Hannes Blog

Neues aus der Landwirtschaft

Hohe Düngemittelpreise

Angesichts massiv gestiegener Produktionskosten brachte Österreichs Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig am Montag beim Agrarministerrat in Brüssel eine Entlastungsinitiative zu den hohen Düngemittelpreise ein. Diese machen laut Ministerium bis zu 30 % der Produktionskosten landwirtschaftlicher Betriebe aus und setzen viele Höfe wirtschaftlich unter Druck.

Totschnig sieht die Ursachen unter anderem in bestehenden Importzöllen sowie im neuen CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM), der die Preise zusätzlich verteuere. Klimaschutz dürfe nicht zulasten der ersorgungssicherheit oder der Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft gehen, betonte der Minister.

Maßnahmenpaket mit mehr Transparenz

Konkret fordert Österreich ein Maßnahmenpaket auf EU-Ebene: Dazu zählen eine vorübergehende Aussetzung von CBAM für Düngemittel, ein fairer Ausgleich für die daraus entstehenden Wettbewerbsnachteile der Landwirtschaft sowie mehr Transparenz am Düngemittelmarkt.

Zudem sollen Antidumping- und Meistbegünstigungszölle zeitlich befristet ausgesetzt und künftige EU-Maßnahmen verpflichtend auf ihre Auswirkungen auf die Landwirtschaft geprüft werden.

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Konkrete Forderungen im Agrarrat


Vorübergehende Aussetzung des CO₂-Grenzausgleichs (CBAM) für Düngemittel bis die Funktionsfähigkeit sichergestellt ist.

Fairer Ausgleich für Wettbewerbsnachteile: Während CBAM die europäische Düngemittelindustrie richtigerweise schützt, werden die zusätzlichen Kosten direkt auf die Landwirtinnen und Landwirte abgewälzt. Daher ist ein Mechanismus notwendig, der die Landwirtschaft für diesen Wettbewerbsnachteil entschädigt.

Mehr Transparenz am Düngemittelmarkt: Österreich fordert eine gemeinsame EU-Strategie zur Sicherung der Düngemittelversorgung, zur Verbesserung der Markttransparenz und zur Gewährleistung eines fairen Wettbewerbs.

Verpflichtende Folgenabschätzung für die Landwirtschaft: Künftige EU-Maßnahmen müssen im Hinblick auf die Auswirkungen für die Landwirtschaft geprüft werden.

Vorübergehende Aussetzung von Zöllen: Neben dem CO₂-Grenzausgleich verschärfen auch Meistbegünstigungs- sowie Antidumpingzölle den Preisdruck. Diese Zölle sollen vorübergehend ausgesetzt werden.

„Leistbare Betriebsmittel sind eine Grundvoraussetzung für eine wettbewerbsfähige und nachhaltige EU-Landwirtschaft“, sagte Totschnig. Nur mit fairen Rahmenbedingungen könne die Lebensmittelversorgung langfristig gesichert werden.

Kritik von den Grünen

„Anstatt die Preise für Düngemittelimporte zu drücken, sollten die EU-Agrarminister besser dafür sorgen, dass Europas Bäuerinnen und Bauern dabei unterstützt werden sich von diesen Abhängigkeiten zu befreien“, erklärte die Grüne Landwirtschaftssprecherin in Österreich, Olga Voglauer. Ausgleichszölle für importierte, energieintensiv erzeugte Düngemittel zu senken, sei der falsche Weg.

Gerade in der aktuellen geopolitischen Lage „ist es nötig, dass wir uns von Düngemittelimporten weitestgehend befreien, anstatt Preise für importierten Dünger so weit wie möglich zu drücken“, sagte Voglauer. von Roland Pittner

Schweinemarkt stabilisiert sich in Deutschland: Hoffnung auf Preissteigerung im Februar und in ÖSTEREICH ?

Der Schweinemarkt in Deutschland steht unter Druck, da er mit den Überhängen vom Jahreswechsel zu kämpfen hat. Während der Preis für Ferkel mit 35 Euro pro Tier auf ein langjähriges Tief gefallen ist, scheint der Marktpreis für Schlachtschweine bei 1,45 Euro pro Kilogramm Schweinegewicht einen Boden gefunden zu haben.

Marktsituation und Herausforderungen

Nach den Feiertagen zeigt sich die Fleischnachfrage traditionell schwächer. Diese Saisonalität wird durch Trends wie den „Veganuary“ verstärkt, bei dem viele Menschen im Januar bewusst auf Fleisch verzichten. Zusätzlich gibt es ein Überangebot an Fleisch aufgrund gestiegener Schweinebestände und höherer Schlachtgewichte in Deutschland. Besonders problematisch sind jedoch die Exportprobleme in Spanien aufgrund eines ASP-Falls im November, wodurch etwa 40 Prozent der Exporte außerhalb der EU beeinträchtigt sind.

Laut Branchenbeobachtern spürt man vor allem in Osteuropa die Konkurrenz aus Spanien stark. Dies trägt zur aktuellen Preismisere auf dem deutschen Schweinemarkt bei.

Aussichten für eine Erholung

Trotz der derzeitigen Übersättigung des Marktes gibt es auch positive Signale. Experten betonen, dass die niedrigen Preise den europäischen Schweinemarkt wettbewerbsfähig machen könnten. Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel intensiviert zudem seine Bemühungen zur Bewerbung von Schweinefleisch, was den Absatz ankurbeln könnte.

Ein Branchenexperte äußerte die Hoffnung, dass sich die Preise im Februar erholen könnten, da die Nachfrage saisonal bedingt ansteigen sollte.

Ferkelmarkt: Einbruch und Stabilisierung

Der Ferkelmarkt hat das neue Jahr enttäuschend begonnen, da die normalerweise ab Ende November steigenden Notierungen in diesem Jahr ausblieben. Der Preisrückgang auf 35 Euro je 25 kg Ferkel bedeutet erhebliche Verluste für Sauenhalter. Dennoch zeigt sich eine Stabilisierung bei den Zuchtsauenbeständen in Deutschland, mit einem leichten Anstieg von 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Das größere Hindernis bleibt jedoch die Zurückhaltung der Mäster, für Einstalltiere hohe Preise zu zahlen. Dies könnte sich ändern, sobald sich eine Verbesserung des Marktes für Schlachtschweine abzeichnet.

Zukunftsperspektiven

Ein Branchenkenner sieht Licht am Ende des Tunnels: Mit weniger Importen aus Dänemark und den Niederlanden sowie stabilen Futterkosten könnte sich der Ferkelmarkt bald erholen. Sobald ein Aufwärtsimpuls bei den Schlachtschweinen erkennbar ist, könnte dies auch die Nachfrage nach Ferkeln ankurbeln.

Trotz aller Herausforderungen bleibt die Hoffnung bestehen, dass der Markt für Schweinefleisch sowohl national als auch international wieder an Dynamik gewinnt. agrarwelt

Bayern und Österreich rücken in der Agrarpolitik enger zusammen und haben die gleichen Sorgen

Gemeinsame Daten, gemeinsames Vorgehen: Bayern und Österreich wollen EU-Politik so gestalten, dass alpine Familienbetriebe in Landwirtschaft und Forst wirtschaftlich und ökologisch bestehen.

Bayern und Österreich stärken ihre grenzüberschreitende Zusammenarbeit zur Sicherung eines nachhaltigen alpinen ländlichen Raums. Insbesondere die Absicherung einer zukunftsfähigen Land- und Forstwirtschaft ist dabei von zentraler Bedeutung. Eine entsprechende Absichtserklärung haben Bayerns Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus, Michaela Kaniber und der Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, Norbert Totschnig, bei einem Treffen auf der Grünen Woche in Berlin unterzeichnet.

„Die Absichtserklärung ist ein wichtiger Schritt, um die besonderen Gegebenheiten unserer beiden Länder stärker in europäische Entscheidungen einzubringen. Bayern und Österreich haben eine klwinstrukturierte, familiengeführte Landwirtschaftt, die genau das liefert, was sich viele Verbraucher wünschen: verantwortungsvoll, nachhaltig und regional verankert. Damit diese Betriebe im Wettbewerb bestehen und gleichzeitig Umwelt- und Klimaschutz gerecht werden können, brauchen sie klare Rahmenbedingungen. Für den gemeinsamen Einsatz und die verlässliche Partnerschaft danke ich Bundesminister Totschnig ausdrücklich“, sagte die bayerische Staatsministerin Michaela Kaniber.

Österreichs Bundesminister Norbert Totschnig betont zusätzlich: „Österreich steht für eine vergleichsweise kleinstrukturierte Landwirtschaft mit einer einzigartigen Kulturlandschaft. Um diese zu erhalten, sind starke Verbündete besonders wichtig. Auch Bayern ist von bäuerlichen Familienbetrieben geprägt, weshalb wir unsere gute Zusammenarbeit künftig weiter verstärken. Die unterzeichnete Absichtserklärung schafft den Rahmen, um die gemeinsamen Ziele für einen resilienten und zukunftsfähigen Alpenraum umzusetzen.“

Ebenfalls unterschrieben wurde diese Erklärung von Tirols Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler. Das Bundesland Tirol hat aktuell den Vorsitz in der Landeshauptleutekonferenz inne. Er erklärt: „Damit setzen wir uns klar für ein grenzüberschreitendes und abgestimmtes Vorgehen in der EU-Politik ein. In den Bereichen Landwirtschaft, Naturschutz und Klima stehen wir vor ähnlichen Problemstellungen – ihnen gemeinsam zu begegnen, ist entscheidend, um die alpinen Gegebenheiten praxisnah zu berücksichtigen.“

Mit der Erklärung verbunden ist der kontinuierliche Austausch zwischen den Fachleuten der vertretenen Institutionen. Im Fokus der informellen Kooperation stehen das Monitoring und die Datenbestände sowie Methodenfragen und mögliche Umsetzungsmaßnahmen im Bereich der Naturschutz- und Klimapolitik der EU. Das betrifft etwa die Bewertung des Erhaltungszustandes von Lebensräumen (Stichwort EU-Renaturierungsverordnung) sowie ökonomische, ökologische und soziale Auswirkungen. Diese Grundlagen sollen in weitere politische Entscheidungsprozesse einfließen, damit die spezifischen Gegebenheiten und Herausforderungen der alpinen Regionen auch auf europäischer und globaler Ebene angemessen berücksichtigt werden. von Anja Rose

ASP in Spanien: Katalanische Schweinehalter machen ennorme Verluste

Die ASP ist im November 2025 bei Wildschweinen im Nordosten Spaniens festgestellt worden – seitdem erleiden die Schweinehalter vor Ort hohe Verluste©Pixabay

Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen in Katalonien hat spürbare wirtschaftliche Folgen für die katalanischen Schweinehalter. Laut Angaben der Unió de Pagesos sollen sich die Verluste für den Schweinesektor aufgrund des ASP-Ausbruchs von dessen Feststellung bis zum Jahresende auf 63 Millionen Euro belaufen.

Im November 2025 wurde die Afrikanische Schweinepest (ASP) erstmals seit 1994 im Schwarzwildbestand in Katalonien (Spanien) festgestellt. Aufgrund des ASP-Ausbruchs haben die katalanischen Schweinehalter bis Ende 2025 Verluste in Höhe von 63 Millionen Euro erlitten. Das berichtet das Fachportal Euromeatnews.com und bezieht sich dabei auf aktuelle Berechnungen der Unió de Pagesos, dem größten Bauernverband Kataloniens. Demnach soll der Umsatz in den Monaten November und Dezember letzten Jahres um 17 % zurückgegangen sein. Der spanische Schlachtschweinepreis war bereits in den Monaten vor dem Ausbruch gefallen und ist seitdem weiter rapide gesunken.

