Österreichs Landwirte erzielen heuer ein kräftiges Plus ?

Nach durchwachsenen Jahren hat sich das Einkommen der Landwirte zumindest in diesem Jahr wieder erholt. Das sind die Gründe.

Nach zwei durchwachsenen Jahren können sich Österreichs Bauern wieder über eine Einkommensplus freuen. Den ersten Schätzungen der landwirtschaftlichen Gesamtrechnung zufolge erhöhte sich das landwirtschaftliche Faktoreinkommen je Jahresarbeitseinheit im Vorjahresvergleich real, also inflationsbereinigt, um 21,2 %. Im Vorjahr war es lediglich um 1,8 % gestiegen, nachdem es 2023 deutlich um 21,5 % eingebrochen war.

Der deutliche Einkommenszuwachs hat mehrere Gründe. Produktionswert und Wertschöpfung der heimischen Landwirtschaft wuchsen 2025 kräftig. Dank zufriedenstellender Ernten im Pflanzenbau und gestiegener Erlöse in der tierischen Erzeugung nahm der Produktionswert der Landwirtschaft nach Rückgängen in den beiden Vorjahren um zehn Prozent auf 11 Mrd. € im Vergleich zu 2024 zu. Das lag zum einen an den besseren Erzeugerpreisen in der tierischen Erzeugung, aber auch am höheren Produktionsvolumen im Pflanzenbau. So stieg das Volumen bei Getreide und Ölsaaten um etwa16 bzw. 15 %, bei Zuckerrüben sank die Produktion aufgrund er miserablen Preise in 2024 dagegen mengenmäßig um über 43 %. Auch bei Kartoffeln sanken die Umsätze. Trotz einer höheren Erzeugung (+13,6%) drückten niedrigen Preise (-20,3% ) das Umsatzvolumen um 9,5 %. Insgesamt betrug der Produktionswert im Pflanzenbau rund 4,6 Mrd. € (+11,3 %)

In der tierischen Erzeugung machten die guten Rinder- und Milchpreise die niedrigeren Erlöse im Schweinesektor wieder wett. Die Schweineproduktion wuchs zwar leicht, dagegen hielt der Rückgang der Rindfleischerzeugung auch 2025 mit einem Minus von 3,3 % an. In der Milchproduktion dagegen sorgten vor allem die um gut elf Prozent höheren Preise für den Umsatzzuwachs um 13 % auf über 2,2 Mrd. €. Doch die Milchpreise sinken inzwischen schon. 

Die Umsätze bei Rindern (1,2 Mrd. €), Milch und Schweinen (0,9 Mrd. €) prägen in der Tierhaltung den Gesamtumsatz von 5,2 Mrd. € (+9,9%).

Auf der Kostenseite erhöhten sich laut Statistik Austria auch die Aufwendungen für Vorleistungen um +3,7 % auf 5,9 Mrd. €. Auch die Abschreibungen für das Anlagevermögen weiter zu. Sie kletterten um 1,6 % auf knapp 2,8 Mrd. €. Die als „sonstige Subventionen“ klassifizierten öffentlichen Gelder sanken hingegen leicht auf 1,6 Mrd. € (−0,7 %).

UBV misstraut Berechnungen

Der Unabhängige Bauernverband (UBV) ist verwundert über die Berechnungen der Statistiker. So klagten Ackerbauern über „schlechte Preise beim Getreide und beim Mais“. Sie zahlten je Hektar ihren Aussagen nach 200 bis 300 Euro ordentlich dazu!, so  so UBV-Präsident Karl Keplinger.  Die Schweinemäster verdienen nach deren Aussagen nichts.  Der Milchpreis ist seit Jahresmitte um rund fünf bis sechs Cent/l gefallen. Keplinger fragt sich, „wer rechnet da wo und wie falsch?“

Beim Milchpreis nimmt der UBV-Präsident die Entwicklung vorweg. Bis Oktober stieg er nach AMA-Daten noch leicht an. Für November haben Molkereien aber Rückgänge von bis zu 3 Cent angekündigt, für Dezember rechnet die AMA mit weiteren  Preisrücknahmen.  

Kritik an Ramschpreisen für Butter

Die aktuellen Dumpingpreise bei Milchprodukten im Lebensmittelhandel beklagt Josef Moosbrugger, Präsident der österreichischen Landwirtschaftskammer (LKÖ).  „Ein 250-g-Packerl österreichische Butter hat derzeit in manchen Handelsketten fast genau den gleichen Preis wie eine halbe Stunde Parken unter freiem Himmel in Wien, nämlich 1,29 Euro“, so der Kammerpräsident. 

Diese Schleuderpreise sind bringen Österreichs Milchviehbetriebe, die ohnehin unter angespannten Märkten bei steigenden Kosten litten, massiv unter Druck. „Verantwortungsgefühl für Tierwohl, bäuerliche Familienbetriebe und Versorgungssicherheit schaut anders aus“, wettert Moosbrugger. von Josef Koch