Belgien prüft eine flächendeckende Impfung gegen die Vogelgrippe. Eine neue Arbeitsgruppe soll klären, ob sich die hohen Kosten lohnen – und welche Folgen eine Impfkampagne für Handel und Export hätte. Während in Westflandern Sperrzonen fallen, bleibt vor allem der Export in Drittländer ein Unsicherheitsfaktor.
Belgien entwickelt Impfstrategie gegen Vogelgrippe
Die belgische Bundesregierung bereitet eine mögliche Impfstrategie gegen die hochpathogene Vogelgrippe vor. Dafür hat sie eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Diese soll prüfen, ob eine groß angelegte Impfkampagne wirtschaftlich sinnvoll ist.
Währenddessen lockert Belgien in Westflandern schrittweise die bestehenden Sperrzonen. Die Aufhebung der Maßnahmen läuft dort bereits.
Ausbrüche belasten die Geflügelbranche finanziell
Die wiederholten Vogelgrippe-Ausbrüche verursachen hohe Kosten. Seit 2022 greift Belgien für die Bekämpfung auf Krisenreserven der Föderalen Agentur für die Sicherheit der Nahrungsmittelkette (FASNK) zurück. Die Gesamtausgaben schätzt die Regierung auf rund 12,7 Millionen Euro.
Vor diesem Hintergrund soll die neue Arbeitsgruppe bewerten, ob Impfungen langfristig günstiger sind als Keulungen und Entschädigungszahlungen. Das berichtet das flämische Agrarmedium Vilt.
Landwirtschaftsminister David Clarinval macht jedoch deutlich, dass eine flächendeckende Impfung komplex bleibt. Belgien müsse zuerst klären, ob ausreichend wirksame Impfstoffe verfügbar sind. Auch die logistische Umsetzung stelle hohe Anforderungen.
Zudem könnten Impfungen neue Handelsprobleme auslösen. Clarinval betont: Auch geimpfte Betriebe müssten weiterhin streng überwacht werden.
Export in Drittländer bleibt der größte Unsicherheitsfaktor
Die Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) und die EU-Kommission haben ihre Regeln inzwischen angepasst, um Impfungen gegen hochpathogene Vogelgrippe zu ermöglichen. Innerhalb der EU kann Belgien geimpftes Geflügel unter Bedingungen weiter vermarkten – etwa für die sofortige Schlachtung oder den Handel mit Bruteiern und Eintagsküken.
Beim Export in Drittländer bleibt die Lage jedoch unsicher. Diese Staaten könnten Importe aus geimpften Beständen ablehnen. Für Belgien wäre das ein wirtschaftliches Risiko.
Frankreich als Beispiel – aber mit anderen Voraussetzungen
Die Arbeitsgruppe soll Kosten und Nutzen gegeneinander abwägen. Frankreich zeigte, dass Impfungen günstiger sein können als wiederholte Keulungen. Allerdings unterscheidet sich die Ausgangslage: Frankreich impfte unter anderem Enten, um die Foie-gras-Produktion zu schützen – ein hochwertiges Nischenprodukt mit besonderer wirtschaftlicher Bedeutung.
EU beteiligt sich weniger an den Kosten
Clarinval verweist außerdem auf eine weitere Belastung: Die europäische Kofinanzierung für Tier- und Pflanzengesundheit sank von 50 auf 20 Prozent. Damit müssen Mitgliedstaaten deutlich mehr selbst zahlen.
Nach Einschätzung des Ministers könnte dies die Harmonisierung innerhalb Europas schwächen und die Gesundheitsrisiken erhöhen. Belgien will sich deshalb für eine höhere EU-Kofinanzierung im neuen mehrjährigen Finanzrahmen ab 2027 einsetzen.
Branche rät zu Vorsicht bei Impfungen
Auch aus der Geflügelwirtschaft kommen warnende Stimmen. Nepluvi-Vorsitzender Gert-Jan Oplaat plädierte bereits im Mai 2024 dafür, Brutgeflügel vorerst nicht zu impfen. Er begründet das mit dem geringeren Risiko im Vergleich zu Legehennen und mit den hohen Exportinteressen.
Oplaat fordert, Impfungen nur schrittweise einzuführen. Ziel müsse sein, Handelsreaktionen zu vermeiden. Frankreich verlor nach dem Start der Impfkampagne zeitweise Exportmöglichkeiten, weil einzelne Länder ihre Grenzen für Geflügelprodukte schlossen werden.