Abbau der hohen Schweine- und Sauenbestände ab.

Selbstbedienung:18 Mal im Hofladen geklaut – Junger Mann mit vollem Rucksack erwischt

Nach zahlreichen Diebstählen wurde ein 16-Jähriger in Kärnten gefasst – er hatte Lebensmittel aus einem Hofladen gestohlen.

Wiederholt haben sich in Villach in Kärnten in Österreich in den letzten Wochen Diebstähle aus einem Selbstbedienungs-Hofladen ereignet. Am Dienstag, den 11. November, gelang schließlich die Festnahme des Täters. Die Polizeibeamten gingen im Nahbereich des Selbstbedienungsladens Streife und kontrollierten dabei einen jungen Mann aus Villach. Der 16-Jährige habe sich gerade mit einem Rucksack von dem Geschäft entfernt, berichtet die Landespolizeidirektion Kärnten.

Die Beamten durchsuchten den Rucksack des Jugendlichen und fanden darin mehrere abgepackte Lebensmittel. Diese stammten eindeutig aus dem betreffenden Laden, wie die Polizei erklärt. Allerdings habe der Junge leider keinen Kaufnachweis für die Produkte erbringen können.

Der 16-jährige Dieb gab im Gespräch mit den Beamten schließlich zu, die Artikel gestohlen zu haben. Zudem hätte er in den vergangenen Wochen insgesamt 17 weitere gleichartige Diebstähle von Lebensmitteln begangen. Die Produkte hatten einen Gesamtwert von mehreren hundert Euro, so die Polizei. Der Jugendliche sei nun bei der Staatsanwaltschaft angezeigt worden. von Eva Eckinger

Na endlich – EU entlastet Landwirte ab 2026 deutlich: weniger Regeln, mehr Geld

Die EU hat sich auf eine Vereinfachung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) verständigt. Mit diesen Entlastungsmaßnahmen können Landwirte jetzt rechnen.

Im Trilog haben sich die Verhandlungsführer des EU-Parlaments, des EU-Rates und der EU-Kommission unter der dänischen Ratspräsidentschaft gestern Abend (10. November) auf einige Vereinfachungen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) geeinigt. Die vorläufige Einigung über das sogenannte „Omnibus III“-Paket passt Vorschriften an und dürfte Landwirte spürbar entlasten.

Das Vereinfachungspaket soll Bürokratie abbauen, Rechtssicherheit schaffen und den Mitgliedsländern mehr Spielraum bei der Umsetzung der GAP ermöglichen.

Ein zentrales Anliegen des Parlaments war es, Landwirten mehr Spielraum bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen zu geben. So gilt künftig: Flächen, die am 1. Januar 2026 als Ackerland eingestuft sind, behalten diesen Status, auch wenn sie nicht regelmäßig gepflügt oder neu eingesät werden.

Mitgliedsländer können dabei selbst entscheiden, ob sie am bisherigen System festhalten, nachdem alle 5 oder 7 Jahre gepflügt werden muss, oder diese rechtssichere Stichtagsregelung anwenden, bei der Flächen ihren Ackerstatus dauerhaft behalten, auch wenn sie mehrjährig als Weide oder für Kleegras genutzt werden. 

„Damit beenden wir den bürokratischen Unsinn, dass Landwirte ihre Flächen pflügen müssen, nur um eine EU-Vorgabe zu erfüllen“, erklärt Christine Singer, Mitglied des EU-Parlaments (Freie Wähler/Renew Europe).

Landwirte mit laufenden Agrarumweltverpflichtungen werden nicht benachteiligt, und wer freiwillig Dauergrünland anlegen möchte, kann dies über eine Opt-Out-Möglichkeit tun.

Eine Bodenbearbeitung in phytosanitären Notfällen, etwa bei Stolbur oder Drahtwürmern, wird mit einer GLÖZ 5-Ausnahme möglich sein. Dafür wird der Artikel 13 der Verordnung (EU) 2021/2115 ergänzt, wonach künftig auch Pflanzenkrankheiten und Schädlingsbefall berücksichtigt werden können.

Biobetriebe, die sich in der Umstellung befinden, erhalten künftig denselben Status wie zertifizierte Biobetriebe. Sie gelten damit für die GLÖZ-Standards 1, 3, 4, 5, 6 und 7 als konform. „Es war uns wichtig, hier Fairness zu schaffen“, erklärt Singer. „Umstellungsbetriebe erfüllen dieselben Auflagen wie Biobetriebe – also verdienen sie auch dieselbe Vereinfachung.“

Betriebe sollen weiterhin nur einmal jährlich kontrolliert werden. Auch für kleinere und mittlere Betriebe mit Ackerbau gibt es Entlastungen: Für Betriebe mit 10 bis 30 Hektar Ackerfläche sollen künftig keine Kontrollen und Sanktionen mehr im Rahmen von GLÖZ 7 (Fruchtwechsel) erfolgen.