Auswirkungen auf Tiertransport und Export von Schweinefleisch

Seit Ende November 2025 wurden im infizierten Gebiet in der Nähe von Barcelona insgesamt 60 ASP-Fälle bei Wildschweinen gemeldet. In den 57 schweinehaltenden Betrieben im Umkreis von 20 km um das infizierte Gebiet wurden ebenfalls umfangreiche Tests durchgeführt. Hier wurde kein Fall festgestellt. Dennoch hat der Ausbruch zu Verbringungsbeschränkungen für insgesamt 61.500 Schweine (10 % des Gesamtbestands in der Provinz Barcelona) geführt und trotz der Einführung verschiedener Regionalisierungsabkommen erhebliche Auswirkungen auf den Export, insbesondere nach China.

Der neue Irrsinn-Chinas Legehennenprojekte: 10 Mio. Hennen und neue XXL-Ställe

In der südchinesischen Provinz Guangxi wird ein ambitioniertes Projekt im Bereich der Eierproduktion realisiert, das die Kapazitäten der Branche erheblich erweitern soll. Das Agrarunternehmen Tong Fa Animal Husbandry verfolgt mit Hochdruck den Ausbau eines der größten Legehennenprojekte Chinas. In einer ersten Phase plant das Unternehmen, eine Jahreskapazität von 2,7 Millionen Legehennen und 900.000 Junghennen zu erreichen.

Für die Umsetzung des Projekts ist ein Investitionsvolumen von umgerechnet rund 82,5 Millionen Euro vorgesehen. Der Bau erfolgt in zwei Phasen, was es dem Unternehmen ermöglicht, die Kapazitäten schrittweise zu erweitern. Diese strategische Herangehensweise zielt darauf ab, die industrielle Eierproduktion effizient und nachhaltig zu steigern.

Tong Fa setzt auf standardisierte XXL-Ställe für Legehennen, ergänzt durch eine umfassende betriebliche Infrastruktur. Geplant sind Anlagen zur umweltgerechten Verarbeitung von Geflügelmist sowie Lagerflächen für Betriebsmittel. Auch Sortier- und Verpackungseinrichtungen für Eier sollen errichtet werden. Diese Informationen beziehen sich auf Angaben des Unternehmens, die von der Landwirtschaftsberaterin Doris Zhang über LinkedIn veröffentlicht wurden.

Nicht nur in Guangxi, sondern auch in weiteren Regionen Chinas expandiert Tong Fa Animal Husbandry. In Lingbi in der Provinz Anhui entsteht ein weiterer Betrieb mit Platz für 1,5 Millionen Tiere. Zusätzlich ist in Bijie, Guizhou, ein Standort für 1,1 Millionen Legehennen und 600.000 Junghennen geplant. Mit diesen Projekten strebt Tong Fa an, innerhalb weniger Jahre eine Gesamtkapazität von 10 Millionen Legehennen landesweit zu erreichen.

Ziel des Unternehmens ist es, seine Marktposition im chinesischen Eiergeschäft signifikant auszubauen und langfristig zu sichern. Diese Wachstumsstrategie zeigt den hohen Stellenwert der industriellen Eierproduktion in China und reflektiert den zunehmenden Bedarf an strukturierten und effizienten Produktionsmethoden in der Landwirtschaft. Da ist man sprachlos ………

EU-Zölle auf Mais und Soja

Nachdem am Samstag (17.1.) das Mercosur-Handelsabkommen unterzeichnet worden war, bestand zumindest kurzfristig die Aussicht auf eine Atempause in den Diskussionen um den Kurs der europäischen Handelspolitik. Zerschlagen hat diese Hoffnung die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, im Konflikt um Grönland gegen acht europäische Länder – darunter sechs EU-Staaten wie Deutschland und Frankreich – neue Strafzölle erheben zu wollen.

Der Generalsekretär des Europäischen Verbands der Futtermittelhersteller (FEFAC), Alexander Döring, zeigt sich im Gespräch mit AGRA Europe besorgt, dass das im vergangenen Sommer vorläufig bis zum 6. Februar ausgesetzte Gegenzollpaket reaktiviert werden könnte. Das Paket umfasst Waren im Wert von 93 Mrd. Euro. Döring äußert die Befürchtung, dass die darin aufgelisteten Zölle unter anderem auf Soja und Mais seinem Sektor und im Anschluss den Veredlern durch potenziell steigende Futtermittelpreise das Leben erschweren könnten. Gerade die Situation beim Mais macht dem FEFAC-Generalsekretär sorgen. Hier seien die USA nach der Ukraine der wichtigste Lieferant für die Europäische Union.

Genug Soja auf dem Weltmarkt

Weniger beunruhigt zeigte sich der Getreidemarktreferent des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV), Guido Seedler. „Da die Brasilianer 2025 eine Soja-Rekordernte eingefahren haben, sehen wir ausreichend Mengen auch für den europäischen und deutschen Markt vorhanden“, erläuterte Seedler auf Anfrage von AGRA Europe. Die Gefahr von Versorgungsengpässen für Deutschland und Europa schätzt er gegenwärtig als gering ein. Zu beobachten sein werde allerdings, ob die Chinesen ihr Einkaufsverhalten änderten und künftig wieder stärker auf US-amerikanisches Soja setzten.

„Europa importiert durchschnittlich 14 bis 15 Mio. Tonnen Soja pro Jahr – davon rund ein Drittel aus den USA. Damit ist die EU hinter China – circa 110 Mio. Tonnen – der zweitgrößte Soja-Importeur der Welt“, erklärte Seedler. Die größten Anbieter von Sojabohnen seien Brasilien und die USA. Aktuell bezögen die Chinesen nahezu ausschließlich brasilianisches Soja und eher geringe Mengen aus den USA. Der DRV-Getreidemarktreferent sieht daher für die Vereinigten Staaten die Gefahr, dass den Farmern als Folge der angedachten Gegenzölle der EU der zweitgrößte Markt für Soja verloren gehen könnte.

Auch Gegenzölle auf Zuchttiere und Gemüse möglich

Neben Soja, Mais und Raps enthält das Gegenpaket der EU unter anderem Zölle auf lebende Zuchttiere wie Kühe und Färsen, Schweine sowie Hühner- und Entenküken aus den Vereinigten Staaten. Auch verarbeitetes sowie unverarbeitetes Rind- und Schweinefleisch aus den USA könnten erfasst werden. Gleiches gilt für frische sowie verarbeitete Gemüse- und Obsterzeugnisse sowie verschiedene Nüsse.

Was entscheiden die Staats- und Regierungschefs?

Ob dieses Gegenzollpaket nach dem 6. Februar angewendet werden soll, dürfte sich beim von Ratspräsident António Costa am Donnerstag (22.1.) einberufenem Sondertreffen der EU-Staats- und Regierungschefs zur Grönland-Frage entscheiden. Das hat zumindest der stellvertretende Chefsprecher der EU-Kommission, Olof Gill, am Montag (19.1.) durchblicken lassen. Am Abend zuvor hatte es bereits ein Treffen der EU-Botschafter gegeben. Teilnehmerkreise berichten gegenüber AGRA Europe, dass verschiedene Szenerien diskutiert worden seien. Auch hier heißt es, dass es nach dem Europäischen Rat mehr Klarheit geben dürfte.

EU-Parlament zögert

Derweil ist aus dem Europaparlament zu hören, dass sich am Mittwoch (21.1.) in Straßburg die Berichterstatter und Schattenberichterstatter für den US-EU-Handelsdeal treffen, um das weitere Vorgehen in dem Gesetzgebungsverfahren zu beraten. Anders als im Rat, der bereits eine eigene Position gefunden hat, zögert das Europaparlament. Aus dem Umfeld einflussreicher Handelspolitiker heißt es, dass nach den jüngsten Drohungen aus Washington ein Abschluss des US-Zolldeals nicht wahrscheinlicher geworden ist.

Laut der im August getroffenen vorläufigen Übereinkunft sollen die Vereinigten Staaten auf die meisten Waren aus der Europäischen Union einen Zollsatz von 15% anwenden. Sollte der Meistbegünstigungszollsatz höher liegen, soll dieser gelten. Den USA sollen derweil weitestgehend 0% eingeräumt werden. AgE

Landwirte zweifeln an Tierwohlmaßnahmen: Praxisferne Lösungsvorschläge?

Der Druck der Öffentlichkeit auf die Schweinehalter, das Tierwohl zu verbessern, nimmt stetig zu. Doch während die Wissenschaft zahlreiche Maßnahmen empfiehlt, um etwa Schwanz- und Ohrverletzungen bei Schweinen zu reduzieren, stehen viele Praktiker diesen Vorschlägen skeptisch gegenüber.

Forscher der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und 23 weitere Partner haben eine Umfrage durchgeführt, um herauszufinden, welche Tierwohlmaßnahmen von Wissenschaftlern und Landwirten unterschiedlich bewertet werden. Insgesamt nahmen 47 Experten und 80 Landwirte aus 16 verschiedenen Ländern an dieser Studie teil. Die Befragten bewerteten 21 Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls auf einer Skala von 0 % (ungeeignet) bis 100 % (sehr geeignet).

Die Ergebnisse zeigen, dass fast alle Maßnahmen von Wissenschaftlern positiver eingeschätzt werden als von den Landwirten. Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet die Gruppengröße von über 40 Tieren: Hier zeigten sich die Wissenschaftler mit nur 18 % Zustimmung kritischer als die Landwirte, die diese Maßnahme mit 30 % Zustimmung bewerteten.

Beide Gruppen waren sich jedoch einig darüber, dass drei Maßnahmen besonders vielversprechend sind: die Verbesserung der Gesundheit in den Herden, eine optimierte Stallklimatisierung und eine qualitativ hochwertige Fütterung. Bei anderen Maßnahmen wie der Lagerung von Gülle unter den Spalten oder dem Einsatz von Stroh als Einstreu zeigten sich deutliche Meinungsverschiedenheiten.

Ein wichtiger Aspekt für die Landwirte ist die Umsetzbarkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen im Alltag. Während wissenschaftliche Experten die Effektivität betonen, legen Landwirte größeren Wert darauf, wie praktikabel diese Vorschläge im täglichen Betrieb sind.

Im Rahmen des EU-Projektes aWISH wird ein Workshop veranstaltet, der am 27. Januar 2026 auf Haus Düsse in Nordrhein-Westfalen stattfindet. Diese Veranstaltung richtet sich an Landwirte sowie Fachleute aus Beratung und Wissenschaft. Geplant sind Fachvorträge, eine Besichtigung des „Stalls der Zukunft“ und Möglichkeiten zum Austausch

Grüne Woche 2026: 100 Jahre und ein bisschen leise

Nachdenkliche Grüne Woche statt Politshow: Während Agrarminister Alois Rainer blass bleibt, sorgt Umweltminister Carsten Schneider mit klaren Zusagen an die Biolandwirtschaft für Gesprächsstoff.

Nein, euphorisch war die Grüne Woche nicht. Es herrschte eher eine nachdenkliche Stimmung. Und das zum 100-jährigen Jubiläum. Zumindest auf den agrarpolitischen Veranstaltungen.

Gründe sind die wirtschaftliche Krisenlage und die fragile weltpolitische Situation. Der andauernde Krieg in der Ukraine und die Bedrohung aus Russland, die Irrungen von US-Präsident Donald Trump und seine unberechenbare Zollpolitik. Die wirtschaftliche Rezession in Deutschland und die Sorge vor weiteren Zuwächsen der in Teilen rechtsextremen AfD im Superwahljahr 2026.

Ohne einen Verweis auf diese fragile Lage kommt kaum eine Veranstaltung auf der Grünen Woche aus. Bauernpräsident Joachim Rukwied ruft beim traditionellen Neujahrsempfang seines Verbandes auf dem Messegelände zum Aufbruch auf, denn mit Pessimismus ließe sich die Zukunft nicht gestalten und kein Unternehmen führen, sagt er. Im Saal erntet er dafür allenfalls höflichen Beifall.

