Monat: Februar 2026

Zu aktuellen Preisen können wir kein Getreide produzieren

Stagnierende Getreidepreise bei gleichzeitig hohen Produktionskosten setzen Ackerbaubetriebe massiv unter Druck. Der Bauernbund fordert Entlastungen, faire Preise und klare Regeln für Importe.

„Selbst wenn der Bauer seinen Weizen verschenkt, würde die Semmel für Konsumenten nur um rund einen Cent billiger. Zu diesen Preisen können wir in Österreich kein Getreide produzieren“, sagt Bauernbund-Präsident Georg Strasser.

Winterweizen, -gerste, -roggen und Co. stehen schon auf den Feldern. Wie die Ernte 2026 wird, ist nicht klar. Was den meisten Landwirten jedoch schon jetzt klar ist: Mit den aktuellen Getreidepreisen lässt sich kein Geld verdienen. Die wirtschaftliche Lage im Ackerbau spitzt sich zu. Während die Erzeugerpreise bereits das zweite Jahr in Folge stagnieren, steigen die Produktionskosten weiter an. Für eine Tonne Mahlweizen erhielten Landwirte zuletzt rund 180 € – ein Minus von 15 % gegenüber dem Vorjahr, rechnet der Bauernbund vor.

Besonders kritisch sieht der Bauernbund den geringen Anteil der Wertschöpfung, der bei den Betrieben ankommt. 1 Cent bleibt nur bei einer Semmel für den Landwirt. „Selbst wenn der Bauer seinen Weizen verschenkt, würde die Semmel für Konsumenten nur um rund einen Cent billiger. Zu diesen Preisen können wir in Österreich kein Getreide produzieren“, betont Bauernbund-Präsident Georg Strasser. Mit der Kampagne Schleuderpreise setzt sich der Österreichischer Bauernbund für faire Preise und eine nachhaltige Zukunft der heimischen Landwirtschaft ein.

Hohe Kosten belasten Bauern

Ein wesentlicher Kostentreiber sind Düngemittel, deren Preise seit dem Krieg in der Ukraine stark gestiegen sind. Zusätzliche Belastungen durch den CO2-Grenzausgleich (CBAM) und weitere EU-Klimavorgaben lehnt der Bauernbund ab. Strasser fordert, CBAM entweder auszusetzen oder die Einnahmen gezielt zur Entlastung der Landwirtschaft zu verwenden. Unterstützung kommt für die Initiative von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, der beim Agrarministerrat in Brüssel ein entsprechendes Maßnahmenpaket eingebracht hat.

Auch die Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln bleibt ein zentrales Anliegen. Während in Drittstaaten wie der Ukraine oder Südamerika Mittel zugelassen sind, die in der EU seit Jahrzehnten verboten sind, fordert der Bauernbund schärfere Kontrollen. Verlangt wird ein nationales Monitoring sowie konsequente Kontrollen importierter Lebens- und Futtermittel auf Rückstände verbotener Pflanzenschutzmittel und Gentechnik. Totschnig will die Kommission auf rasche Umsetzung drängen, „damit die Einhaltung gleicher Standards bei Lebensmittel gesichert wird. Was für die heimische Landwirtschaft gilt, muss auch für importierte Lebensmittel gelten.“ von Roland Pittner

Ukrainischer Konzern MHP übernimmt Agrol-Anlage an Polens Grenze und die Geflügelpreise werden in den in den Keller gehen ?

Der ukrainische Lebensmittelkonzern MHP plant, die strategisch bedeutenden Schlacht- und Verarbeitungsanlagen seines Konkurrenten Agrol im Westen der Ukraine zu übernehmen. Diese Anlagen befinden sich in unmittelbarer Nähe zur EU-Außengrenze Polens und könnten erheblichen Einfluss auf den europäischen Geflügelfleischmarkt haben. Der neue Standort ermöglicht es MHP, die Transportkosten erheblich zu senken und die Exportkapazitäten nach Europa deutlich zu erhöhen.

Strategische Neuausrichtung an der EU-Grenze

Zwischen 2018 und 2021 errichtet, bietet der Agrol-Standort eine hochmoderne Infrastruktur, die MHP dabei unterstützt, seine Marktposition in Europa zu stärken. Die Nähe zur polnischen Grenze ist ein entscheidender Vorteil, um schnell und effizient in den europäischen Markt zu exportieren. Experten erwarten, dass diese Übernahme nicht nur die geografische Präsenz von MHP in der EU verstärkt, sondern auch den Wettbewerb im Geflügelsektor anheizt.