Laut einer ersten Einschätzung der Kommission könnten die Maßnahmen jährliche Einsparungen von bis zu 1,6 Milliarden Euro für Landwirte und mehr als 200 Millionen Euro für die Verwaltungen der Mitgliedstaaten bewirken.

Höhere Unterstützung für kleine Betriebe und Krisenfälle

Die Obergrenzen für die Unterstützung kleiner Betriebe werden angehoben:

  • Die jährliche Zahlung steigt auf bis zu 3.000 Euro (statt bisher 2.500 Euro).
  • Für die betriebliche Entwicklung wird eine einmalige Förderung von bis zu 75.000 Euro möglich (zuvor 50.000 Euro).

Darüber hinaus können Mitgliedstaaten künftig Krisenzahlungen an aktive Landwirte leisten, die von Naturkatastrophen, extremen Wetterereignissen oder anderen katastrophalen Ereignissen betroffen sind. Damit soll die Fortführung der landwirtschaftlichen Tätigkeit sichergestellt werden.

Für die dänische Ratspräsidentschaft war die Vereinfachung der GAP ein zentrales Anliegen. Sie betont, dass der Abbau unnötiger Regeln und zusätzlicher Arbeit für Landwirte entscheidend sei, um den Agrarsektor zu stärken.

Das vorläufige Übereinkommen muss nun noch vom Rat und vom Europäischen Parlament formell bestätigt werden, bevor die neuen Regelungen in Kraft treten. Hoffenlich…… von Madeline Düwert

Regionaler Einkauf: Lässt Totschnig die Zügel locker?

Offenbar will Agrarminister Totschnig die Einkaufskriterien für öffentliche Kantinen aufweichen. Das sorgt für heftige Kritik.

Regionaler und nachhaltige einkaufen. Zum Vorteil der heimischen Landwirte. Das wollte zumindest bisher die Regierung mit ihrem nationalen Aktionsplan „nachhaltige Beschaffung“ erreichen. Dieser gab Richtlinien für öffentliche Kantinen beim Einkauf von regionalen und ökologisch erzeugten Lebensmitteln konkrete Zielwerte vor. Nun zeichnet sich offenbar eine Kehrtwende ab. Die grüne Agrarsprecherin Olga Voglauer wirft dem Bundesagrarminister Norbert Totschnig (ÖVP) eine „Demontage“ der nachhaltigen Lebensmittelbeschaffung vor. „Das ist eiskalter Verrat an heimischer Landwirtschaft“, wettert Voglauer.

So wie immer, groß ankündigen und dann Rückzug …….

So wie immer: Handelskrieg im Schweinestall

Josef Kaiser, Obmann Styriabrid, blickt in die Branche – während in Brüssel über „Industrie­politik“ philosophiert wird, kämpfen ­österreichische Bauern ums Überleben.

Ihre Autoindustrie behandelt die EU wie ein heiliges Kalb: Jede Konkurrenz wird mit Zöllen, Subventionen und politischen Schutzschirmen ferngehalten. Wer das bezweifelt, muss nur auf die jüngsten Strafzölle gegen chinesische Elektroautos blicken. Doch während Brüssel die Autohersteller in Watte packt, werden in anderen Branchen Existenzen geopfert. So tragen auch Branchen, die mit Autos nichts zu tun haben, die Kosten – etwa die österreichischen Schweinebauern.

China reagiert auf die Zölle mit Gegenschlägen gegen die europäische Landwirtschaft. Schweinefleisch steht ganz oben auf der Liste. Offiziell treffen die neuen Zölle vor allem Spanien, Dänemark und die Niederlande. Doch längst sind auch deutsche und österreichische Betriebe mit Abgaben von bis zu 60 % konfrontiert. Das ist kein geordneter Handelskonflikt mehr, das ist wirtschaftliche Willkür – und sie zerstört Märkte, Existenzen, Lebensgrundlagen.

Österreich zählt rund 18.000 Schweinehalter mit 2,6 Mio. Tieren. Etwa 15 % der Produktion geht in den Export, der Handel mit China war ein wichtiger Teil davon. Seit den Zöllen ist der Schweinepreis um 43 Cent (von 2,07 auf 1,64 €) zurückgegangen – ein Rückgang, der für viele Landwirte den Unterschied zwischen Kostendeckung und Verlust bedeutet. Futter, Energie und Auflagen bleiben teuer, die Margen sind längst aufgezehrt. Wer da von „Wettbewerbsgleichheit“ spricht, verspottet die Realität am Land.