Mehr Zuspruch von ihrer Branche erhält die Vorsitzende der Bioverbände (BÖLW) Tina Andres. Sie spricht davon, dass es in diesen Zeiten gut tue, sich gegenseitig Mut zuzusprechen und zusammenzustehen.

„Wir haben es satt“-Demo verliert an Wucht

Ein wenig deprimiert wirken hingegen die vielen Verbände aus dem Agrarbündnis, die zur Grünen Woche auch 2026 wieder die „Wir haben es satt“-Demonstration mit ausrichten. „Wandel und Widerstand“ und „Haltung zeigen“ lauten ihre Slogans. Sie bemängeln die Rückschritte in der Agrar- und Umweltpolitik auf Bundes- und EU-Ebene. Und scheinen selbst zu merken, dass ihr Protestformat, das vor einigen Jahren noch so gut geklappt hatte, mit der Gewöhnung in die Jahre gekommen ist und an Wucht verloren hat.

Am Samstag nehmen laut Teilnehmerangaben 8.000 Menschen und 40 Traktoren an der Demo teil. Die Polizei hat 5.000 Menschen gezählt. von Stefanie Awater-Esper

Fleischwerke Marcher voll auf Kurs nach oben

Mit Mar­ken wie Loidl, Land­hof, Aibler, Blasko und Sty­ria Beef ist der Fleisch­ver­ar­bei­ter Mar­cher Kon­su­men­ten bekannt. Auch ins­ge­samt sind die Kärnt­ner mit 11 Stand­orten und 1850 Mit­ar­bei­tern der größte hei­mi­sche Fleisch­be­trieb, eine Mil­lion Schweine und 140.000 Rin­der wer­den im Jahr ver­ar­bei­tet.

Doch aktu­ell legt man noch Mus­keln zu. In den letz­ten Jah­ren inve­stierte die Eigen­tü­mer­fa­mi­lie einen sat­ten zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag in die Werke Vil­lach, Graz, Ober­wal­ters­dorf und St. Ste­fan „in Aus­bau der Kapa­zi­tä­ten und Opti­mie­rung der Abläufe, das war schon außer­ge­wöhn­lich,“so Nor­bert Mar­cher, der die Firma mit sei­nen Brü­dern Ger­not und Her­fried lei­tet. „Unsere Kapa­zi­tät ist nun 15-20% der gesam­ten hei­mi­schen Pro­duk­tion von Schwei­nen und Rin­dern.“

Schon im abge­lau­fe­nen Geschäfts­jahr brachte das einen Umsatz­sprung von rund 650 auf über 700 Mio. €. „Ein Teil beruht auf dem gestie­ge­nen Rinds­fleisch­preis, wir wach­sen aber auch men­gen­mä­ßig in allen Spar­ten ein­stel­lig.“Das sei wich­tig für die Aus­la­stung der Werke und um inter­na­tio­nale Märkte zu belie­fern. Über 60% der Erzeug­nisse gehen in 40 Län­der. Beson­der­heit ist, dass man so auch das gesamte Tier sinn­voll ver­wer­ten kann. Spa­nier und Fran­zo­sen schät­zen z. B. eher fet­tere Tiere, andere Teile wer­den in Asien geschätzt. In der Ver­ar­bei­tung setzt man auf die seit 2015 zuge­kauf­ten Mar­ken, für wei­tere „hal­ten wir die Augen offen, wenn sich Syn­er­gien erge­ben, aber eher in angren­zen­den Län­dern.“Dazu ist der Flei­sch­riese großer Pro­du­zent von Eigen­mar­ken für Super­märkte, ver­sorgt die Lebens­mit­tel­in­du­strie (z. B. Piz­zabe­lag) und fer­tigt im Jahr 150 Mil­lio­nen Laberl für eine inter­na­tio­nale Bur­ger­ King kette.

Seit län­ge­rem bie­tet Mar­cher auch fleisch­lose Alter­na­ti­ven, und 2024 star­tete man mit Kau­ar­ti­keln für Hunde. „Da gibt es star­kes Wachs­tum, wir bauen das aus und gehen wei­tere Schritte, eher mit Han­dels­mar­ken.“

EU und Mercosur-Staaten unterzeichnen Handelsabkommen- Fluch oder Segen ?

Nach schier ewigen Verhandlungen haben die EU und die Mercosur-Staaten ein Freihandelsabkommen unterzeichnet. Landwirte hatten die Pläne immer wieder kritisiert. Wie es jetzt weitergeht.

Die EU und die südamerikanischen Mercosur – Staaten sind einer Freihandelszone ihrer beiden Staatenblöcke ein großes Stück näher. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič und die Außenminister von Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay haben am Samstag das Abkommen unterzeichnet.

Šefčovič und die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen waren dazu nach Asuncion in Paraguay gereist.

Eine Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten hatte dem Handelsdeal Anfang Januar ihre Zustimmung erteilt und damit den Weg für die Unterzeichnung frei gemacht. Die Freihandelszone tritt jedoch mit den Unterschriften vom Samstag noch nicht sofort in Kraft.

Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur geht über reine Handelspolitik hinaus. Offiziell spricht man daher auch von einem Partnerschaftsabkommen.

Dem handelspolitischen Teil müssen nun noch das Europaparlament und die EU-Länder formal zustimmen. Dann könnte der Freihandel zwischen der EU und dem Mercosur noch in der ersten Jahreshälfte 2026 beginnen.

Die EU-Kommission hat wiederholt versucht, den Bauern ihre Sorgen zu nehmen. Sie verweist auf die begrenzten Mengen etwa an Rindfleisch, die die Mercosur-Staaten künftig zollvergünstigt in die EU exportieren dürfen. Daneben sollen mögliche Marktverzerrungen durch Schutzklauseln vermieden werden.

Zeitgleich zur Unterzeichnung des EU-Mercosur-Abkommens kündigte US-Präsident Donald Trump neue Strafzölle für eine Reihe EU-Staaten an, darunter auch Frankreich und Deutschland. Das meldeten verschieden Medien. Dies sei eine Reaktion auf die Haltung der Europäer im Grönland-Konflikt, heißt es aus Washington.

Das Mercosur-Abkommen wird auch als Gegenentwurf zur harten Handelspolitik von Trump gewertet. von Konstatin Kockerols

Hl. Antonius -Schutzpatron der Schweinebauern

Die Gastro in Österreich serviert mehr spanisch als österreichisch, jedenfalls, wenn es ums Schweinsschnitzel geht: 6 von 10 Schnitzeln kommen aus Spanien und anderen Ländern. Das zeigt Store Check.

„Wir essen zu 60 % ausländisch, wenn wir im Wirtshaus Schweinernes bestellen. Eine verpflichtende Herkunftkennzeichnung kann dieses Manko beheben – sie ist der Schlüssel für mehr heimisches Schweinefleisch auf den Tellern“, verlangt der steirische Bauernbund-Präsident Andreas Steinegger.

Schweinefleisch ist die mit Abstand beliebteste Fleischsorte in Österreich. Doch es ist längst nicht immer Österreich drinnen, wenn man in der heimischen Gastronomie Speisen mit Schweinefleisch bestellt. Das beweist der jüngste Store-Check, den die Schweinevermarktungsgemeinschaft Styriabrid von November 2025 bis Jänner 2026 im Gastrogroßhandel durchgeführt hat. 61 % des angebotenen Schweinefleisches kommen aus Spanien und anderen Ländern, nur 39 % aus Österreich.

Der Anteil von Qualitätsschweinefleisch mit dem lückenlos nachvollziehbarem AMA-Gütesiegel liegt bei nur mageren 20 %. Bei Steinegger schrillen die Alarmglocken: „Wer sein Lieblings-Schweinernes in der heimischen Gastronomie bestellt, muss damit rechnen ausländisch zu essen. Es ist zu hinterfragen, was es mit der Anonymität auf sich hat.“

Dabei wünschen sich 72 % der Österreicher, dass die Herkunft in den Speisekarten der Gastronomie angeben wird. Steinegger fordert die verpflichtende EU-weite Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie und für verarbeitete Fleischprodukte wie Wurst, Schinken und Co endlich umzusetzen: „Für Bauern, Schlachthöfe und Zerlegebetriebe ist die 100-prozentige Kennzeichnung gängige Praxis. Bei den nachfolgenden Akteuren in der Lebensmittel-Wertschöpfungskette tut sich die große Lücke auf, die zu schließen ist.“ Die verpflichtende Herkunftskennzeichnung ist auch eine zentrale Forderung im Mercosur-Schutzprogramm, das Steinegger zum Schutz der Bäuerinnen, Bauern und Konsumenten auf den Tisch gelegt hat.

Die massiven Billigstimporte, vor allem aus Spanien, setzen die heimischen Schweinebauern massiv unter Druck. Die Erzeugerpreise fallen seit Wochen. „Im Moment zahlen die Schweinebauern sogar drauf, wenn sie in den Stall gehen und ihre Tiere füttern. Das ist für die Familienbetriebe untragbar und wirtschaftlich nicht verkraftbar“, betont der Bauernbund-Präsident.

Spanien als Schweinegigant Europas genießt massive Wettbewerbsvorteile auf Kosten der Umwelt. Ohne flächengebundene Tierhaltung produziert das Land viel billiger und erzeugt fast 200 % des Eigenverbrauchs an Schweinefleisch, ohne Rücksicht auf Umweltstandards zu nehmen. Die Tierzahlen sind in Spanien nicht – wie in Österreich – an die landwirtschaftliche Fläche gebunden. „EU-weit müssen die gleichen Standards für alle gelten“, fordert Steinegger.

Zudem appelliert er an alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette, den Bauern wirtschaftlich vertretbare Preise zuzugestehen, damit sie ihre Betriebe fortführen können und die junge Generation eine Perspektive in der Landwirtschaft hat. von Torsten Altmann

Na echt -Spar: „Auch künftig kein Rindfleisch aus Südamerika“

Anlässlich des beschlossenen Mercosur-Abkommens stellt Spar-Vorstand Markus Kaser klar, dass das Unternehmen bei Lebensmittelsicherheit, Qualität und Herkunft keine Kompromisse machen werde.

Anlässlich des beschlossenen Freihandelsabkommes mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay bekräftigt Spar die grundsätzlich positive Haltung zu freiem Handel. Gleichzeitig stellt Vorstand Markus Kaser klar: „Bei Lebensmittelsicherheit, Qualität und Herkunft macht Spar keine Kompromisse.“

Das Unternehmen setze seit jeher auf heimische Lebensmittel und verstehe sich als regionaler Nahversorger mit Verantwortung gegenüber Konsumenten und Produzenten. „Freihandel ist wichtig, darf aber niemals zulasten von Lebensmittelsicherheit und Qualität gehen. Spar steht zu Österreichs Landwirtschaft und zu höchsten Standards – beispielsweise bei Rindfleisch“, sagt Vorstand Kaser.

Bei so sensiblen Produkten wie Lebensmitteln müsse eine besondere Sorgfalt vorherrschen. Spar wird auch in Zukunft heimischen Lebensmitteln, insbesondere bei Frischfleisch (Rind, Schwein, Kalb) den Vorzug geben, heißt es in der Aussendung. So habe Spar beispielsweise noch nie Rindfleisch aus Südamerika geführt und wird dies auch in Zukunft nicht tun. Frischfleisch (Rind, Schwein, Kalb) bei Spar ist und bleibt zu 100 % österreichisch. Die Entscheidung unterstreiche die langjährige Partnerschaft mit Österreichs Landwirtschaft. Spar setze bewusst auf kurze Transportwege, transparente Herkunft und hohe Standards entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Darauf könnten sich die Kunden von SPAR verlassen.

 „Wertvolle und gute Lebensmittel entstehen dort, wo Verantwortung für Mensch, Tier und Umwelt übernommen wird – und das ist für SPAR in erster Linie in der heimischen Landwirtschaft der Fall“, so Spar-Vorstand Markus Kaser. von Torsten Altmann

Fortschritt oder Rückschritt GAP?

