Stagnierende Getreidepreise bei gleichzeitig hohen Produktionskosten setzen Ackerbaubetriebe massiv unter Druck. Der Bauernbund fordert Entlastungen, faire Preise und klare Regeln für Importe.
Winterweizen, -gerste, -roggen und Co. stehen schon auf den Feldern. Wie die Ernte 2026 wird, ist nicht klar. Was den meisten Landwirten jedoch schon jetzt klar ist: Mit den aktuellen Getreidepreisen lässt sich kein Geld verdienen. Die wirtschaftliche Lage im Ackerbau spitzt sich zu. Während die Erzeugerpreise bereits das zweite Jahr in Folge stagnieren, steigen die Produktionskosten weiter an. Für eine Tonne Mahlweizen erhielten Landwirte zuletzt rund 180 € – ein Minus von 15 % gegenüber dem Vorjahr, rechnet der Bauernbund vor.
Besonders kritisch sieht der Bauernbund den geringen Anteil der Wertschöpfung, der bei den Betrieben ankommt. 1 Cent bleibt nur bei einer Semmel für den Landwirt. „Selbst wenn der Bauer seinen Weizen verschenkt, würde die Semmel für Konsumenten nur um rund einen Cent billiger. Zu diesen Preisen können wir in Österreich kein Getreide produzieren“, betont Bauernbund-Präsident Georg Strasser. Mit der Kampagne Schleuderpreise setzt sich der Österreichischer Bauernbund für faire Preise und eine nachhaltige Zukunft der heimischen Landwirtschaft ein.
Hohe Kosten belasten Bauern
Ein wesentlicher Kostentreiber sind Düngemittel, deren Preise seit dem Krieg in der Ukraine stark gestiegen sind. Zusätzliche Belastungen durch den CO2-Grenzausgleich (CBAM) und weitere EU-Klimavorgaben lehnt der Bauernbund ab. Strasser fordert, CBAM entweder auszusetzen oder die Einnahmen gezielt zur Entlastung der Landwirtschaft zu verwenden. Unterstützung kommt für die Initiative von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, der beim Agrarministerrat in Brüssel ein entsprechendes Maßnahmenpaket eingebracht hat.
Auch die Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln bleibt ein zentrales Anliegen. Während in Drittstaaten wie der Ukraine oder Südamerika Mittel zugelassen sind, die in der EU seit Jahrzehnten verboten sind, fordert der Bauernbund schärfere Kontrollen. Verlangt wird ein nationales Monitoring sowie konsequente Kontrollen importierter Lebens- und Futtermittel auf Rückstände verbotener Pflanzenschutzmittel und Gentechnik. Totschnig will die Kommission auf rasche Umsetzung drängen, „damit die Einhaltung gleicher Standards bei Lebensmittel gesichert wird. Was für die heimische Landwirtschaft gilt, muss auch für importierte Lebensmittel gelten.“ von Roland Pittner
