Der zunehmende Preisdruck macht den Landwirten zu schaffen. Jetzt soll ein Österreich-Bonus auf heimische Lebensmittel helfen.
Sinkende Erzeugerpreise, vor allem für Milch und Schweinefleisch, sowie das beschlossene Mercosurabkommen setzen den Landwirten in Österreich immer mehr zu. Der Österreichische Bauernbund warnt in einer Presseaussendung daher vor einer weiteren Zuspitzung beim Preisdruck auf bäuerliche Produkte. Besonders bei Milch, Schweinefleisch, Getreide, Erdäpfeln und Zucker seien die derzeitigen Erzeugerpreise existenzgefährdend niedrig, so der Bauernbund. In den letzten Wochen und Monaten kam es bei einigen dieser Produkte auch zu drastischen Preisrückgängen im Lebensmittelhandel.
„Ein Viertelkilo Butter wird im Flugblatt eines Diskonters mittlerweile um 96 Cent angeboten, österreichisches Schweinskarree im Gastro-Großhandel um 4,39 Euro pro Kilo, Semmeln um 25 Cent – zu solchen Schleuderpreisen können unsere Bäuerinnen und Bauern keine Lebensmittel produzieren“, warnt Bauernbundpräsident Georg Strasser alarmiert. Hinter all diesen Produkten stünden Bauernfamilien, die ein ganzes Jahr ihre Tiere versorgt und ihre Felder bewirtschaftet haben. „Sie müssen mit ihrer Arbeit ein adäquates Einkommen erzielen können, sonst wird es diese Form der Landwirtschaft auf Dauer nicht mehr geben“, zeichnet Bauernbunddirektorin Corinna Weisl eine düstere Zukunft.
Strasser fordert daher einen Österreich-Bonus vom Lebensmittelhandel. „Wir brauchen ein klares Bekenntnis zur österreichischen Landwirtschaft“, so der Bauernbundpräsident. Der Handel dürfe hochwertige Lebensmittel nicht länger für Preisschlachten missbrauchen. Beste Qualität und höchste Standards gibt es nach Meinung des Bauernbundes nicht zum Nulltarif. Der Österreich-Bonus auf heimische Lebensmittel soll dafür sorgen, dass ein fairer Anteil vom Preis im Supermarktregal bei den Bäuerinnen und Bauern ankommt.
Laut Strasser sind die viele Erzeugerpreise bereits nicht mehr kostendeckend. Man sei an einem Punkt angekommen, wo es um die Existenz heimischer Bauernfamilien gehe. Wenn der Handel eine heimische Versorgung will, müsse er aufhören, die Höfe durch Schleuderpreise auszuhungern, so Strasser. Die Produktionsstandards und die Kosten stiegen stetig. „Der Preiskampf darf nicht länger auf dem Rücken der Bäuerinnen und Bauern ausgetragen werden. Während die Ersparnis für den Konsumenten an der Kasse nur wenige Cent beträgt, geht es auf unseren Höfen um Existenzen“, gibt der Bauernbundpräsident zu bedenken.
Der Handelsverband hat bisher zur Forderung des Bauernbundes keine Stellung bezogen. Im vergangenen Herbst hatte er aber den FPÖ-Vorschlag nach einem Österreich-Korb auf freiwilliger Basis angesichts der anhaltenden und für viele Österreicher „untragbaren“ Teuerung abgelehnt. Damals warnte der Handelsverband Österreich vor einem Verlust der regionalen, heimischen Erzeugung. „Wenn man nur billig will, heißt das in letzter Konsequenz Hühnerfleisch aus Osteuropa und Rindfleisch aus den Niederlanden. Das wird inländische Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette kosten“, so Geschäftsführer Rainer Will. Wenn dem Handel also wirklich die heimische Erzeugung am Herzen liegt, dürfte er nichts gegen die Forderung des Bauernbundes nach einem Österreich-Bonus einwenden. von Josef Koch