Dass der EU-Kommission mit ihrem Vorschlag für die GAP nach 2027 ein großer Wurf gelungen ist, wird überwiegend bezweifelt. Vielmehr klingt vieles von dem, was im Kommissionspapier zu lesen ist, nach „zurück in die Zukunft“: Zum Beispiel, dass produktionsgebundene gekoppelte Prämien verpflichtend anzubieten sind. Oder dass die Öko-Regelungen wieder eingestampft und mit den Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) zu den neuen „Agrarumwelt- und Klimaaktionen“ (AUKA) zusammengelegt werden sollen, die zwingend kofinanziert werden müssen. Man könnte fortfahren: Konditionalität wird in Farm Stewardship umbenannt, und die Ausgestaltung der GLÖZ-Standards – fortan „Protective Practices“ – wird komplett ins Ermessen der Mitgliedstaaten gestellt. Die Verpflichtungen zum Erhalt von Dauergrünland (GLÖZ 1) entfallen, und die Definition von umweltsensiblem Grünland wird abgeschwächt. Die Einhaltung des landwirtschaftlichen Ordnungsrechts sowie der Protective Practices soll aus Mitteln der neuen AUKA finanziert werden können, wenn die nationalen Standards über den EU-Mindeststandards liegen. Damit verschwimmen die Grenzen zwischen Stewardship und AUKA.

Nicht nur Verlierer

Umweltverbände haben bereits unmissverständlich zum Ausdruck gebracht, dass der Umwelt- und Klimaschutz Verlierer der geplanten GAP-Reform ist. Aber auch die eigentlichen Adressaten der GAP, die europäischen Landwirte und Landwirtinnen, dürften nicht nur glücklich sein. Das GAP-Budget wird um etliche Milliarden gekürzt und in Zukunft Teil des „Fonds für Nationale und Regionale Partnerschaftspläne“ werden, was in der Konsequenz die Auflösung des Zwei-Säulen-Modells bedeutet. Großbetriebe ärgern sich über Degression und Kappung, kleinere Betriebe über den Wegfall der Umverteilungsprämie. Profitieren werden Junglandwirte und Hofübernehmer. Es winken Betriebsübernahmeförderungen von bis zu 300.000 Euro, projektbasiert statt flächenbezogen.

Wettbewerbsfähigkeit ist das neue Credo

Wettbewerbsfähigkeit ist die Fähigkeit von Unternehmen oder Branchen, sich erfolgreich gegen Konkurrenten auf Märkten durchzusetzen, indem sie bessere Produkte, Dienstleistungen oder Kostenstrukturen bieten und dabei langfristig Gewinne erzielen. Die Wissenschaft ist sich einig, dass Direktzahlungen kein probates Mittel zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit sind. Sie bewirken eher das Gegenteil, indem sie Innovationen und die Kostensenkungen weniger erforderlich erscheinen lassen. Gekoppelte Prämien verzerren zudem die Produktionsentscheidungen zugunsten der geförderten Agrarprodukte und zulasten der eigentlich wettbewerbsstarken Produkte.

Dass die EU-Kommission den Mitgliedstaaten die Gestaltung von Farm Stewardship in Zukunft komplett überlassen möchte, wird mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem Flickenteppich förderrechtlicher Standards in der EU führen – kein gutes Omen für einen fairen Wettbewerb im gemeinsamen Markt.

Kappung macht die GAP uninteressanter für Großbetriebe

Wenn strikte Stewardship-Standards und Großbetriebsstrukturen räumlich zusammentreffen, könnte die Kappung der Direktzahlungen bei 100.000 Euro zur Folge haben, dass Großbetrieben die Lust an der GAP vergeht. In einem 2.000 Hektar Betrieb dürften die Kosten der Einhaltung der Stewardship-Standards rechnerisch maximal 50 Euro je Hektar betragen, vom Aufwand der Antragstellung und den Kontrollen einmal ganz abgesehen. Das Ausscheiden von Betrieben aus der GAP würde den Behörden die Budgetplanung und die Einhaltung von mit der EU-Kommission vereinbarten Zielen und Meilensteinen erschweren. Der Hebel von Stewardship für Umwelt und Klima ginge verloren.

Vor- und Nachteile für Umwelt-, Klima- und Tierschutz

Die zwingende Kofinanzierung der neuen AUKA (mit durchschnittlich 30%) stellt wirtschaftlich schwache Regionen vor große Herausforderungen, ein attraktives Angebot auf die Beine zu stellen. Zudem unterliegen die Prämiensätze der AUKA den WTO-Regeln für die Green Box, was deren Attraktivität aus Sicht von Landwirten und Landwirtinnen einschränkt. Positiv ist demgegenüber die große Gestaltungsfreiheit der Mitgliedstaaten, die die Programmierung wirklich zielgerichteter AUKA ermöglicht.

Dass zukünftig auch die Einhaltung des Ordnungsrechts – jenseits der EU-Mindeststandards – mit AUKA-Mitteln finanziert werden kann, kann die Akzeptanz von ambitionierteren ordnungsrechtlichen Standards erhöhen. Eine neue Chance für die Umsetzung der Borchert-Vorschläge? Andererseits reduziert diese „Querfinanzierung“ die Mittel für zielgerichtete freiwillige AUKA.

Und auch produktionsgebundene Zahlungen sind nicht per se schlecht für die Umwelt – nämlich dann nicht, wenn sie der wirtschaftlichen Absicherung extensiver, umweltfreundlicher Produktionsverfahren wie Mutterkühen oder der Schafhaltung dienen. Die politische Verlockung, diese Prämien an Betriebszweige mit fraglichen Umweltwirkungen zu knüpfen, dürfte in manchen Mitgliedstaaten allerdings groß sein. Politisch ebenso verlockend könnte es sein, gewisse AUKA als gekoppelte Zahlungen zu deklarieren. Während erstere der Kofinanzierung bedürfen, werden die gekoppelten Prämien zu 100% EU finanziert.

Fazit

Die stärkere Betonung von Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit droht das Engagement der EU für ökologische Nachhaltigkeit zu untergraben. Zudem ist fraglich, ob die EU-Kommission die richtigen Interventionen zur Stärkung von Wettbewerbsfähigkeit ins Feld geführt hat. Die Chance auf eine stärker am Gemeinwohl ausgerichtete GAP hat sie jedenfalls verpasst. Die politische Konsequenz könnte sein, dass das sogenannte Ring-Fencing des GAP-Haushalts in den Verhandlungen über den nächsten MFR infrage gestellt wird. Damit stünde der GAP-Haushalt in direktem Wettbewerb zu den Forderungen anderer Ressorts, die die Verwendung der knappen Mittel vielleicht besser rechtfertigen können. AgE

Niederlande bieten hohe Prämien für Tierhalter zum Produktionsstopp

Die niederländische Regierung hat ein neues Programm ins Leben gerufen, das darauf abzielt, Tierhalter zu einem freiwilligen Produktionsstopp zu bewegen. Dies kommt besonders für jene infrage, die sich in der Nähe von sensiblen Natura-2000-Gebieten befinden, um die schädlichen Stickstoffemissionen zu reduzieren.

Besitzer von Betrieben, die innerhalb eines Kilometers um diese Schutzgebiete liegen, können mit einer finanziell attraktiven Entschädigung rechnen. Die Regierung plant, den Marktwert der geschlossenen Ställe mit 110 % zu decken. Darüber hinaus werden die Rechte zur landwirtschaftlichen Produktion vollständig zurückgekauft.

Zusätzlich ist vorgesehen, eine Vergütung von 45 € pro Quadratmeter Stallfläche zu zahlen, sofern die Verpflichtung zum Abriss der Ställe erfüllt wird. Für Betriebe außerhalb dieser Zone wird eine Entschädigung in Höhe des vollständigen Marktwertes gewährt.

Um dieses umfangreiche Vorhaben umzusetzen, hat die Regierung in Den Haag ein Budget von 750 Millionen Euro bereitgestellt. Nach Genehmigung durch Brüssel soll das Programm noch in diesem Jahr starten. Diese Initiative setzt die bestehende Strategie umfassender Ausstiegsprogramme fort.

Bisher haben sich bereits 573 Schweinebetriebe für die laufenden Programme Lbv und Lbv-plus registriert, was einen bedeutenden Schritt in Richtung Emissionsreduktion darstellt. Mit dem neuen Programm verfolgt die niederländische Regierung weiter das Ziel, umweltfreundliche Landwirtschaft zu fördern und gleichzeitig den betroffenen Landwirten wirtschaftliche Sicherheit zu bieten.

Weiter Proteste der französischen Bauern

Kurz vor Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens setzen französische Landwirte ihren Protest gegen die Freihandelszone mit einer Demonstration in Paris fort. Die Regierung sagt weitere Unterstützung zu.

Hunderte Traktoren erreichten Dienstagfrüh die Hauptstadt und fuhren in die Nähe des Parlaments, wie die APA berichtet. Die Landwirte lehnen den Handelspakt derEU mit südamerikanischen Staaten ab, weil sie unverhältnismäßige Konkurrenz durch günstige Importe fürchten. Die Unterzeichnung soll am Samstag in Paraguay erfolgen.

Die französische Regierung stellte den Landwirten angesichts der anhaltenden Proteste weitere Unterstützung in Aussicht, nachdem sie vor einigen Tagen bereits Hilfen in Höhe von 300 Mio. € angekündigt hatte. Der Premierminister und die Regierung arbeiteten an weiteren konkreten Maßnahmen zugunsten der Landwirte, sagte Agrarministerin Annie Genevard am Dienstag. Die Bauern protestieren schon seit Längerem auch gegen überbordende Bürokratie und ihrer Meinung nach übertriebene Umweltvorschriften.

Während es sich bei dem Traktor-Protest in Paris um eine angemeldete Demonstration handelte, räumten Bereitschaftspolizisten in den frühen Morgenstunden eine von Landwirten vor Wochen errichtete Blockade auf der Autobahn A64 südwestlich von Toulouse. Auf der stark befahrenen A1 von Paris Richtung Kanalküste, Belgien und die Niederlande setzten Landwirte südlich von Lille ihre eigenmächtigen Kontrollen von Lastwagen fort, die sie nach importierten Agrarerzeugnissen durchsuchen, die ihrer Meinung nach nicht französischen Standards und Vorschriften entsprechen.von Torsten Altmann

Ramschpreise: Strasser fordert einen Österreich-Bonus zu Recht aber so wie immer LEH dagegen?

Der zunehmende Preisdruck macht den Landwirten zu schaffen. Jetzt soll ein Österreich-Bonus auf heimische Lebensmittel helfen.

Sinkende Erzeugerpreise, vor allem für Milch und Schweinefleisch, sowie das beschlossene Mercosurabkommen setzen den Landwirten in Österreich immer mehr zu. Der Österreichische Bauernbund warnt in einer Presseaussendung daher vor einer weiteren Zuspitzung beim Preisdruck auf bäuerliche Produkte. Besonders bei Milch, Schweinefleisch, Getreide, Erdäpfeln und Zucker seien die derzeitigen Erzeugerpreise existenzgefährdend niedrig, so der Bauernbund. In den letzten Wochen und Monaten kam es bei einigen dieser Produkte auch zu drastischen Preisrückgängen im Lebensmittelhandel.

„Ein Viertelkilo Butter wird im Flugblatt eines Diskonters mittlerweile um 96 Cent angeboten, österreichisches Schweinskarree im Gastro-Großhandel um 4,39 Euro pro Kilo, Semmeln um 25 Cent – zu solchen Schleuderpreisen können unsere Bäuerinnen und Bauern keine Lebensmittel produzieren“, warnt Bauernbundpräsident Georg Strasser alarmiert. Hinter all diesen Produkten stünden Bauernfamilien, die ein ganzes Jahr ihre Tiere versorgt und ihre Felder bewirtschaftet haben. „Sie müssen mit ihrer Arbeit ein adäquates Einkommen erzielen können, sonst wird es diese Form der Landwirtschaft auf Dauer nicht mehr geben“, zeichnet Bauernbunddirektorin Corinna Weisl eine düstere Zukunft.