Während in Brüssel über „Industriepolitik“ philosophiert wird, kämpfen ­österreichische Bauern ums Überleben. Sie haben weder an der Elektromobilitätsstrategie der EU mitgeschrieben noch entscheiden sie über Zölle – aber sie ­zahlen die Rechnung. Die europäische Handelspolitik manövriert sie in Geiselhaft einer Großmachtpolitik, die auf dem Rücken der Landbevölkerung ausgetragen wird.

Wer die Zukunft Europas sichern will, darf nicht nur den Motor der Industrie ölen, sondern muss auch jene stützen, die das Land ernähren. Die Politik hat vergessen, dass man sich von Elektroautos nichts zu essen kaufen kann. Wenn diese Erkenntnis erst in Brüssel ankommt, könnte es für viele Bauern schon zu spät sein. Ohne faire Bedingungen für die Landwirtschaft ist jede Wirtschaftspolitik hohl – und jeder Strafzoll am Ende ein Schuss ins eigene Stalltor. von Roland Pittner

„Die EU muss fairen Schutz für bäuerliche Betriebe in Handelskonflikten verankern.“ Josef Kaiser, Obmann Styriabrid

Es geht um die Wurst-Krise geht weiter: Erneut Ausverkauf einer deutschen Traditionsfirma

Die Schweizer Bell Food Group übernimmt den deutschen Schinkenspezialisten Hermann Wein GmbH & Co KG aus Freudenstadt in Baden-Württemberg. Das gab die Bell Group jetzt bekannt.

Die Übernahme soll im Frühjahr 2026 vollzogen werden, vorausgesetzt die Wettbewerbsbehörden stimmen zu. Über die Einzelheiten der Transaktion, wie etwa den Kaufpreis für den Asset Deal, wurde Stillschweigen vereinbart. Damit verliert ein weiterer deutscher Hersteller der Wurst- und Fleischbranche seine Unabhängigkeit.

Die Wurzeln des Familienunternehmens Wein gehen zurück bis ins Jahr 1966. Damals legte Hermann Wein mit nicht mehr als einem alten Familienrezept, einer Räucherkammer und dem Wunsch, den besten Schwarzwälder Schinken herzustellen, den Grundstein der Firma. Die Nachfrage war so groß, dass bereits ein Jahr nach der Gründung drei weitere Räucherkammern hinzugebaut wurden. 

Seit 2011 leitet Hermann Weins Enkel Andreas Hofer zusammen mit Eberhard Kappler die „Schwarzwälder Genussmanufaktur Wein“. Jährlich stellt das Unternehmen 3 Millionen Schinken mit dem EU-Gütezeichen „geschützte geographische Angabe“ und viele weitere Spezialitäten her.

Die Bell Group gab zusammen mit der Übernahme des Schinkenherstellers weitere strukturelle Veränderungen im Konzern bekannt. Der Geschäftsbereich Hügli, der auf haltbare Convenience-Produkte für Handel, Food Service und Lebensmittelindustrie spezialisiert ist, verlagert seine Produktion mittelfristig aus Redditch in Großbritannien auf die Werke in Radolfzell am Bodensee und Zàsmuky in Tschechien. Der Betrieb in Redditch soll stillgelegt werden. Davon sind rund 80 Arbeitsplätze betroffen.

Außerdem richtet Bell seinen Geschäftsbereich Eisberg, der frische Schnittsalate, Früchte und darauf basierende Convenienceprodukte herstellt, auf Deutschland, Österreich und die Schweiz (DACH) aus. Nach dem Verkauf der Produktionsstandorte in Polen, Ungarn und Rumänien wird das Betriebskonzept des österreichischen Standorts Marchtrenk (AT) überarbeitet, um die Profitabilität zu steigern.

Die Bell Food Group produziert Fleisch, Geflügel, Charcuterie, Seafood sowie Convenience und vegetarische Produkte. Bekannte Marken sind Bell, Hubers, Eisberg, Hilcona und Hügli. Rund 13.000 Mitarbeitende erwirtschaften einen Jahresumsatz von über 4,7 Mrd. Schweizer Franken oder umgerechnet gut 5 Mrd. Euro. von Norbert Lehmann

Nicht mehr mehr real -Bauern schuften, andere kassieren – Studie zeigt Preis-Ungleichheit

Weder Preisdeckel noch Mehrwertsteuersenkungen oder populistische Schuldzuweisungen können laut Wifo Preisprobleme lösen. Besser wären mehr Transparenz, faire Marktbedingungen und ein stärkeres Bewusstsein für regionale Wertschöpfung.

Wien – Die Debatte um Lebensmittelpreise in Österreich reißt nicht ab. Oftmals verläuft diese laut, emotional und faktenfern. Für mehr Klarheit sorgt nun eine neue Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo). Beginnend mit dem Jahr 2022 trugen die rasant gestiegenen Preise für Lebensmittel maßgeblich zur hohen Inflation bei.

