In den USA rollt eine Insolvenzwelle über die Höfe. Die Bauern verschulden sich immer mehr. Schuld sei die Regiertung heißt es. Experten warnen vor einem Zusammenbruch der US-Landwirtschaft.
Trotz massiver staatlicher Zahlungen wird das Einkommen der US-Landwirtschaft 2026 voraussichtlich sinken.
Als Zeichen für die zunehmende Belastung der US-Landwirte prognostizierte das Landwirtschaftsministerium (USDA) am Donnerstag einen Rückgang des Netto-Landwirtschaftseinkommens um 0,7 % in diesem Jahr. Dies trotz nahezu rekordverdächtiger staatlicher Zahlungen, die voraussichtlich fast 29 % des Gewinns der Erzeuger ausmachen werden, berichtet Reuters.
Das Netto-Landwirtschaftseinkommen, ein wichtiger Indikator für die Rentabilität der Landwirtschaft, wird laut USDA im Jahr 2026 gegenüber dem Vorjahr um 0,7 % auf 153,4 Mrd. US-Dollar sinken. Inflationsbereinigt wird ein Rückgang um 4,1 Mrd. US-Dollar bzw. 2,6 % erwartet. Ohne die staatlichen Zahlungen würde das Netto-Landwirtschaftseinkommen in diesem Jahr laut Behördenangaben um fast 12 % auf 109,1 Mrd. US-Dollar fallen.
„Die staatlichen Zahlungen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Unterstützung der Pflanzenbauern“, sagt Wesley Davis, Partner bei Meridian Agribusiness Advisors, einem agrarökonomischen Beratungsunternehmen in New York City.
Landwirte, Wirtschaftswissenschaftler und Abgeordnete warnen jedoch, dass möglicherweise noch mehr staatliche Unterstützung nötig sein wird, um die Folgen niedriger Erzeugerpreise, eines weltweiten Getreideüberschusses, steigender Betriebskosten und sinkender Exportumsätze aufgrund der handels- und wirtschaftspolitischen Änderungen der Trump-Ära abzufedern.
Viele Landwirte sind zunehmend auf staatliche Hilfen angewiesen, um ihre Rechnungen zu bezahlen – und verschulden sich gleichzeitig auf Rekordniveau –, obwohl die staatlichen Zahlungen bereits Rekordhöhen erreichen, so Wirtschaftswissenschaftler.
Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) prognostiziert, dass die Erzeuger 2025 30,5 Mrd. US-Dollar und 2026 44,3 Mrd. US-Dollar an direkten Zahlungen erhalten werden, ohne zusätzliche Auszahlungen aus der staatlichen Ernteversicherung. Solche Summen wurden zuletzt 2020 und 2021 inmitten der COVID-19-Pandemie und der Handelsstörungen während der ersten Amtszeit von Präsident Donald Trump erreicht.
Am Donnerstag erklärte das USDA, die höheren Unterstützungsbeträge spiegelten Zahlungen aus Programmen des Landwirtschaftsgesetzes wider, die durch sinkende Erzeugerpreise ausgelöst wurden, sowie weiterhin hohe Zusatz- und Katastrophenhilfen.
Die Daten, die dreimal jährlich veröffentlicht werden, wurden im Dezember aufgrund einer früheren Haushaltssperre der US-Bundesregierung nicht freigegeben. Die Ergebnisse wurden stattdessen in den regulären Februarbericht aufgenommen. Agrarökonomen erklärten, diese Verzögerung habe die Beurteilung der Belastungen im Agrarsektor erschwert.
Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) prognostiziert für dieses Jahr steigende Bareinnahmen der Landwirte – also die Bezahlung ihrer Ernte – für Mais, relativ stabile Sojabohneneinnahmen und sinkende Weizeneinnahmen.
Die Einnahmen aus der Viehhaltung dürften hauptsächlich aufgrund niedrigerer Eier- und Milchpreise zurückgehen, während die Einnahmen aus der Rinderhaltung weiter steigen werden.
Der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses des US-Senats erklärte am Dienstag, viele Landwirte erlitten schwere Verluste. Mehr als zwei Dutzend ehemalige USDA-Beamte und Branchenvertreter warnten die Abgeordneten, die US-Landwirtschaft sei aufgrund der Politik der Trump-Regierung von einem „weitreichenden Zusammenbruch“ bedroht.
Dramatisch liest sich auch ein Artikel in der New York Times vom 3. Februar. Demnach hat eine parteiübergreifende Koalition ehemaliger Beamter des Landwirtschaftsministeriums und führender Vertreter von Agrarverbänden einen Offenen Brief verfasst, in dem sie vor einem „weitreichenden Zusammenbruch der amerikanischen Landwirtschaft“ warnt.
Der Brief an die Vorsitzenden und ranghohen Mitglieder der Agrarausschüsse des Repräsentantenhauses und des Senats wurde von 27 einflussreichen Persönlichkeiten des Agrarsektors unterzeichnet, darunter ehemalige Vorsitzende mächtiger Verbände von Mais- und Sojabauern sowie Beamte der Regierungen von Bush und Reagan, so die Zeitung. Darin wird die Bestürzung über den „Schaden, der den amerikanischen Landwirten zugefügt wurde“, zum Ausdruck gebracht.
Es gebe zwar viele Gründe für die steigenden Insolvenzen in der Landwirtschaft und die sinkenden Gewinne, doch „es ist klar, dass die Maßnahmen der aktuellen Regierung, zusammen mit der Untätigkeit des Kongresses, die Kosten für Betriebsmittel erhöht, die ausländischen und inländischen Märkte gestört, der Landwirtschaft einen verlässlichen Arbeitskräftepool entzogen und wichtige Agrarforschung und -personal gekürzt haben“, warnt der Brief.
Die Unterzeichner forderten den Kongress auf, die Zölle für den Agrarsektor zu senken, die internationalen Märkte zu erweitern, ein neues Landwirtschaftsgesetz zu verabschieden und die Finanzierung von Agrarforschung und -personal wiederherzustellen.
„Unsere Landwirte und Viehzüchter können international konkurrenzfähig sein, aber nicht unter den gegebenen chaotischen politischen Bedingungen“, sagt Jon Doggett, ehemaliger Geschäftsführer des US-amerikanischen Maiszüchterverbands (National Corn Growers Association), in einem Interview. von Alfons Deter