Strasser fordert daher einen Österreich-Bonus vom Lebensmittelhandel. „Wir brauchen ein klares Bekenntnis zur österreichischen Landwirtschaft“, so der Bauernbundpräsident. Der Handel dürfe hochwertige Lebensmittel nicht länger für Preisschlachten missbrauchen. Beste Qualität und höchste Standards gibt es nach Meinung des Bauernbundes nicht zum Nulltarif. Der Österreich-Bonus auf heimische Lebensmittel soll dafür sorgen, dass ein fairer Anteil vom Preis im Supermarktregal bei den Bäuerinnen und Bauern ankommt.

Laut Strasser sind die viele Erzeugerpreise bereits nicht mehr kostendeckend. Man sei an einem Punkt angekommen, wo es um die Existenz heimischer Bauernfamilien gehe. Wenn der Handel eine heimische Versorgung will, müsse er aufhören, die Höfe durch Schleuderpreise auszuhungern, so Strasser. Die Produktionsstandards und die Kosten stiegen stetig. „Der Preiskampf darf nicht länger auf dem Rücken der Bäuerinnen und Bauern ausgetragen werden. Während die Ersparnis für den Konsumenten an der Kasse nur wenige Cent beträgt, geht es auf unseren Höfen um Existenzen“, gibt der Bauernbundpräsident zu bedenken.

Der Handelsverband hat bisher zur Forderung des Bauernbundes keine Stellung bezogen. Im vergangenen Herbst hatte er aber den FPÖ-Vorschlag nach einem Österreich-Korb auf freiwilliger Basis angesichts der anhaltenden und für viele Österreicher „untragbaren“ Teuerung abgelehnt. Damals warnte der Handelsverband Österreich vor einem Verlust der regionalen, heimischen Erzeugung. „Wenn man nur billig will, heißt das in letzter Konsequenz Hühnerfleisch aus Osteuropa und Rindfleisch aus den Niederlanden. Das wird inländische Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette kosten“, so Geschäftsführer Rainer Will. Wenn dem Handel also wirklich die heimische Erzeugung am Herzen liegt, dürfte er nichts gegen die Forderung des Bauernbundes nach einem Österreich-Bonus einwenden. von Josef Koch

Wir Bauern zahlen den Preis für den Mercosur-Deal

Mit dem Mercosur-Deal opfert die EU ihre Bauern den Exportinteressen. Mehr denn je gilt jetzt: Wer heimische Qualität will, muss endlich Herkunft sichtbar machen!

Tausende Rinder stehen auf engstem Raum auf ammoniakgesättigten Böden. Immer wieder ist vom Einsatz von Wachstumshormonen in südamerikanischen Feedlots zu hören. Ganz zu schweigen von oft tierunwürdigen Szenen beim Verladen der Tiere zum Abtransport. Mit dem Mercosur-Abkommen kommt dann dieses Fleisch billigst nach Europa.

Heute will die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Richtung Paraguay starten, um das Freihandelsabkommen voraussichtlich am 17. Jänner mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay zu unterschreiben, nachdem die EU den Pakt am 9. Jänner abgesegnet hatte. Zu gering war letztlich der Widerstand gegen das Abkommen. Die gerade in unsicheren Zeiten offenbar wichtigeren Export-Interessen vieler EU-Staaten setzten sich durch.

Und Österreichs Bauern wird u. a. eine dem Abkommen in den sozialen Medien applaudierende Neos-Außenministerin Beate Meinl-Reisinger in Erinnerung bleiben. Sie erklärt etwa: „Unsere Wirtschaft, unsere Betriebe und unser Wohlstand werden massiv davon profitieren.“ Was die Ministerin dabei nicht bedenkt: Unsere Landwirte werden durch Mercosur noch stärker unter Druck kommen. Betriebe, die höchste Tierwohl-, Umwelt- und Qualitätsauflagen erfüllen, können gegen die Billigimporte nicht konkurrieren – Rindfleischkontingente von zusätzlich rund 100.000 Tonnen zu reduzierten Zöllen drücken Preise und bedrohen Existenzen.

Heute will die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Richtung Paraguay starten, um das Freihandelsabkommen voraussichtlich am 17. Jänner mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay zu unterschreiben, nachdem die EU den Pakt am 9. Jänner abgesegnet hatte. Zu gering war letztlich der Widerstand gegen das Abkommen. Die gerade in unsicheren Zeiten offenbar wichtigeren Export-Interessen vieler EU-Staaten setzten sich durch.

Und Österreichs Bauern wird u. a. eine dem Abkommen in den sozialen Medien applaudierende Neos-Außenministerin Beate Meinl-Reisinger in Erinnerung bleiben. Sie erklärt etwa: „Unsere Wirtschaft, unsere Betriebe und unser Wohlstand werden massiv davon profitieren.“ Was die Ministerin dabei nicht bedenkt: Unsere Landwirte werden durch Mercosur noch stärker unter Druck kommen. Betriebe, die höchste Tierwohl-, Umwelt- und Qualitätsauflagen erfüllen, können gegen die Billigimporte nicht konkurrieren – Rindfleischkontingente von zusätzlich rund 100.000 Tonnen zu reduzierten Zöllen drücken Preise und bedrohen Existenzen.

Keine Ausreden mehr: Herkunftskennzeichnung muss her!

​Wenn die EU diesen Freihandelsweg geht, dann braucht es zwingend politische Leitplanken. Erstens verbindliche Spiegelklauseln:

  1. Agrarimporte aus Mercosur-Staaten müssen nachweislich denselben Tierwohl-, Umwelt- und Produktionsstandards entsprechen wie heimische Produkte – inklusive wirksamer Kontrollen und Sanktionen.
  2. braucht es klare Schutzmechanismen für sensible Märkte. Importkontingente dürfen nicht zur Dauerbelastung werden, sondern müssen überprüfbar und im Krisenfall aussetzbar sein.
  3. müssen politisch verursachte Wettbewerbsnachteile vollständig kompensiert werden – durch zusätzliches Geld, nicht durch Umschichtungen innerhalb des Agrarbudgets.

Auf nationaler Ebene heißt das: eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung in allen Bereichen, konsequente Importkontrollen auf Hormone und Rückstände sowie gezielte Schutzklauseln für klein- und familienstrukturierte Betriebe. Wer von Freihandel profitiert, muss auch Verantwortung für jene übernehmen, die ihn ausbaden. Das ist man den von Mercosur künftig gebeutelten Betrieben schuldig. Wenn jetzt nicht gegengesteuert wird, veröden ländliche Räume zunehmend. von Torste Altmann

Ruinöse Schweinepreise zum Jahresbeginn und ISN – Deutschland sucht Lösungen

Schweinehalter schreiben tiefrote Zahlen: Die VEZG-Notierung für Schlachtschweine fiel um 15 Cent auf 1,45 €/kg SG

Überhänge zum Jahreswechsel, ein reichlich versorgter EU-Fleischmarkt und die jährlich zu sehende schwache Fleischnachfrage zu Jahresbeginn haben zu hohem Preisdruck geführt. Die VEZG-Notierung für Schlachtschweine fällt heute auf 1,45 €/kg SG – Schweinehalter schreiben tiefrote Zahlen. Derzeit fehlen Schweinehaltern über 50 € je Schwein.

ISN: Angesichts des schleppenden Fleischabsatzes sind gerade zu Jahresbeginn deutlich mehr Absatzimpulse nötig. Speziell die Absatzkanäle Außer-Haus-Verzehr und Verarbeitung müssen es dem Lebensmitteleinzelhandel gleichtun und auf deutsche Herkunft beim Schweinefleisch setzen. Aber auch die Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels sollten ihre Strategie überdenken, in solch schwierigen Marktphasen, Anti-Fleisch-Aktionswochen auszurufen.

Am heutigen Mittwoch gab die VEZG-Notierung für Schlachtschweine um 15 Cent auf 1,45 €/kg SG nach. Die ungünstige Lage der Feiertage am Jahreswechsel 2025/26 führte in den beiden vergangenen Wochen zu ausgefallenen Schlachttagen. Dadurch verzögerte sich die Vermarktung schlachtreifer Tiere und es entstand ein Überhang am Lebendmarkt. Der Abbau der Überhänge dürfte nach heutiger Einschätzung jedoch deutlich schneller verlaufen als zu Beginn des Jahres 2025. Anders als zum vorigen Jahreswechsel konnten die Schlachtungen in den Wochen vor Weihnachten diesmal spürbar ausgeweitet werden. Schweine wurden vorgezogen und die Schlachtgewichte gingen in den letzten Wochen vor den Feiertagen stärker zurück als üblich. Insgesamt lagen die Schlachtgewichte leicht unter dem Vorjahresniveau. Zudem hatten viele Mäster die Erfahrungen vom vergangenen Jahreswechsel im Blick und weniger Ferkel eingestallt, die rund um die Feiertage schlachtreif geworden sind bzw. werden. Die Ferkelimporte aus den Niederlanden lagen im Herbst 2025 deutlich unter dem Vorjahresniveau. Außerdem werden aktuell weniger Schlachtschweine aus den Niederlanden und Belgien zur Schlachtung nach Deutschland importiert als noch vor einem Jahr.

Preisdruck am Fleischmarkt

Für die aktuelle Situation am Schweinemarkt ist neben dem feiertagsbedingten Angebotsüberhang aber insbesondere auch der massive Preisdruck am Fleischmarkt ausschlaggebend. Der Jahresstart am Fleischmarkt verläuft traditionell schwach und in diesem Jahr kommt zusätzlicher Druck aus dem EU-Ausland hinzu. Chinesische Strafzölle belasten den Drittlandexport, und auch der ASP-Ausbruch in Spanien schränkt die Absatzmöglichkeiten in Drittländern ein. In der Folge verbleibt mehr Ware im EU-Binnenmarkt, für die Absatzwege gefunden werden müssen – in der Regel über deutliche Preisnachlässe bei diversen Teilstücken. Dies hatte bereits vor Weihnachten zu deutlichen Rückgängen der Schlachtschweinenotierungen in wichtigen Erzeugerländern wie Spanien, den Niederlanden, Dänemark und Frankreich geführt, während sich die deutsche Notierung zum Jahresende noch stabil halten konnte.

Umgang mit Anti-Fleisch-Wochen überdenken

Der momentan reichlich versorgte EU-Markt trifft nun auf eine Phase schwieriger Fleischgeschäfte. Im Januar werden mengenmäßig meist 10–15 % weniger Schweinefleisch als im Jahresschnitt abgesetzt, gegenüber dem konsumstarken Dezember beträgt der Rückgang häufig 20–30 %. Eine Rolle spielt dabei auch der Veganuary, eine Initiative, die zu einer veganen Ernährung speziell im Januar aufruft. Weite Teile des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) unterstützen diese Aktion. Das hemmt den Fleischabsatz zusätzlich in einer Phase, in der der Schweinemarkt ohnehin stark unter Druck steht.

