Wiener Schnitzel ohne Herkunft?

Masken gehören in den Fasching – nicht auf den Teller. Denn viele „Wiener Schnitzel“ in der Gastronomie sind Mogelpackungen aus dem Ausland. Zeit für Fleisch-Wahrheit!

Aktuell ist wieder Faschingszeit. Dazu gehört bekanntlich auch das Maskieren. Auf eine Maskerade verzichten könnten wir allerdings beim Speisen-Angebot in unseren Gasthäusern und Restaurants. Denn die wenigsten Gäste wissen zum Beispiel, dass ihr echtes Wiener Schnitzel gar nicht aus Österreich stammt.

Bei uns werden pro Jahr rund 50.000 Kälber geschlachtet. Gebraucht würde für Wiener Schnitzel & Co aber Fleisch von etwa 120.000 Tieren. Die Lücke von rund 70.000 Kälbern wird mit Importware geschlossen, vor allem aus den Niederlanden. Beliefert werden unsere Gastrobetriebe häufig von Astrokalb. Dieser Großhändler aus Niederösterreich zerlegt und lagert vor allem importiertes niederländisches Kalbfleisch, daneben auch welches aus österreichischer Produktion. Das berichtete kürzlich der ORF-Report ,,Das Wiener Schnitzel aus dem Ausland“. Andererseits werden Zehntausende heimische Kälber lebend quer durch Europa zur Mast gekarrt.

Das „Kalbsschnitzel vom Öster­reicher“ in der Gastronomie kommt Schätzungen zufolge in 80 bis 90 % der Fälle aus den Niederlanden. Dort werden Kälber aus verschiedenen EU-Ländern in spezialisierten Mastanlagen, ohne Stroh, mit Milchpulvertränke für extra helles Fleisch gehalten. Diese Bedingungen ­wären in Österreich nicht zulässig und sind ein Hohn gegenüber unseren strengeren Tierschutzstandards.

Hierzulande sind Raufutter ab der zweiten Woche, bessere Flächen, Licht und der Verzicht auf reine Flüssigfütterung vorgeschrieben – das macht die heimische Mast kleinstrukturiert, teurer, aber deutlich tiergerechter.

Und mit „Kalb Rosé“ liegt die Lösung doch längst am Tisch: 100 % österreichische Milchrassekälber, AMA-Gütesiegel, artgerechte Aufzucht, kürzere Transporte und Wertschöpfung am Hof statt in ausländischen Ketten. Kalb Rosé ist kein Weißfleisch, sondern – wie das Wort rosé schon sagt – ein etwas dunkleres. Dass dieses im Einkauf um vielleicht 20 % teurer ist als Importware, entspricht beim Kalbsschnitzel einem Aufpreis von nur wenigen Dutzend Cent – Geld, das entweder beim Bauern landet oder im Dumping-System der internationalen Fleischindustrie verschwindet.

Deshalb ist es höchste Zeit, dass die Gastronomie die Herkunft des Fleisches offenlegen muss. Ohne Wenn und Aber braucht es jetzt eine klare Herkunftskennzeichnung auf ­jedem Speiseplan. Weiters braucht es ­einen Landwirtschaftsminister, der dieses Thema endlich in Österreich durchsetzt, im Lichte von Freihandelsabkommen wie Mercosur dringender denn je – und nicht nur möglichen EU-Lösungen nachläuft.

Und es braucht Bauern, die selbstbewusst auf Kalb Rosé setzen. Denn damit kann ein gutes Einkommen erwirtschaftet werden, wie aktuelle Berechnungen zeigen. Das würde weniger Kälbertransporte und mehr Wertschöpfung daheim bedeuten. Und dann gehörte auch zum Wiener Schnitzel nicht länger ein schaler Beigeschmack. von Torsten Altmann