Auswirkungen auf den EU-Geflügelmarkt

Die geplante Expansion von MHP wird von Brancheninsidern als potenzieller Angriff auf den bestehenden Geflügelfleischmarkt der EU gewertet. Die gesteigerte Exportkapazität könnte dazu führen, dass europäische Produzenten stärker unter Druck geraten, ihre Preise wettbewerbsfähig zu halten. Dies könnte langfristig zu Veränderungen bei Angebot und Nachfrage innerhalb der Europäischen Union führen.

Zukunftsperspektiven für MHP

MHP verfolgt mit dieser strategischen Übernahme das Ziel, seine Position als einer der führenden Akteure im internationalen Geflügelmarkt weiter auszubauen. Durch die Nutzung der modernen Verarbeitungsanlagen nahe der polnischen Grenze möchte das Unternehmen seine Wettbewerbsfähigkeit auf dem europäischen Markt signifikant steigern. Ob dies gelingt, wird maßgeblich davon abhängen, wie sich die Integration des neuen Standorts in die bestehende Unternehmensstruktur gestaltet und das Billig- Hähnchen wird folgen….. .

Landwirtschaft und Freihandelsabkommen:Außenschutz bleibt Streitfrage

© BMLEH/Mewes

Die EU-Länder werden absehbar weiterhin über den richtigen Kurs zum Schutz des heimischen Agrarsektors beim Abschluss von Freihandelsabkommen diskutieren. Wie sich beim jüngsten Agrarrat gezeigt hat, bestehen in der Sache nach wie vor unterschiedliche Positionen. Die Bundesregierung sieht sowohl Schutzklauseln als auch Maßnahmen zur Angleichung der Produktionsstandards kritisch, berichtet AgE.

Beim Treffen der Landwirtschaftsminister am Montag (26.1.) in Brüssel forderte Polen mit Unterstützung von Österreich, Ungarn und der Slowakei, bilaterale Schutzklauseln zum Schutz der heimischen Landwirtschaft in allen Freihandelsabkommen der EU zu verankern. Die Klauseln sollen dabei unbefristet gelten sowie die Charakteristiken und Bedürfnisse des Agrarsektors berücksichtigen.

Außerdem muss aus Sicht der vier Mitgliedstaaten sichergestellt werden, dass importierte Lebensmittel und Agrarwaren vergleichbaren Produktionsstandards unterworfen werden. Flankierend soll die EU einen Kompensationsfonds einrichten, aus dem die heimischen Landwirte für finanzielle Nachteile als Folge von Freihandelsabkommen entschädigt werden sollen. Unterstützung erhielten die Forderungen aus Frankreich. Internationaler Handel müsse auf gerechten Regeln basieren, erklärte die französische Delegation.

Italien und Spanien setzen auf Mercosur-Regelungen

Anders als die Befürworter eines strengeren Außenschutzes zeigte sich Italien derweil zufrieden mit den flankierend zum Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten vorgesehenen Schutzklauseln für die europäische Agrarbranche. Nun müssten die Regelungen auch umgesetzt und kontrolliert werden, hieß es aus Rom.
Auch Spanien verwies in der Sache auf das Mercosur-Abkommen sowie die durch Freihandel zu erwartenden gesamtgesellschaftlichen Wohlstandsgewinne.

Deutschland lehnt zusätzliche Schutzklauseln ab

Eine klare Absage an einen dem Mercosur-Abkommen vergleichbaren Außenschutz kam hingegen aus Berlin. Der Ansatz, zusätzliche Schutzklauseln im Kontext von Handelsabkommen zu vereinbaren, sei ein expliziter Ausnahmefall für Ukraine und Mercosur und durch besondere Umstände zu begründen, erklärte die deutsche Delegation. Grundsätzlich kritisch sieht die Bundesregierung die sogenannten Spiegelklauseln. Der handelspolitische und rechtliche Spielraum dafür ist sehr gering, hieß es zur Erläuterung. Sollte die EU Drittländern die eigenen Produktionsstandards vorschreiben, gefährden wir unsere bilaterale Handelsagenda und verschärfen Handelskonflikte. Aus Sicht der Bundesregierung sollte sich die EU stattdessen auf multilateraler Ebene für eine Harmonisierung von Produktionsstandards einsetzen.