Auf der einen Seite auf deutsche Herkunft beim Fleisch zu setzen und gleichzeitig das deutsche Schweinefleisch in der schwierigsten Absatzphase des Jahres auf das Nebengleis zu stellen, passt nicht zusammen. Aktuell fehlen den deutschen Schweinehaltern mehr als 50 € am Schwein – das ist ruinös für jeden Betrieb. Werden so Strukturen erst einmal zerstört, fehlen sie später auch für die hohen Unternehmensziele der Handelsunternehmen hinsichtlich der Haltung und Herkunft von Schweinen., ordnet ISN-Geschäftsführer die aktuelle Situation ein und folgert weiter: Konsequent wäre es, wenn die betreffenden Handelsunternehmen diesen Widerspruch schnell ausräumen. Gerade zu Jahresbeginn sind Absatzimpulse für Schweinefleisch statt Anti-Fleisch-Wochen dringend notwendig.  Dr. Staack stellt aber auch klar: Ausdrücklich nicht gemeint sind dauerhafte Preissenkungen von Schweinefleischprodukten in der Ladentheke auf dem Rücken der Erzeuger, mit denen sich bereits einzelne Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (wie z.B. aktuell Aldi Süd) als Preisführer profilieren wollen. Im Gegenteil: Wer höchste Ansprüche an die Erzeuger stellt, darf diese gerade in schwierigen Marktphasen preislich nicht fallen lassen. Was wir brauchen, sind ganz gezielt gesetzte Werbeaktionen, mit denen der Fleischabsatz spürbar befeuert wird.

Außer-Haus-Verzehr und Verarbeitung müssen sich zum Fleisch aus Deutschland bekennen

Natürlich erkennen wir ausdrücklich an, dass verschiedene Unternehmen aus dem Lebensmitteleinzelhandel sich sehr stark zur Herkunft Deutschland beim Schweinefleisch bekennen, so ISN-Geschäftsführer Staack. Er fordert: Unternehmen aus dem Außer-Haus-Verzehr (mit Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung) und der Verarbeitung, müssen es denen aus dem Lebensmitteleinzelhandel erst einmal gleichtun und auf deutsche Herkunft beim Schweinefleisch setzen. Das ist lange überfällig! Denn die Mengen an Schweinefleisch, die in diese Absatzkanäle geliefert werden, sind erheblich.

Landwirtschaft im neuen Jahr: Warum tun die Bauern sich das an?

Während viele mit guten Vorsätzen ins neue Jahr starten, wird im Jänner auf vielen Höfen nachgedacht: Welche Schritte sind nötig, stehen Investitionen an, wohin soll sich der Betrieb entwickeln? Oft stellen sie sich eine andere Frage: „Warum tu’ ich mir das an?“

Während der Handel bei den Erzeugerpreisen den Rotstift ansetzt, fressen Energie- und Maschinenkosten die Erlöse. Die Aussichten auf unfaire Handelsabkommen und neue Formulare aus Brüssel tun ihr Übriges. Da können die Bauern im trüben Jänner leicht den Mut verlieren. Oder auch die Nerven, wie die Bauernproteste in Belgien, Frankreich und England zeigen. Die Landwirte fürchten um ihre Existenz. Nicht zu Unrecht. In Österreich schlossen in den vergangenen Jahren neun Höfe pro Tag ihre Türen – neun Existenzen, neun Lebenswerke – ohne Protest oder Aufschrei.

„Wer heute einen Hof übernimmt, erbt keine Sicherheit, sondern eine große Verantwortung.“

Wer heute einen Hof übernimmt, erbt keine Sicherheit, sondern eine große Verantwortung. Viel Arbeit, unsichere Rahmenbedingungen und die Hoffnung auf einen fairen Lohn begleiten Jung und Alt in der Landwirtschaft. Bauer zu sein, ist immer ein Risiko. Das kann die Politik nicht abnehmen, aber zumindest faire Rahmenbedingungen garantieren.

Wer als Landwirt bestehen will, muss sich weiterentwickeln. Erfolgreiche Betriebe machen es vor: Sie gehen neue Wege in der Vermarktung, steigern Effizienz oder starten zusätzliche Betriebszweige. Oft reicht es, gründlich zu rechnen, um Kostenfallen zu entgehen und finanziellen Spielraum zu behalten. Wachsen oder weichen ist längst kein Erfolgsrezept mehr. Doch Stillstand ist oft das Todesurteil von Betrieben. Den einen Weg für jeden Landwirt gibt es nicht.

Leidenschaft für die Arbeit

Genau diese Vielfalt und die Leidenschaft für die Arbeit mit Grund und Boden, Wald oder Tieren macht die Landwirtschaft aus. Sie bedeutet immer noch Freiheit, trotz aller Auflagen. Jede Bäuerin und jeder Bauer kann Entscheidungen treffen, die es den Folgegenerationen ermöglichen, dieselbe Freiheit zu genießen. Diese Zukunftsperspektive muss die Politik garantieren. Denn wer von den Bauern Mut, Investitionen und Nachhaltigkeit fordert, muss auch Planungssicherheit liefern. Sonntagsreden helfen den Betrieben nicht.

Viele Herausforderungen

2026 wird kein leichtes Jahr. Trotzdem werden die Bauern im Frühjahr nervös, sobald die Feldarbeit wieder losgeht. Sie fiebern dem ersten Schnitt entgegen, versorgen ihre Rinder und Schweine so gut sie können und hoffen auf eine gute Ernte. Sie wollen Verantwortung übernehmen für ihren Besitz, ihre Tiere und für die Versorgungssicherheit im Land. Die Frage ist nicht, ob die Bauern eine Zukunft haben. Die Frage ist, ob Politik und Gesellschaft bereit sind, sie ihnen zu lassen. Das wäre ein dringend notwendiger Vorsatz für 2026. von Roland Pittner

Bauern gehen gegen Mercosur auf die Straße

Am Freitag ist eine EU-Abstimmung über die Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens geplant. Deutsche und französische Bauern protestieren gegen den Handelspakt. Auch in Österreich demonstrieren Bauern.

Deutsche Landwirte protestierten in mehreren Bundesländern an Autobahn-Anschlussstellen gegen das geplante Freihandelsabkommen der EU mit dem südamerikanischen Mercosur-Verbund. Auch in Frankreich gab es erneut Proteste gegen das geplante EU-Handelsabkommen. Bauern blockierten Zufahrtsstraßen nach Paris.

Die Landwirte befürchten unverhältnismäßige Konkurrenz durch günstige Importe aus Südamerika. In der französischen Hauptstadt wurden in der Früh etwa 20 Traktoren gezählt, weitere vor den Toren der Stadt. Laut APA gab es zunächst Verkehrsbehinderungen.

Das umstrittene Abkommen sollte bereits im Dezember unterzeichnet werden, war aber aufgeschoben worden. Hintergrund waren starke Bauernproteste in Frankreich. Insbesondere landwirtschaftliche Organisationen in Frankreich, Polen, Ungarn, Italien und auch in Österreich sind gegen das seit mehr als 25 Jahren in Verhandlungen befindliche Mercosur-Abkommen. Sie fürchten unter anderem die Konkurrenz durch billige Fleischimporte.

Für Freitag ist eine EU-Abstimmung über die Unterzeichnung des Abkommens geplant. Frankreich ist schon länger gegen das Handelsabkommen. Die EU-Kommission hatte zuletzt Zugeständnisse vorgeschlagen. Länder wie Deutschland und Spanien unterstützen das Abkommen. Sollte auch Italien zustimmen, könnte die Vereinbarung ohne Frankreich verabschiedet werden.

Italiens Landwirtschaftsminister Francesco Lollobrigida zeigte sich angesichts der Verhandlungen zum Mercosur-Abkommen zuversichtlich. „Es fehlt noch die letzte Meile“, sagte er der italienischen Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“. Allerdings bestehe noch Klärungsbedarf bei den Schutzklauseln für Agrarprodukte. „Eine Einigung über die Schutzklauseln fehlt noch.“

Im Fall eines schädlichen Anstiegs der Einfuhren aus den Mercosur-Staaten oder eines übermäßigen Preisverfalls für die EU-Erzeuger sollen mit diesen Schutzklauseln rasch Gegenmaßnahmen in Gang gesetzt werden können. Bisher ist eine Schwelle von 8 % vorgesehen, bei der eine Untersuchung eingeleitet wird. „Wir wollen, dass diese Schwelle auf 5 % gesenkt wird“, sagte Lollobrigida. „Und wir glauben, dass die Voraussetzungen bestehen, auch dieses Ergebnis zu erreichen.“

Auch in Österreich sind für Samstag Demonstrationen geplant. von Torsten Altmann

Schlimmer gehts nimmer-Schweinepreis fällt immer weiter um 15cent

Das Jahr beginnt auf dem Schweinemarkt mit einem weiteren Tiefschlag. Überhänge und europäischer Preisdruck belasten.

Der Schweinemarkt startet sehr angespannt ins neue Jahr. Zwar nahmen die Schlachtungen vor Weihnachten deutlich zu und die Schlachtgewichte sanken, dennoch fielen über die Feiertage zu viele Schlachttage für das Lebendangebot aus. Überhänge prägen derzeit den Markt.

Wie groß diese tatsächlich ausfallen werden, zeigt sich allerdings erst in den kommenden Tagen. Marktteilnehmer schätzen, dass sich eine halbe Schlachtwoche angestaut hat.

Die Schlachtunternehmen fahren ihre Aktivitäten nun wieder hoch, fordern aber deutliche Preisabschläge und verweisen auf das schwierige europäische Marktumfeld. Die VEZG hat in der aktuellen Lage wenig Spielraum und senkte die Notierung am Mittwoch sehr deutlich. Oberstes Ziel ist es derzeit, den Stau aufzulösen und in Österreich minus 15 cent. 

Der Ferkelmarkt präsentierte sich über den Jahreswechsel stabil. Nachfrage und Angebot passten einigermaßen zusammen. Die Notierungen sind zunächst stabil. Auch in Dänemark und den Niederlanden sind die Notierungen weitgehend unverändert. Allerdings befürchten Marktteilnehmer, dass der Preisabschlag bei den Schlachtschweinen in den kommenden Wochen den Ferkelmarkt treffen wird. von Andreas Beckhove

Blauzungenwelle: Wie geht´s weiter?

Nach der Blauzungenwelle ist vor der Impfung. Wir haben mit Dr. Johann Burgstaller, Tierzuchtdirektor der LK Kärnten gesprochen, welches Szenario er 2026 erwartet und was die Bauern tun sollten.

Im Herbst 2025 grassierte im Süden Österreichs die Blauzungenkrankheit, vor allem der Serotyp 8. In Kärnten, der Steiermark und Osttirol wurde kaum ein Rinder- bzw. Schafbetrieb verschont. Welche Spuren hat die Krankheit hinterlassen?

Burgstaller: Die Schäden waren deutlich spürbar. Die Verendungsrate im Vergleich zum Vorjahr war bei den Schafen 3- bis 6-mal und bei den Rindern 2- bis 3-mal so hoch. Daneben waren viele Tiere schwer erkrankt, was die Tierhalter nicht nur finanziell schwer belastet hat.

Welches Szenario erwarten Sie für 2026?

Burgstaller: Ich gehe davon aus, dass im Sommer 2026 die nächste Welle heranrollen wird. Im August ist der Höhepunkt der Stechmückensaison erreicht und daher der Infektionsdruck am größten. Aufgrund der Klimaveränderung sind die Gnitzen auch bis in große Höhen unterwegs, also auch auf Almen.

Welche weitere Vorgehensweise empfehlen Sie?

Burgstaller: Ich rate dringend zur Impfung, sowohl gegen Serotyp 4/8 (Kombi-Impfstoff) als auch Serotyp 3. Die Impfung verhindert schwere Verläufe und Verendungen! In Kärnten werden beide Impfstoffe vom Land und vom Tierseuchenfonds zur Verfügung gestellt, der Tierhalter muss lediglich die Durchführung vom Tierarzt bezahlen. Ein stabiler Impfschutz ist nach der Grundimmunisierung gegeben, ein Jahr danach müssen die Tiere einmalig aufgefrischt werden.

Welchen Abstand empfehlen Sie zwischen den Impfungen?

Burgstaller: Die Impfung ist gut verträglich, daher kann man die Impfung gegen die Serotypen 4/8 und Serotyp 3 gleichzeitig durchführen. Der beste Zeitpunkt ist zwischen Jänner und März vor Weideaustrieb.

