Die Nutztierhaltung sorgt für 15,6 Mrd. € Wertschöpfung

Die Nutztierhaltung erzeugt 15,6 Mrd. € Wirtschaftskraft und sichert 182.500 Jobs in Österreich. Das zeigt eine IWI-Studie. Sie zeigt auch: Hohe Kosten drücken, deshalb werden faire Preise gefordert.

Die Nutztierhaltung stellt eine tragende Säule der österreichischen Volkswirtschaft dar. Sie erzielt eine Gesamtwirtschaftskraft von 15,6 Mrd. € sowie 182.500 gesicherte Arbeitsplätze. Dies zeigt eine vom Industriewissenschaftlichen Institut (IWI) im Auftrag der Nachhaltigen Tierhaltung Österreich (NTÖ) erstellte Studie, die am Mittwoch auf einer Pressekonferenz präsentiert wurde.

Die Studie gliedert die Wirtschaftskraft präzise: 7,2 Mrd. € direkter Produktionswert innerhalb der Nutztierbetriebe, ergänzt durch 4,2 Mrd. € indirekte Effekte in Zulieferbranchen wie Futtermittel, Bauwesen (Stallbau), Tierarztleistungen, Versicherungen und Energie, erklärte IWI-GF Herwig Schneider. Induzierte Effekte durch Konsum und Investitionen der Beschäftigten würden weitere Impulse bringen, was zu einer gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung von 6,7 Mrd. € führe – vergleichbar mit Arbeitnehmerentgelten, Gewinnen und Zinsen. Die Multiplikatoreffekte sind laut Schneider enorm: „Jeder Euro in der Tierhaltung generiert mehr als einen weiteren in der übrigen Wirtschaft, jeder Job schafft über 6% der gesamten Beschäftigung“, so der Experte.

Rund 182.500 Arbeitsplätze – davon ein signifikanter Teil in ländlichen Regionen – werden durch die Nutztierhaltung gesichert, beginnend bei 82.000 tierhaltenden bäuerlichen Familienbetrieben (93% aller Landwirtschaftsbetriebe). Jeder zweite Job in der Landwirtschaft hänge direkt mit Tierhaltung zusammen, sagte Schneider. Impulse würden in Verarbeitung, Transport, Handel, Futtermittel- und Getränkeindustrie sowie chemische und Textilbranche gehen. Alle Bundesländer profitieren, besonders Flächenländer wie Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark, aber auch Tirol; Rinderwirtschaft dominiert, gefolgt von Schweinen, Geflügel, Schafen/Ziegen und Pferden, führte der Fachmann weiter aus.

aut Schneider drücken vor allem die Kostensteigerungen in der Landwirtschaft: Seit 2020 erhöhten sich die Umsätze zwar im Schnitt um 18%, jedoch stiegen die Kosten um 37% – also doppelt so schnell, besonders bei futterintensiven Arten wie Rindern, Schweinen und Geflügel. Hohe Anteile entfallen auf Futtermittel, Stallungen und Energie. Die Studie warnt vor Wettbewerbsverlust durch Importe und fordert Planungssicherheit.​

Totschnig nannte die Nutztierhaltung einen „zentralen Pfeiler des ländlichen Raums“ und starken Motor für Branchen wie Futtermittel, Verarbeitung, Tourismus, Energie und Technologie, mit 182.000 gesicherten Jobs. Er lobte die 93% bäuerlichen Familienbetriebe (82.000 tierhaltend), den EU-Spitzen-Bio-Anteil (27% Fläche) und über 80% Agrarumweltprogramm-Teilnahme als Vorbild für nachhaltige Produktion.​

Gleichzeitigt warnte der Minister vor steigenden Kosten, Wettbewerbsdruck durch Freihandelsabkommen (z. B. Mercosur), Klimawandel, Tierseuchen und niedrige Einkommen. Er forderte Planungssicherheit im EU-Budget 2028 bis 2034, weniger Bürokratie in der GAP, Digitalisierung, Klimawandelanpassung (Versicherungen, Forschung), Investitionen und eine erweiterte Herkunftskennzeichnung.

NTÖ-Obmann Markus Lukas, selbst Geflügelbauer aus der Südsteiermark, betonte, dass die Nutztierhaltung die Österreicher „dreimal täglich“ beim Frühstück, Mittagessen und Abendessen versorgt – eine oft unsichtbare Leistung für Versorgungssicherheit, Regionen und Wirtschaftsstandort.​ Er zeigte sich beeindruckt von den 15,6 Mrd.€ , forderte aber faire Rahmenbedingungen angesichts der Kostenexplosion: „Hohe Standards brauchen faire Entlohnung“, sagte Lukas. Weiters mahnte er eine stabile GAP, faire Wettbewerbsbedingungen für Importe, Transparenz in der Wertschöpfungskette (klare Herkunftskennzeichnung) und Verbraucher-Verantwortung ein: „Wer hohe Standards will, muss sie beim Einkauf mittragen.“ von Torsten Altmann