Vertrauen schafft Zukunft – Impulse für schwierige Zeiten

Der Kongress „My Hope“ lieferte Ende Jänner wertvolle Impulse über Vertrauen. Experten zeigten, wie es gerade in Krisenzeiten zum Motor für Veränderung wird.

Götzis/Vorarlberg – Für Landwirte ist Vertrauen ein bedeutsamer Faktor. Dennoch ist es ein Paradox unserer Zeit: Die Welt war noch nie so digital vernetzt wie heute – und gleichzeitig isolieren sich viele Menschen voneinander. Bei Herausforderungen hilft es aber, Beziehungen aufzubauen und innovative Lösungen zu wagen.

Der Kongress „My Hope 2026“ auf der Kulturbühne Ambach lieferte Impulse, wie gute Ideen entstehen. Auf den Punkt gebracht: Mehr Vertrauen wirkt sich positiv auf Beziehungen aus, auf Freiheit und Risikobereitschaft bis hin zu mehr Mut zur Veränderung.

Abenteurer Stefan Gantner erzählte, wie Vertrauen sein eigenes Leben geprägt hat. Mit einer schweren Knochenkrankheit geboren, lehnte er 1994 eine Amputation ab. Eltern und Ärzte setzten auf experimentelle Operationen – vierzehn Jahre später läuft er selbstständig und sitzt beruflich fest im Sattel. „Mir wurde Vertrauen vorgelebt“, betonte Gantner.

Neurowissenschaftlerin Michaela Brohm-Badry erklärte unsere drei Gehirnnetzwerke: Das erste signalisiert Gefahr und Rückzug, das zweite öffnet uns für Neues und Beziehungen. Das dritte steuert, welches der beiden Zentren aktiv werden soll. Das erklärt, dass Misstrauen Menschen dazu veranlasst, ihre Energie dafür einzusetzen, die Situation zu kontrollieren – während im Zustand des Vertrauens das Gegenteil passiert. Es gehe nicht um blinde Sicherheit, sondern um aktives Hinschauen und Abwägen von Warnsignalen, sagte die Forscherin.

In der Landwirtschaft ist die Stimmung oft von tiefer Verunsicherung und wirtschaftlichem Druck geprägt. Laut aktuellem Rentenbankbarometer bewerten viele Betriebe in Deutschland ihre Lage schlechter als im Vorjahr, was sich in gedrückten Erwartungen für das gesamte Jahr widerspiegelt. Die Lage in Österreich dürfte vermutlich nicht stark davon abweichen.

Dazu stellte Zukunftsforscher Andrea Krafft von der Universität St. Gallen klar: Hoffnung braucht Vertrauen als Basis, gerade bei Krisen. „Wenn wir jetzt nicht ins Vertrauen für eine gute Zukunft gehen, wann dann?“, fragte er. Gleichzeitig sind wir in schwierigen Zeiten anfällig für Manipulation und falsche Hoffnungen, warnt er.

Einige politische Entwicklungen bieten vermeintlich Sicherheit, Kontrolle und Beständigkeit. Ihre Wahl grenzt aber zunehmend ein und verzichtet auf Freiheit, Risiko, Veränderung und das Fokussieren auf ein gemeinsam gedachtes Ziel. von Karin Müller Vögel