Sollen auch Bestände geimpft werden, in denen die Krankheit bereits grassierte?

Burgstaller: Ja! Denn laut den bisherigen Erfahrungen mit dem Serotyp 8 besteht nur eine 50 %ige natürliche Immunität nach einer Infektion in betroffenen Herden. Über den Winter wollen wir aber noch einige Untersuchungen dazu machen.

Braucht man die Impfungen für die Vermarktung? Gibt es Einschränkungen im Handel?

Burgstaller: Eine Sperre des Betriebs oder von Einzeltieren gibt es im Krankheitsfall in Kärnten nicht. Grundsätzlich dürfen aber nur gesunde Tiere vermarktet werden. Auf dem Viehverkehrsschein daher ein „G“ vermerken! Erkrankte Tiere dürfen nach einer Infektion 60 Tage lang nicht in Verkehr gebracht werden. Bei der Vermarktung in Drittländer kann u.U. eine Impfung vorgeschrieben sein. von Felicitias Greil

Statt Lagerung im Kühlschrank: So bleibt Brot am längsten frisch

Der Kühlschrank gilt als Allzweckwaffe gegen das Altwerden von Lebensmitteln – für Brot ist er jedoch der falsche Ort. Ein Aufschluss darüber, warum Kälte dem Laib schadet, welche Lagerung wirklich sinnvoll ist und woran man gute Qualität erkennt

Nichts schmeckt besser als die erste Scheibe eines frischen Brotes: noch leicht warm, die Kruste knackig, die Krume saftig. Nach dem Verzehr stellt sich jedoch immer wieder die gleiche Frage: Wohin mit dem Rest? Ein Impuls für eine längere Haltbarkeit mag der Kühlschrank sein. Für viele Lebensmittel stimmt die Annahme, aber für Brot ist allerdings genau das ein Irrtum.

Wer Brot richtig lagern möchte, setzt nicht auf Kälte, sondern auf das passende Material. Als ideal gelten unglasierte Steingut- oder Tontöpfe. Sie nehmen überschüssige Feuchtigkeit aus dem Brot auf und geben sie nach und nach wieder ab. So bleibt der Laib über mehrere Tage saftig, ohne zu schimmeln oder auszutrocknen.

Auch ein Leinenbeutel kann funktionieren. Zwar verliert das Brot darin etwas schneller Feuchtigkeit, doch die Kruste bleibt erhalten – und genau sie ist entscheidend für Frische und Geschmack.

Wie wichtig die Kruste ist, wird oft unterschätzt. Viele Verbraucher greifen im Supermarkt zu möglichst weichem Brot. Es erweckt den Anschein, besonders frisch zu sein und noch nicht allzu lange im Kasten zu liegen. Dabei ist eine kräftig ausgebackene Kruste ein Qualitätsmerkmal. Sie wirkt wie eine natürliche Isolationsschicht und schützt das Innere des Brotes vor dem Austrocknen.

Ein weiteres Indiz für Qualität sind feine Eiweißbläschen am Rand der Kruste. Sie zeigen, dass der Teig ausreichend Zeit zum Reifen hatte. Je länger diese Reifezeit, desto besser kann Wasser im Brot gebunden werden – und desto länger bleibt die Krume saftig.

So bequem es auch ist: Geschnittenes Brot altert schneller. Jede Schnittfläche ist eine offene Stelle, an der Feuchtigkeit entweichen kann. In Papier- oder Plastiktüten wird die Kruste zudem rasch weich, das Brot verliert Struktur und Charakter. Wer länger Freude an seinem Brot haben möchte, kauft es am Stück und schneidet nur so viel ab, wie gerade benötigt wird. von falstaff

ASP in Spanien: Neue Erkenntnisse zum Ursprung des Virus

Stammt das ASP-Virus in Spanien aus einem Forschungslabor? Erste Ergebnisse von Untersuchungen dazu geben nun Antworten.

Die Regionalregierung in Barcelona hat am Dienstag neue Erkenntnisse zum Ursprung des Ausbruchs der (ASP) in Katalonien bekannt gegeben. Laut Ergebnissen der ersten genetischen Studie stammt das Virus, das bei den infizierten Wildschweinkadavern nachgewiesen wurde, nicht mit den Viren überein, die in einem nahegelegenen Labor für Versuchszwecke verwendet werden.

Stattdessen wird nun vermutet, dass der derzeit in Spanien zirkulierende Erreger zu einem neuen Stamm gehören könnte, der neu ist oder bisher noch nicht dokumentiert wurde.

Wie das Institut für Agrar- und Lebensmittelforschung (IRTA-CReSA) in Katalonien mitteilt, hat das zuständige Institut für Biomedizinische Forschung (IRB) die Wildschweinproben mit 17 Proben des Erregers verglichen, mit denen im IRTA-CReSA gearbeitet wurde. Das nachgewiesene ASP-Virus zeigt zahlreiche Mutationen und eine große genetische Deletion (Verlust eines Fragments des Genoms), die in keinem der untersuchten Stämme des Labors auftreten.

Ebenso stimme das gefundene Virus nicht mit den anderen Stämmen überein, die derzeit in Westeuropa zirkulieren. Das spanische Landwirtschaftsministerium und weitere Referenzlabore in Europa müssen die Ergebnisse jedoch noch bestätigen.

Bereits am Montag hatte das spanische Landwirtschaftsministerium mitgeteilt, dass das zuständige Referenzlabor in Madrid inzwischen 29 ASP-Fälle (Stand 30.11.2025) bei Wildschweinen bestätigt hat. Die Behörden arbeiten nun weiter daran, dass sich das Virus außerhalb der eingerichteten 6 km-Schutzzone nicht weiter ausbreitet. Dafür sind mehr als 400 Soldaten im Einsatz. Weiterhin hält die Regierung Treffen mit einer Expertengruppe sowie den Bürgermeistern der Gemeinden im Umkreis ab, um Informationen auszutauschen und die Maßnahmen zu koordinieren. von Anna Hüttenschmidt

Start ins Jahr 2026: Auch in Deutschland Schweinemäster unter Druck wie nie

Preisverfall, hohe Kosten, Bürokratie: 2026 beginnt für Schweinehalter mit Gegenwind.

Das Jahr 2025 ist Geschichte. Ich hoffe, Sie hatten – trotz der unruhigen Zeiten – ein besinnliches Weihnachtsfest und sind gut ins neue Jahr gekommen. Blickt man die letzten Wochen und Monate zurück, hat sich das alte Jahr eher bescheiden aus Sicht der Schweinehalter verabschiedet. An dieser Stelle seien beispielhaft nur das Aus des Bundesprogramms zur Föderung des Umbaus der Tierhaltung . Der deutliche Preisrückgang für Schweinefleisch zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts um 10 Cent auf 1,60 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht genannt.

Das gibt schon mal einen Vorgeschmack, dass auch 2026 alles andere als leicht für Sie als Schweinehalter werden dürfte. Bleiben wir bei den Preisen: Mit 1,60 Euro lässt sich hierzulande nicht kostendeckend arbeiten. Laut aktuellem Interpig-Produktionskostenvergleich liegt Deutschland bei 2,01 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht (auf Basis Vollkosten). Nur mal zum Vergleich: In Brasilien sind es 1,07 Euro, in Dänemark 1,76 Euro und in Spanien 1,79 Euro. Viele Mäster verlieren also schon mit Beginn des neuen Jahres Geld.

Neben den Preisen sind es die bürokratischen Hemmnisse und die unklaren Zukunftsperspektiven, die Schweinehaltern auch im neuen Jahr zu schaffen machen werden. Ihr Wunsch dürfte vor allem die Vereinfachung des Bau- und Immissionsschutzrechts sein, um notwendige Investitionen tätigen zu können. Im Auge behalten sollten Sie zudem unbedingt das aktuelle Seuchengeschehen hinsichtlich der ASP. Hier gilt es, das Eintragsrisiko über eine ausgefeilte Biosicherheit zu minimieren.

EU-Erweiterung -Landwirtschaft ?

Agrarstruktur der Ukraine im Überblick

Hauswirtschaften:

3,85 MIo. gesetzlich nicht registrierungspflichtige Hauswirtschaften bewirtschaften zusammen 6,1 Mio. ha LF (knapp 19 % der Gesamt–LF der Ukraine). Die Hauswirtschaften sind zu fast vier Fünftel kleiner als 1 ha LF. Ein weiteres Fünftel bewirtschaftet zwischen 1 und 10 ha LF.

Die Hauswirtschaften produzieren hauptsächlich für den Eigenbedarf und lokale Märkte (Subsistenz– oder Semi–Subsistenzwirtschaft). Bis zur Bewirtschaftungsfläche von 2 ha werden mögliche Einkünfte aus Landwirtschaft nicht besteuert. Die Hauswirtschaften sind in der Sowjetzeit entstanden, als Beschäftigte in Kol– und Sowchosen kleinere Flächen und etwas Viehwirtschaft zur Eigenbewirtschaftung gestattet worden waren. Sie sind heute immer noch besonders wichtig für die Produktion von Kartoffeln, Gemüse, Obst, Milch und Eiern.

Nach Angaben für 2023 stehen die Hauswirtschaften in der Ukraine für 98 % der Kartoffelerzeugung, für 89 % der Gemüse- und für 80 % der heimischen Obsterzeugung. Bei Milch und Eier sind es entsprechend 62 bzw. 50 %.

Anders bei Fleisch und Getreide/Leguminosen. Hier sind es nur 25 bzw. 20 %, bei Sonnenblumen und Zuckerrüben sogar nur 11 bzw. 3 %. Insgesamt entfallen von der gesamten Agrarerzeugung der Ukraine 30 % auf die Hauswirtschaften und 70 % auf die Landwirtschaftsunternehmen. Der Anteil der Hauswirtschaften ist jedoch deutlich rückläufig.

Landwirtschaftliche Unternehmen:

Fast 26,6 Mio. ha LF (81 % der Gesamt-LF) werden von rund 75.000 registrierungspflichtigen Landwirtschaftsunternehmen bewirtschaftet. Dazu gehören Familienunternehmen ebenso wie Kolchos–/Sowchos–Nachfolgebetriebe in unterschiedlichen Rechtsformen mit einigen hundert bis mehreren tausend Hektar Flächenausstattung.

Agrarholdings:

Zu den vorgenannten registrierungspflichtigen Landwirtschaftsunternehmen gehören auch die vielzitierten Agrarholdings. Diese haben sich mit der Übernahme von landwirtschaftlichen Unternehmen vor allem auf exportorientierte Agrarrohstoffe wie Getreide und Ölsaaten konzentriert. Viehhaltung und andere arbeitsintensive Produktionszweige wurden zurückgefahren.

Nach Angaben für 2025 bewirtschaften die flächenmäßig 120 größten Unternehmen, die meisten davon Agrarholdings, jeweils mehr als 10.000 ha LF, zusammen fast ein Viertel der LF der Ukraine. Die 65 größten Unternehmen (Agrarholdings) mit 25.000 ha LF und mehr kommen auf 15 % der Gesamt–LF der Ukraine.

In der Regel haben die Agrarholdings ein zentrales Management für Ein– und Verkauf und kontrollieren mit ihren zahlreichen Betriebsstätten die gesamte Wertschöpfungskette von der Produktion bis hin zum Export. Großunternehmen und Holdings genießen in der Ukraine häufig eine hohe Wertschätzung. Ländliche Regionen profitieren vom sozialen Engagement der Unternehmen in den Dörfern. Die Akzeptanz wird auch durch die Sichtbarkeit der Unternehmen und ihrer Führungskräfte vor Ort und in den sozialen Medien befördert.