Gleichzeitig zeigt sich, dass der Einfluss der Agrarrohstoffe an den Preisänderungen tendenziell abnimmt. Laut Wifo reicht der Verweis auf die Rohstoffpreise nicht aus, um den Preisanstieg von Gütern im Lebensmittelhandel zu begründen. Der Anteil der Bauern am Endpreis liegt laut Wifo meist unter 10 % – bei Brot sogar nur bei rund 5 %. Hingegen hat der Anteil von Transportkosten und Löhnen in diesem Zeitraum zugenommen.

schaft gerade einmal 18 Cent netto oder 5,4 % des durchschnittlichen Endverbraucherpreises von 3,40 €, rechnete LK-Steiermark-Präsident Andreas Steinegger bezugnehmend auf die Wifo-Studie vor. Um Preistreiber zu ermitteln, fordert die Landwirtschaftskammer volle Transparenz in der gesamten Wertschöpfungskette. Vorstellbar wäre ein Preismonitoring nach französischem Vorbild. Ebenso wichtig sind Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie, faire Vertragsbedingungen mit dem Handel und die konsequente Umsetzung nachhaltiger Beschaffungsrichtlinien im öffentlichen Bereich.

„Die Landwirtschaft steht am Anfang der Wertschöpfungskette – aber am Ende der Gewinnverteilung im Lebensmittelsektor“, ergänzte dazu LK-OÖ-Präsident Franz Waldenberger im Rahmen einer Pressekonferenz. Laut Wifo-Ökonom Franz Sinabell blendet die Diskussion um „zu teure Lebensmittel“ aus, dass hochwertige, sichere und regionale Produkte ihren Preis haben müssen. Österreich liegt bei Lebensmittelpreisen im europäischen Mittelfeld, bietet aber überdurchschnittliche Qualität, hohe Standards und einen großen Bioanteil. Mit einem Anteil von nur rund 10 % ihrer Haushaltsausgaben für Lebensmittel zählen Österreicher zu den am wenigsten belasteten Konsumenten in der EU.

Mehr als 90 % der Wertschöpfung erfolgen im nachgelagerten Bereich. Während dort Gewinne erwirtschaftet werden, können Landwirte steigende Produktionskosten kaum weitergeben. Dieses strukturelle Ungleichgewicht gefährdet langfristig die Versorgungssicherheit.

„Die Versorgungssicherheit beginnt am Feld, und sie endet dort, wo der Bauer aufgeben muss, weil sich die Arbeit nicht mehr lohnt“, warnte Waldenberger. Die Position der Landwirte in der Wertschöpfungskette zu stärken, ist zwar ein erklärtes Ziel der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Mit einer möglichen Kürzung des künftigen Agrarbudgets würde diesem Ziel ein „Bärendienst“ an den heimischen Lebensmittelproduzenten erwiesen.

Als zentraler Akteur trägt auch der Lebensmitteleinzelhandel Verantwortung gegenüber den Lebensmittelproduzenten. Das Versprechen von Rewe-Chef Marcel Haraszti in der ORF-2-Sendung „Das Gespräch“, dass bei niedrigen Weltmarktpreisen auch die Preise für Fleisch, Obst und Gemüse sowie Milchprodukte in den Märkten fallen, ließ zuletzt aufhorchen.

Verdeutlicht wird das einmal mehr am Beispiel des Milchmarktes. So ist beispielsweise nach einer relativ stabilen Entwicklung über die Sommermonate der Milchpreis wieder unter Druck geraten. Weil sich die Molkereien auf die Marktlage preislich einstellen müssen, wird die Lage letztlich auch für die Bauern schwieriger. Heimische Milchverarbeiter reagierten bereits mit Abschlägen von bis zu 3 Cent pro Kilogramm. Mittelfristig ist aber noch keine Trendwende zu erwarten.

Niedrigere Milchpreise schwächen die Kaufkraft der Bäuerinnen und Bauern. Auf den Betrieben wird deshalb weniger in den Hof oder in Maschinen und Geräte investiert. Darauf machte der Obmann des Unabhängigen Bauernverbands (UBV), Karl Keplinger, aufmerksam und wies gegenüber dem Wochenblatt darauf hin, dass sich die Verbraucher bei ihrem Einkauf von Butter oder Milch nur nur geringe Eurobeträge im Monat sparen. Es fehle an der Verhältnismäßigkeit, vergleicht man den niedrigen Preis für ein Stück Butter mit jenem einer Packung Zigaretten. Kürzungen der Ausgleichszahlungen sowie weitere Handelsabkommen mit Drittstaaten würden den Ruin der heimischen Landwirtschaft, so wie wir sie kennen, bedeuten, ist sich der UBV-Obmann sicher. von Artur Riegler