Während viele mit guten Vorsätzen ins neue Jahr starten, wird im Jänner auf vielen Höfen nachgedacht: Welche Schritte sind nötig, stehen Investitionen an, wohin soll sich der Betrieb entwickeln? Oft stellen sie sich eine andere Frage: „Warum tu’ ich mir das an?“
Während der Handel bei den Erzeugerpreisen den Rotstift ansetzt, fressen Energie- und Maschinenkosten die Erlöse. Die Aussichten auf unfaire Handelsabkommen und neue Formulare aus Brüssel tun ihr Übriges. Da können die Bauern im trüben Jänner leicht den Mut verlieren. Oder auch die Nerven, wie die Bauernproteste in Belgien, Frankreich und England zeigen. Die Landwirte fürchten um ihre Existenz. Nicht zu Unrecht. In Österreich schlossen in den vergangenen Jahren neun Höfe pro Tag ihre Türen – neun Existenzen, neun Lebenswerke – ohne Protest oder Aufschrei.
„Wer heute einen Hof übernimmt, erbt keine Sicherheit, sondern eine große Verantwortung.“
Wer heute einen Hof übernimmt, erbt keine Sicherheit, sondern eine große Verantwortung. Viel Arbeit, unsichere Rahmenbedingungen und die Hoffnung auf einen fairen Lohn begleiten Jung und Alt in der Landwirtschaft. Bauer zu sein, ist immer ein Risiko. Das kann die Politik nicht abnehmen, aber zumindest faire Rahmenbedingungen garantieren.
Wer als Landwirt bestehen will, muss sich weiterentwickeln. Erfolgreiche Betriebe machen es vor: Sie gehen neue Wege in der Vermarktung, steigern Effizienz oder starten zusätzliche Betriebszweige. Oft reicht es, gründlich zu rechnen, um Kostenfallen zu entgehen und finanziellen Spielraum zu behalten. Wachsen oder weichen ist längst kein Erfolgsrezept mehr. Doch Stillstand ist oft das Todesurteil von Betrieben. Den einen Weg für jeden Landwirt gibt es nicht.
Leidenschaft für die Arbeit
Genau diese Vielfalt und die Leidenschaft für die Arbeit mit Grund und Boden, Wald oder Tieren macht die Landwirtschaft aus. Sie bedeutet immer noch Freiheit, trotz aller Auflagen. Jede Bäuerin und jeder Bauer kann Entscheidungen treffen, die es den Folgegenerationen ermöglichen, dieselbe Freiheit zu genießen. Diese Zukunftsperspektive muss die Politik garantieren. Denn wer von den Bauern Mut, Investitionen und Nachhaltigkeit fordert, muss auch Planungssicherheit liefern. Sonntagsreden helfen den Betrieben nicht.
Viele Herausforderungen
2026 wird kein leichtes Jahr. Trotzdem werden die Bauern im Frühjahr nervös, sobald die Feldarbeit wieder losgeht. Sie fiebern dem ersten Schnitt entgegen, versorgen ihre Rinder und Schweine so gut sie können und hoffen auf eine gute Ernte. Sie wollen Verantwortung übernehmen für ihren Besitz, ihre Tiere und für die Versorgungssicherheit im Land. Die Frage ist nicht, ob die Bauern eine Zukunft haben. Die Frage ist, ob Politik und Gesellschaft bereit sind, sie ihnen zu lassen. Das wäre ein dringend notwendiger Vorsatz für 2026. von Roland Pittner