Mögliche Auswirkungen auf die EU–Landwirtschaft

Experten sind sich darin einig, dass der Zustrom ukrainischer Produkte vom Agrarsektor der übrigen EU bewältigt werden muss und nicht zu starken Marktstörungen führen darf. 80 % der Gesamt-LF der Ukraine sind Ackerland. Es umfasst nach dem Gebietsstand vor dem Krieg 33 Mio. ha und entspricht damit fast einem Drittel der Ackerfläche der gesamten EU–27.

Die zehn größten Agrarholdings der Ukraine (Bildquelle: Destatis)

Etwa drei Viertel der ukrainischen Ackerflächen sind hochfruchtbare Schwarzerde–Böden. Durch den Krieg hat die Ukraine rund ein Fünftel weniger Agrarflächen in der Bewirtschaftung. Nach aktuellem Gebietsstand betragen die Ackerflächen der Ukraine nur 26 Millionen Hektar und entsprechen damit einem Viertel der EU–27–Ackerfläche. 81 % der ukrainischen Agrarerzeugung sind pflanzlichen Ursprungs. Nur 19 % entfallen auf tierische Erzeugnisse, Tendenz rückläufig. 42 % der tierischen Erzeugnisse werden nach Angaben für 2023 von den sogenannten Hauswirtschaften erbracht.

Ukraine-Getreide würde EU-Position auf Weltmarkt stärken

Experten sind sich aber auch darin einig, dass ein EU–Beitritt der Ukraine die strategische Lage der Europäischen Union auf den weltweiten Getreide– und Ölsaatenmärkten verbessern würde. Denn diese globalen Märkte mit relativ großem Markteinfluss der Ukraine funktionieren in einem System kommunizierender Röhren, so dass sich die Preiseffekte häufig nur durch Marktmacht erzielen lassen. In diesem Zusammenhang erwarten viele Experten, dass auch künftig ein signifikanter Anteil der ukrainischen Agrarerzeugnisse eher am Weltmarkt denn im EU–Binnenmarkt gehandelt werden.von Alfons Deter

Ausblick der EU-Kommission: Rückgang bei Schweinefleischproduktion und Verzehr bis 2035

Header Eu Kommission

Laut dem neuesten Marktausblick der EU-Kommission für die nächsten zehn Jahre dürften sowohl der Schweinefleischverzehr als auch die Schweinefleischproduktion in der EU bis 2035 weiter leicht, aber stetig abnehmen. Gleichzeitig nimmt der Wettbewerb auf den internationalen Märkten zu und globalen Handelsströme verschieben sich.

Die EU-Kommission erwartet bis 2035 einen kontinuierlichen Rückgang bei Schweinefleischproduktion und -verzehr.

EU‑Produktion sinkt bis 2035 kontinuierlich

Der Pro-Kopf-Verzehr könnte nach Einschätzung der EU-Fachleute von 23,8 kg auf 21,8 kg zurückgehen. Das würde einem durchschnittlichen Rückgang von etwa 0,9 % pro Jahr entsprechen. Gleichzeitig erwarten die Brüsseler Fachleute einen Produktionsrückgang von durchschnittlich ebenfalls 0,9 % pro Jahr, so dass im Jahr 2035 mit 19,7 Mio. Tonnen etwa 1,8 Mio. Tonnen weniger Schweinefleisch als im laufenden Jahr produziert würden.
Die jährlichen globalen Schweinefleischimporte beziffern die Experten der EU-Kommission bis 2035 als stabil auf ca. 10,5 Mio. Tonnen. Die Produktionskapazitäten in China und Vietnam könnten sich erholen und für eine geringere Importnachfrage sorgen, während es in einigen Regionen Afrikas und Asiens (z. B. Malaysia) zu einer steigenden Importnachfrage kommen könnte.

Internationaler Wettbewerb nimmt zu

Die geringere chinesische Nachfrage nach Schweinefleisch im kommenden Jahrzehnt dürfte den Wettbewerb durch die USA, Kanada und Brasilien in anderen asiatischen Märkten verstärken. Infolgedessen könnten die EU-Schweinefleischexporte bis 2035 um durchschnittlich ca. 1,0 % pro Jahr sinken. Dadurch dürfte der Anteil der EU an den weltweiten Schweinefleischexporten von 28,5 % auf 26 % zurückgehen.
Die EU-Kommission prognostiziert, dass die EU-Schweinepreise bis 2035 im Mittel bei rund 2,00 €/kg liegen und damit auf dem Niveau vergangener Jahre bleiben, jedoch weiterhin über den Erzeugerpreisen in Brasilien und Kanada liegen werden.

Maisanbau 2025: Strategien gegen Kälte- und Trockenstress enthüllt

Herausforderungen für den Maisanbau im Jahr 2025

Zu Beginn der Saison schienen die Bedingungen günstig: Die Aussaat begann früh und unter vielversprechenden Umständen. Doch das Blatt wendete sich Ende Mai, als ungewöhnlich kalte Nächte und Spätfröste den jungen Pflanzen zusetzten. Auch Trockenheit belastete viele Regionen, was zu schlechten Erträgen führte. Zwar brachte der Regen im Juli eine Entspannung, doch die Pflanzen blieben aufgrund der vorherigen Trockenheit kurz, zeigten aber eine beeindruckende Kolbenleistung.

Anforderungen an den Wasserbedarf von Mais

Mais stammt ursprünglich aus den Subtropen und benötigt daher konstante Bodentemperaturen zwischen 8 und 10 °C während der Aussaat. Um optimal zu keimen, muss das Saatkorn etwa 30 Prozent seines Eigengewichts an Bodenwasser aufnehmen. Lange Auflaufphasen über 14 Tage sollten vermieden werden, da sie die Vitalität der Pflanzen schwächen und sie anfälliger für Krankheiten machen.

Mit dem Beginn des Längenwachstums steigt der Wasserbedarf des Maises kontinuierlich an. Besonders in der Phase zwischen dem Erscheinen des letzten Blattes und der Einkörnung verbraucht die Pflanze bis zu 50 Prozent ihres gesamten Wasserbedarfs. Fehlende Niederschläge in dieser Zeit führten in einigen Regionen zu erheblichen Einbußen bei Wuchs und Kolbenbildung.

Kältetolerante Sorten als Lösung

Um den Herausforderungen von Kälteperioden zu begegnen, haben sich bestimmte Maissorten als vorteilhaft erwiesen. Flint-Typen sowie Flint- und Dentkreuzungen zeigen eine höhere Kältetoleranz als reine Dent-Sorten. Diese Sorten bieten ein gleichmäßiges Auflaufen und stabiles Jugendwachstum auch unter kühlen Bedingungen.

Unter schwierigen Frühjahrskonditionen können diese Sorten ihren Entwicklungsvorsprung nutzen, um Erträge vor Eintritt von Stressphasen zu realisieren. Auch bei reinen Dent-Typen gibt es interessante Sorten mit guter Jugendentwicklung und Trockentoleranz.

Nährstoffversorgung in kalten Phasen

Kälte vermindert sowohl das Wurzelwachstum als auch die Nährstoffaufnahme. Daher ist eine gezielte Unterfußdüngung mit Diammoniumphosphat oder Schwefelsaurem Ammoniak sinnvoll, um den Pflanzen trotz niedriger Phosphorgehalte im Boden Unterstützung zu bieten. Die Platzierung von Spurennährstoffen wie Bor, Mangan und Zink hilft zusätzlich bei der Bewältigung von Kältestress.

Saatgutbeizung zur Ertragssicherung

Eine moderne Saatgutbeizung kombiniert Fungizide und Insektizide mit Nährstoffkomponenten und trägt wesentlich zur sicheren Jugendentwicklung bei kühlen Temperaturen bei. Fungizide schützen vor bodenbürtigen Krankheiten wie Pythium oder Fusarium, während Insektizide gegen Schadinsekten wirken. Beiznährstoffe fördern zudem ein stabiles Wurzelsystem.

Umgang mit Trockenstress

Trockene Bedingungen setzten dem Mais stark zu, insbesondere während seiner Hauptwachstumsphase. Ein Silomaisbestand benötigt etwa 400 bis 480 mm Wasser über die Vegetationsperiode hinweg, was in Jahren mit geringerem Niederschlag problematisch sein kann.

Befruchtungsstörungen durch Trockenheit sind häufig sichtbar an Kolben mit fehlenden Körnern an der Spitze. Diese entstehen oft durch ein verzögertes Auftreten der Narbenfäden oder eine frühzeitige Pollenfreisetzung.

Was verursacht die Klimakrise?

Das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas setzt erhebliche Mengen CO₂ frei. Hauptquellen sind Kohlekraftwerke und Anlagen der Schwerindustrie (Stahl, Aluminium). Methan kommt vor allem aus der intensiven landwirtschaftlichen Tätigkeit. Zudem verschwinden natürliche Kohlenstoffsenken, die CO₂ dauerhaft aufnehmen, etwa durch Waldrodung und Austrocknung der Moore. Immer mehr Treibhausgase gelangen so in die Atmosphäre, verstärken den natürlichen Treibhauseffekt.

Und: In vielen Ländern entwickeln sich die Volkswirtschaften gerade, bisher fast immer auf Basis fossiler Energieträger wie Kohle und Öl. Noch mehr CO₂-Ausstoß ist die Folge.

Welche Länder stoßen am meisten CO₂ aus?

China liegt an der Spitze mit rund 32 Prozent, gefolgt von den USA mit etwa 13 Prozent, Indien mit rund 8 Prozent und Russland mit etwa 4,6 Prozent. Der deutsche Anteil liegt bei knapp 1,5 Prozent (Stand: 2024).

Global haben sich die energiebedingten CO₂-Emissionen – also die Treibhausgase, die bei der Umwandlung von Energieträgern etwa in Strom, Wärme oder im Verkehr entstehen – ständig erhöht: von 22,5 Gigatonnen (Gt, eine Gigatonne entspricht einer Milliarde Tonnen) 1990 auf 38,1 Gt im Jahr 2024.

Allerdings hat sich die Anstiegskurve abgeflacht. Für einige Wissenschaftler ein Zeichen, dass Klimaschutzmaßnahmen anfangen zu wirken.

Wie sehr hat sich die Erde bereits erwärmt?

Belastbare Wetterdaten gibt es seit 1881. Nimmt man dieses Jahr als Startpunkt, so hat sich der globale Temperaturdurchschnitt bis 2024 um gut 1,55 Grad erhöht – mit starken regionalen Unterschieden. Betrachtet man die Entwicklung im Schnitt mehrerer Jahre, liegt die Erhöhung bei etwa 1,3 Grad. Auch differiert die Erwärmung über Land und über der Meeresoberfläche.

„Der vom Menschen verursachte Klimawandel wirkt sich bereits auf viele Wetter- und Klimaextreme in allen Regionen der Welt aus. (…) Viele Veränderungen im Klimasystem werden in unmittelbarem Zusammenhang mit der zunehmenden globalen Erwärmung größer. Dazu gehören die Zunahme der Häufigkeit und Intensität von Hitzeextremen, marinen Hitzewellen und Starkniederschlägen, landwirtschaftlichen und ökologischen Dürren in einigen Regionen, das Ausmaß tropischer Wirbelstürme sowie Rückgänge des arktischen Meereises, von Schneebedeckung und Permafrost.“

CO₂ hält sich 1.000 Jahre in der Atmosphäre, verstärkt also sehr lange den Treibhauseffekt. Selbst wenn sofort alle Emissionen gestoppt würden, würden die Klimawandelfolgen noch viele Dekaden auftreten.

Uneins ist die Wissenschaft hinsichtlich sich verstärkender Effekte. Wenn beispielsweise Methan aus tauenden Permafrostböden austritt und bestimmte Mengen dieses Gases frei werden, könnte es eine Art Klimawandel-Turbo geben. Das heißt, die Erwärmung würde noch schneller voranschreiten. Auch sind die Effekte der schmelzenden Landeismassen nicht genau vorherzusagen.